Forstwirtschaft

Ein Brotbaum der Zukunft?

Waldbegehung mit Förster Robert Lindl
Rosi Thiem
am Montag, 19.04.2021 - 06:29

Der Klimawandel zeigt den Weg der Vielfalt und zwingt zum „neu“ denken. Eine Risikostreuung ist inzwischen wesentlich.

Eines steht fest: Es gibt nicht den Brotbaum der Zukunft. „Wir dürfen nicht den Fehler machen, den einstigen Brotbaum Fichte durch einen einzigen anderen Brotbaum – Douglasie als Beispiel – zu ersetzen“, warnt Förster Robert Lindl bei einer Waldbegehung in Waiganz. „Wir müssen eine Strategie der Mischwälder mit mehreren, verschiedenen Baumarten einsetzen, um die Wälder gegen die Gefahren der Klimakrise zu wappnen.“

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Lindl hat sich mit den Waldbesitzern Markus und Felix Windisch und dem zuständigen Abteilungsleiter Forsten des AELF Bayreuth, Matthias Huttner, vor Ort im Wald getroffen. „Wesentlich ist hier eine Risikostreuung“, zeigt auch Forstoberrat Huttner auf: „Man setzt in der Zukunft auf mindestens drei, jedoch besser vier bis fünf Baumarten, falls eine Sorte im Klimawandel ausfällt.“

Dass dies geschehen kann, hat auch Markus Windisch erfahren müssen. Die von ihm vor 15 Jahren gepflanzten Eschen wurden plötzlich von oben herunter dürr. Das überall einsetzende Eschentriebsterben – durch einen eingeschleppten Pilz aus Asien – machte diesen Favoriten zunichte. Einzelne Eschen haben überlebt. „Die Esche wird nicht mehr gepflanzt“, bemerkt Robert Lindl. „Einzelne ältere Exemplare halten es aus, Jüngere jedoch sterben eher ab“, sagt er. Markus Windisch ließ sich damals nicht entmutigen. Er war schon immer mit dem Schwiegervater gerne im Wald. Sie bauten auch ihre Forstwege aus und schauten schon immer: Was steht gerade im Wald an? Inzwischen kommt auch Sohn Felix gerne mit.

Käferlöcher anpflanzen und einzäunen

Im vergangenen August gab es dann an einem Fichtenschlag einen Borkenkäferbefall, den Windisch schnell aufarbeitete. Nun im Dezember musste er feststellen, dass in der Nachbarschaft an grünen Bäumen bereits eine unbemerkte, massive Borkenkäferbesiedelung stattgefunden hatte. Hier verhinderte ein schnelles Eingreifen einen flächenmäßigen, gravierenden Befall.

„Wir pflanzen hier nun Schwarzkiefer, Kirsche, Elsbeere und Bergahorn. Die Lärche kommt über die Buchen-Naturverjüngung“, zählt der gelernte Zimmermann auf. Vater und Sohn sind ein eingespieltes Team. Nachdem Felix Windisch flugs den schützenden Zaun beiseite gerollt hatte, ging es mit dem Hohlspaten los. „Wichtig ist, dass auch die Wurzel senkrecht in den Boden kommt“, betont Matthias Huttner. „Die 30 Zentimeter Spatentiefe ist ideal. Zuerst einen geraden Stich, dann einen schrägen Gegenstich, damit das Erdreichgefüge erhalten bleibt.“

