Kundgebung

Demo gegen Pläne der Bahn

Demo-ICE-Werk-Raitersaich-Teilnehmer
Fritz Arnold
am Donnerstag, 19.08.2021 - 16:44

Landwirte und Waldbesitzer stellen sich gegen ein geplantes ICE-Werk im ländlichen Raum. 800 Protestanten brachten ihren Unmut zum Ausdruck.

Die Proteste gegen die Pläne der Deutschen Bahn für ein ICE-Werk im ländlichen Raum nehmen deutlich zu. Mit einer eindrucksvollen Protest-Kundgebung unter dem Motto „Eine Nacht mit ICE-Werk“ brachten über 800 Teilnehmer ihren Unmut über die Pläne der Bahn zum Ausdruck.

Demo-ICE-Werk-Raitersaich-Straußberger

Zu Beginn machten betroffene Landwirte, Waldbesitzer, Bürgermeister und Bürgerinitiativen bei einer landkreisübergreifenden Pressefahrt deutlich, dass ein ICE-Werk im ländlichen Raum nicht machbar ist. Weder Raitersaich, noch Ketteldorf oder Müncherlbach haben Platz für einen solch überdimensionierten Flächenverbrauch, wurde lautstark verkündet. Der Müncherlbacher Vollerwerbslandwirt Fritz Arnsperger, der 90 Prozent seiner Flächen verlieren würde, nannte es leichtfertig, derart große Flächen der Nahrungsproduktion zu entziehen. Er mahnte, dass nicht nur das Klima, sondern bald auch die Nahrungsproduktion am Kippen sei. Der Biobauer Reinhard Ammon, dessen Familie schon in der elften Generation auf dem Hof sei, müsste ebenfalls aufhören, erklärte er vor seinen Feldern mit Soja, Fenchel, Mariendistel und Hanf.

Bei Andrea Schmidt in Müncherlbach müsste sogar der neue Stall für 150 Kühe abgerissen werden. Heilsbronns Bürgermeister Dr. Jürgen Pfeiffer fragte, wie man auf die Idee kommen könne, die besten Flächen im Landkreis der Lebensmittelproduktion zu entziehen. Der stellvertretende Ansbacher Landrat Hans Henninger rief unter Beifall aus, „dass wir als Teil der Metropolregion gut mit Nürnberg zusammengearbeitet haben, aber wir sind nicht ihr Fußabstreifer“.

Den Suchprozess neu starten

Von Rednern der Kundgebung wurde zwar auch die Meinung vertreten, dass gegebenenfalls am ehesten das mit Munitionsrückständen belastete Munagelände bei Feucht, das eine Zeitbombe darstelle, ausgewählt werden könnte. Mehrheitlich wurde jedoch gefordert, den Suchprozess für ein ICE-Werk mit deutlich weniger Flächenverbrauch neu zu starten und dafür bahneigene Flächen oder Industriebrachen heranzuziehen.

Mittelfrankens BBV-Bezirkspräsident Günther Felßner machte darauf aufmerksam, dass schon jetzt alle zwei Tage in Bayern so viel Fläche verloren geht, wie in Raitersaich beplant sei. Es könne nicht angehen, dass die Bahn in Nürnberg eigene Flächen teuer verkauft, um dann 30 bis 40 Kilometer aufs flache Land hinaus zu gehen, um dort billig Grundstücke zu kaufen. „Jedes Hektar Land, das bei uns für die Nahrungserzeugung verloren geht, muss wo anders bebaut werden und lässt in Brasilien den Regenwald weiter brennen“, sagte Felßner. Das müsse auch jedem gesagt werden, der bei solchen Maßnahmen auch noch ökologische Ausgleichsflächen fordere, fügte der Bauernverbandssprecher hinzu.

Die gigantische Dimension verdeutlicht

Deshalb forderte Felßner in Übereinstimmung mit dem BN-Vorsitzenden Richard Mergner Abstand zu nehmen von der bisherigen XXL-Planung. Mehrere Bürgermeister der Region machten auf die enorme Abwasserfracht von 350 000 Litern aufmerksam, die die zu wartenden ICE-Züge jede Nacht mitbrächten. Die kommunalen Infrastruktureinrichtungen hätten dann damit fertig zu werden. Am Ende der Protestkundgebung verdeutlichte ein Traktorkorso mit eingeschalteten Scheinwerfern an 80 Schleppern die gigantische Dimension des riesigen ICE-Projektes.