Wahlen 2021

Bundestagswahlen: Wandel muss möglich bleiben

Wahl-MSP-Marienbrunn_LF
Elmar Konrad
am Dienstag, 07.09.2021 - 08:31

FDP-Politiker besuchen Schwalbenhof und diskutieren mit den Bauern über ein geplantes Biosphärenreservat.

Marienbrunn/Lks. Main-Spessart Die Belange der Landwirte näherbringen und sich austauschen: Das stand bei einem politischen Austausch des BBV mit der FDP im Fokus. Um Forderungen der Landwirte aufzunehmen, besuchte die Bundestagsabgeordneten Nicole Bauer und Karsten Klein, Landtagsabgeordneter

Dr. Helmut Kaltenhauser und Bundestagskandidat Werner Janeck den landwirtschaftlichen Betrieb von Reinhard Wolz und Martin Hock.

Treffpunkt war der rund 60 ha große landwirtschaftliche GbR-Betrieb von Reinhard Wolz, dem Kreisobmann des BBV Main-Spessart, und seinem Sohn Martin Hock. Wolz, der selbst als Arbeitnehmer in Vollzeit tätig ist, hilft auf dem 2018 deutlich erweiterten Betrieb in jeder freien Minute mit. Die Hauptarbeiten werden von seinem Sohn Martin Hock und seiner Frau Elisabeth geschultert.

Eine große Palette an Verkaufsprodukten

Die 2001 errichtete Feldscheune wurde 2018 mit einem Außenklimastall für Zucht- und Mastschweine sowie einem Verkaufsraum für die erweiterte Direktvermarktung ergänzt. Heute werden am „Schwalbenhof“ rund 300 Tiere gehalten und eine große Palette an Verkaufsprodukten, wie z. B. Kartoffeln, Fleisch, Wurst, Eier, Marmelade, verschiedene Säfte und Suppenhühner zusammen mit weiteren Produkten regionaler Landwirte vermarktet.
Auch wenn die Direktvermarktung gut angelaufen ist und während der Corona-Krise weiter an Zulauf gewann, fragt sich Wolz, ob der neu errichtete Stall in der zweitbesten Haltungsstufe 3 auch in dieser Form noch 20 Jahre betrieben werden kann, oder ob weitere Auflagen drohen. „Auf 20 Jahre wurde die Finanzierung kalkuliert. Nur wenn das möglich ist, kann damit auch Geld verdient werden“, sagte der Kreisobmann. Er wünsche sich wieder mehr Vertrauen in die Fachkenntnis der gut ausgebildeten Landwirte und verurteilt strenge eingrenzende Auflagen. Dazu nannte er auch gleich ein Beispiel. Aufgrund einer aktuellen Vorschrift ist er aus Tierschutzgründen verpflichtet, seinen Muttersauen 7 Tage nach der Geburt mehr Freiraum zu bieten. Sind ab diesem Zeitraum einzelne Ferkel noch nicht aktiv genug um auszuweichen, werden sie vom Muttertier totgedrückt.
Auch das Thema Wolf liegt den Landwirten sehr am Herzen. Wolz berichtet, dass vor rund 200 Jahren in Marienbrunn eine Kapelle errichtet wurde, weil an dieser Stelle ein Wolf erfolgreich abgewehrt werden konnte und damit weder Tiere noch Kinder zu Schaden kamen. Er wünscht sich heute deutlich mehr Weitsicht und will nicht noch einmal eine Kapelle bauen müssen. Seine Forderung: Den Wolf ins Jagdrecht aufnehmen und die Bestände frühzeitig regulieren.

Ernährungssicherung steht im Vordergrund

Im Laufe der ausgiebigen Diskussion, an der sich unter anderem Unterfrankens BBV-Bezirkspräsident Stefan Köhler und Josef Schiepeck, BBV-Keisobmann in Miltenberg, beteiligten, äußerte Nicole Bauer, dass für die FDP die Ernährungssicherung mit gesunden Lebensmitteln im Vordergrund stehe. Gerade die familiengeführten mittelständischen Betriebe seien schrittweise benachteiligt worden, sagte die Abgeordnete. Der bereits gesunkene Selbstversorgungsgrad dürfe keinesfalls weiter fallen.

Lästige Bürokratie soll abgebaut werden

Bauer verspricht, gegen lästige Bürokratie in der Landwirtschaft, wie z. B. die Antragstellung auf Agrardiesel und den umfangreichen Mehrfachantrag, vorzugehen. Für die Auszahlung sei ein komplizierter Antrag oft nicht nötig, da überprüfbare Daten den staatlichen Stellen bereits vielfach vorliegen, stellte Bauer fest.

„Mit einer deutlich ausgeweiteten steuerfreien Risikoausgleichsrücklage soll den Betrieben die Möglichkeit gegeben werden, auch schlechte Jahre besser zu überstehen“, ergänzte Bauer. Beim Thema Biosphärenreservat waren sich alle einig, dass eine ergebnisoffene Diskussion nötig sei und die Entscheidung u. U. erst nach der Machbarkeitsstudie möglich ist. Aktuell wird oft von einer verbesserten Förderung gesprochen, die Empfänger der Förderung bleiben unklar.

Dem Bauernverband ist wichtig, dass Entscheidungsgremien im Biosphärenreservat von den örtlichen Bewirtschaftern und örtlich direkt betroffenen Akteuren dominiert werden. Den Status quo zu halten, biete für eine meist von äußeren Umständen aufgezwungenen Änderung der Landwirtschaft keine Perspektive. Wandel muss möglich bleiben, fordern die Bauernverbandsvertreter.

Momentan ziehen die Erzeugerpreise der Landwirte den Preissteigerungen in den sonstigen Bereichen nicht hinterher. Das führe zu einem unausweichlichen Ende gut geführter landwirtschaftlicher Betriebe. „Das können und dürfen wir uns so nicht mehr leisten. Das wird für die Gesellschaft langfristig zu teuer“, sagte Bezirkspräsident Stefan Köhler.