Einige Saatversuche bereits ausprobiert

Markus Windisch setzt zudem auf Naturverjüngung und hat auch schon einige Saatversuche ausprobiert. „Aber ohne Zaun geht nichts“, sagt er. Das Wild lässt keine ungeschützten Jungpflanzen aufkommen. „Ein angepasster Schalenwildbestand wäre wichtig, damit nicht jede Fläche teuer eingezäunt werden müsste. Die Natur würde ja eine kostenlose Chance zum Waldumbau durch Naturverjüngung – auch klimaverträglicher Baumarten – bieten“, so Huttner. Das neue Verbissgutachten 2021 ist noch in Arbeit. Hier ist im Juni mit einem Ergebnis zu rechnen.
Ruckzuck pflanzten die Windischs im 1,5 m Abstand Hainbuche, Elsbeere und Bergahorn, da der geplante Spitzahorn in der Baumschule wegen Pflanzenmangel nicht zu bekommen war. „Ja, die Pflanzenversorgung mit trockenresistenten Baumarten ist nicht immer ausreichend. Die Baumschulen müssen sich auf früher wenig beachtete Baumarten umstellen“, fordert Lindl. „Dazu kommen hohe Kosten für den Schutz der Forstkulturen. Das Geld kann durch die Jagdpacht nicht erbracht werden“, rechnet er vor.
Derzeit hat Markus Windisch von seinen 23 ha Wald drei Hektar an verschiedenen Standorten zum Schutz der Jungpflanzen eingezäunt. Dieser Zaun muss auch ständig kontrolliert werden. Der Schutzzaun war schon vorher woanders im Einsatz und wird wiederverwendet. Nachhaltigkeit ist den Windischs wichtig.

Waldumbau ist die größte Aufgabe

„Der Waldumbau ist die größte Aufgabe der nächsten Jahrzehnte“, stellt Matthias Huttner fest. „Man handelt für die Kinder und die Enkel.“ In diesem Zusammenhang verweist Huttner auf die hohe CO2 Speichermenge des Waldes. Der Waldumbaubedarf in Stadt und Landkreis Bayreuth beträgt insgesamt 3528 ha – allein im Privat- und Körperschaftswald. Der im AELF Bayreuth geplante Waldumbau für 2021 sind 65 ha. „Das ist ohne Staatswald. Der Waldumbau wird sich noch beschleunigen durch den Borkenkäfer und den Klimawandel“, sagt Huttner. „Die staatliche Förderung wurde 2020 praktisch verdoppelt. Man bekommt für eine Pflanze bereits eine Grundförderung von 2,50 Euro. Dazu kommen zahlreiche Zuschläge, so dass am Ende der Förderbetrag auch bei über vier Euro je Pflanze liegen kann“, warb er.
„Die staatlichen Revierleiter können, wie in diesem Fall, mit ihren tragbaren Laptops die genaue Standorteignung und das Klimarisiko einzelner Baumarten durch die von der LWF (Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft) entwickelte Klimakarte ermitteln. Hier wird auch auf die Wünsche der Waldbesitzer eingegangen“, sagt Huttner.
„Mehr als die Hälfte des bayerischen Waldes gehört Privatpersonen“, zeigt Förster Robert Lindl auf. „Es steigt der Beratungsbedarf für die Waldbesitzer. Die Zeit, die sie für ihren Wald übrig haben, wird immer weniger und die Zahl derer, die noch selbst die Waldarbeiten erledigen können, sinkt“, betont er. „Die Förster vor Ort beraten unabhängig, neutral und kompetent. Darüber hinaus helfen die Forstbetriebsgemeinschaften und Waldbesitzervereinigungen.“
Viele Waldbesitzer zögerten noch wegen eines zukunftsträchtigen Waldumbaus. „Wie gesagt, es gibt nicht den Brotbaum. Aber inzwischen werden vermehrt heimische Bäume, wie die Kirsche, die Walnuss und die Douglasie, die schnell wachsen, aber auch die Elsbeere, Hainbuche, Lärche, Flatterulme, Esskastanie und die Baumhasel wieder gepflanzt. Die Eiche ist ein Lichtbaum und würde bei uns wachsen, ebenso kommt die Linde mit dem Klimawandel als Schattlaubholz zurecht,“ zählt Lindl auf. „Die Robinie oder Akazie ist anspruchslos. Sie liefert robustes und witterungsbeständiges Holz“.
Mehrere Hundert wurzelnackte Pflanzen wurden inzwischen in den Wäldern rund um Waiganz gepflanzt. Der 18-jährige Felix Windisch, der gerade vor dem Abi steht, weiß schon was er einmal beruflich machen wird: Förster. „Ich möchte Forstwirtschaft studieren. Das Praktikum bei den Bayerischen Staatsforsten hat mir sehr gefallen. Es ist eine gute Abwechslung und ein Ausgleich zum Schreibtisch. Ich brauche körperliche Bewegung und bin gerne in der Natur“, verrät der sportliche, junge Mann. Es ist spürbar: Die Liebe zum Wald wird hier weitergegeben.