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Verkauf von Weihnachtsbäumen

Brennen heuer am Christbaum weniger Lichtlein?

Christbaumernte-Franken
Stephan Herbert Fuchs
am Mittwoch, 30.11.2022 - 17:00

Die Christbaumernte auf den Plantagen von Uwe Witzgall beginnt: Trotz Extremsommer ist die Qualität der regionalen Weihnachtsbäume gut. Preise sollen nicht steigen. Außerdem ein Tipp, wie die gekauften Tannen länger frisch bleiben.

"Den Weihnachtsbaum, den gönnt man sich“, sagt Uwe Witzgall und blickt zuversichtlich auf die anstehende Saison. In diesen Tagen hat für den Landwirt aus Petschen, oberhalb von Stadtsteinach im Landkreis Kulmbach, die heiße Phase begonnen. Seit bald zehn Jahren baut der 52-Jährige auf rund 30 Hektar Fläche hauptsächlich Nordmanntannen, in geringeren Stückzahlen auch Nobilis-Tannen, Blaufichten und Schwarzkiefern, an. Witzgall beliefert damit Händler in ganz Deutschland.

Christbäume aus Franken stehen in Oberbayern

Die neugepflanzten Christbäume haben den Trockensommer erstaunlich gut überstanden, freut sich Uwe Witzgall. Vor allem der Regen im Herbst hat den jungen Bäumen in den Plantagen gut getan.

Sogar im oberbayerischen Kloster Seeon steht ein Baum aus dem Kulmbacher Land, oder etwa bei Feinkost Käfer in München. Die Weihnachtsbäume sind längst bestellt. In diesen Tagen rollen die Laster zum Transport an. „Als erstes gehen die Bäume für Firmen, Betriebe und Gemeinden raus“, erläutert Uwe Witzgall. Die zeitigen Lieferungen liegen auf der Hand. Diese Bäume werden ja auch bereits zum ersten Advent aufgestellt, und der war extrem früh bereits am 27. November. Der Landwirt hatte 2013/2014 die Milchviehhaltung aufgegeben und sich seither fast gänzlich auf die Weihnachtsbäume konzentriert.

Fünf festangestellte Mitarbeiter hat Uwe Witzgall und noch eine Saisonkraft, die in diesen Tagen alles geben müssen. Sie wohnen bis zum Weihnachtsfest sogar in Petschen. „Fast alle sind seit vielen Jahren hier“, sagt der Landwirt aus dem Oberland. Einer sei bereits seit der Grenzöffnung jedes Jahr bei der Ernte mit dabei. Und in Spitzenzeiten wird die ganze Familie eingespannt. Ob Patenkind oder Schwager, sie alle verbringen ihre freie Zeit auf dem Hof, der sich direkt auf der Fränkischen Linie auf rund 540 Meter über Normalnull befindet. An die 800 Bäume sind es, die derzeit pro Tag geerntet werden. Im Schnitt sind sie sechs bis zehn Jahre alt.

Ausreichend Bäume sind verfügbar

Gute Nachrichten hat Uwe Witzgall für alle Kunden. Zum einen werde es, ganz entgegen dem Trend, keine wesentlichen Preiserhöhungen geben, zum anderen seien trotz der extremen Trockenheit in diesem Sommer, genügend Bäume vorhanden. Ein wenig hätten die Bäume schon gelitten, doch gerade der Regen im zurückliegenden Herbst habe einiges wieder gut gemacht. „Die Nordmanntanne ist aber auch extrem widerstandsfähig, sagt er. Die Ausfälle durch die Trockenheit beziffert Uwe Witzgall auf knapp 20 %. Kein Problem sei dagegen der Borkenkäfer, weil die Nordmann-Tanne ein Pfahlwurzler ist, den der Käfer in der Regel links liegen lässt.

Die Qualität steht an oberster Stelle

Um sich von der Billigkonkurrenz der Baumärkte abzugrenzen, legt Uwe Witzgall allergrößten Wert auf Qualität. Das beweist schon die Tatsache, dass in der Regel rund ein Fünftel aller Bäume als Ausschuss eingestuft und als Schnittgrün vermarktet werden. „Schrott geben wir nicht raus“, macht Uwe Witzgall unmissverständlich klar und ist fest davon überzeugt: „Wer einmal einen Qualitätsbaum aus seinen Plantagen hat, der kommt immer wieder.“

Christbäume durchlaufen zahlreiche Zertifizierungen

Obwohl selbst die Netze teurer geworden sind, sollen heuer die Preise für die Weihnachtsbäume nicht steigen.

Qualitätsbaum heißt, dass alle Bäume aus Petschen seit 2018 das Siegel „geprüfte Qualität Bayern” tragen dürfen. Das Gütesiegel besagt, dass festgelegte Produktionskriterien eingehalten und auch regelmäßig kontrolliert werden. Dazu gehört zum Beispiel ein später Schnittzeitpunkt ab dem 15. November. Außerdem wurde der Betrieb nach den Standards von GLOBAL G.A.P. zertifiziert, was die Erfüllung noch höherer Standards bedeutet. Sie beginnen von der Anpflanzung über die Produktion bis hin zur Ernte, praktisch in allen Bereichen.

Einen Trend kann Uwe Witzgall aber doch feststellen: viele Abnehmer hätten angekündigt, dass sie heuer aus Energiespargründen zwar nicht auf den Baum, aber auf die Beleuchtung verzichten. Vor allem in den Ämtern, aber das kann dem Baumproduzenten egal sein. Freilich wurde auch er von der Preisexplosion getroffen, vor allem beim Dünger. Auch die Lastwagen und Schlepper brauchen ihren Diesel und sogar die Netze seien um 20 % teurer geworden.

So bleibt der gekaufte Christbaum länger frisch

Für das kommende Jahr werde er die Preise wohl nicht halten können und die Händler vor Ort stellten sich ja auch nicht umsonst hin. Er selbst bezahlt seine Mitarbeiter schon längst über den Mindestlohn.

Einen Tipp hat Uwe Witzgall für alle Christbaumbesitzer: „Der gekaufte Baum sollte drei Wochen schattig und im Freien liegen, dann hält er am längsten“. In der Wohnung sollte anschließend ein kleines Stück abgesägt und der Ständer mit Wasser gefüllt werden. So hat man am längsten seine Freude an den Weihnachtsbäumen aus dem Frankenwald. Als weiteren Trend hat er beobachtet, dass viele Menschen ihren Baum bereits während der Adventszeit aufstellen und schmücken. Nicht erst am Heiligen Abend, so wie früher.

Wer Lust hat, sich seinen Baum selbst auszusuchen und eventuell sogar selbst zu schlagen, der kann am zweiten, dritten und vierten Adventswochenende, jeweils Samstag und Sonntag zwischen 10 und 16 Uhr nach Petschen kommen und sich seinen Baum direkt beim Produzenten kaufen.

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