Forschung

Dicke Trespe in Nudeln und Bier

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Stephan Herbert Fuchs
am Freitag, 23.07.2021 - 11:16

Ein Pilotprojekt untersucht die Dicke Trespe auf Back- und Bierbraueigenschaften. Die Keimungsrate sei sehr hoch.

Bayreuth Die Dicke Trespe (Bromus grossus) ist kein Unkraut, sondern eine uralte, schon in der Steinzeit kultivierte und noch im Mittelalter genutzte Grasart, die im 20. Jahrhundert nahezu völlig verschwunden war. Pedro Gerstberger, bislang am Lehrstuhl für Pflanzenökologie an der Universität Bayreuth tätig, führt derzeit mit den Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks Oberfranken, dem Kulmbacher Lebensmittelhersteller IREKS und dem Uni-Lehrstuhl für Bioprozesstechnik ein Forschungsprojekt durch, in dem die Dicke Trespe erstmals auf Back- und Bierbraueigenschaften untersucht wird. Gefördert wird das Projekt von der Oberfrankenstiftung.

Angefangen habe alles mit der Roggentrespe (Bromus secalinus), berichtet Gerstberger. Bei einem Testbrauverfahren mit der Verwendung von Gerste und Roggentrespe habe man 40 l Bier brauen können, das ähnlich wie ein Weizenbier geschmeckt habe. Dann startete Gerstberger einen Versuch mit der kurz vor dem Aussterben stehenden Dicken Trespe.

Von Art-Erhaltungskulturen aus den Botanischen Gärten in Bonn und Frankfurt erhielt er eine Handvoll Körner, die er fachgerecht vermehrte und das gewonnene Saatgut auf einer Fläche von 1300 m² auf dem Gelände der Lehranstalten ausbrachte. Im zweiten Jahr habe der Ertrag bereits bei einer halben Tonne gelegen. Geerntet wurde mit einem kleinen Parzellenmähdrescher im vergangenen Sommer durch das oberfränkische Versuchswesen beim AELF. Gerstberger zufolge erreichen die Körner der Trespe die Größe von primitiven Getreidearten. Sie fallen nach der Reife nicht aus der Rispe, wie bei Wildgräsern, sondern verbleiben an der Pflanze und können so ohne Verluste geerntet werden. Die Keimungsrate sei sehr hoch, was besonders wichtig für die Mälzung der Körner ist.

Das Besondere an der Dicken Trespe ist, dass sie im 20. Jahrhundert infolge der modernen Reinigung des Getreide-Saatgutes nahezu völlig verschwunden war und einheimische Vorkommen extrem selten sind. „Es ist zu befürchten, dass sie gänzlich ausstirbt“, sagt Gerstberger, der vor Jahren auch erste Anbauversuche mit der Energiepflanze Silphie gestartet hat. Durch die FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat) und durch die Bundesartenschutzverordnung sind Wildvorkommen mittlerweile geschützt. Ähnlich wie beim Roggen entwickelte sich die Trespe aus einer Wildart durch die Jahrtausende lange Inkulturnahme durch den Menschen. Ziel der Studie sei es, Back-Versuche mit einem gewissen Anteil an Trespenmehl durchzuführen.