Kulturen

Braugerste - starker Rückgang der Anbaufläche

Braugerstenrundfahrt
Stephan Stöckl
am Montag, 05.08.2019 - 13:29

Die Braugerstenrundfahrt im Landkreis Wunsiedel hat auch den Klimawandel zum Thema.

Korbersdorf/Lks. Wunsiedel Inzwischen hat auch in „Bayrisch-Sibirien“ der Klimawandel Einzug gehalten. Während es im Mai noch Nachtfröste gegeben hatte, stiegen die Temperaturen im Juni auf Rekordwerte von bis zu 35 Grad. „Eine solche Hitze habe ich noch nicht erlebt“, berichtete Landwirt Hermann Wunderlich den 65 Teilnehmern der Braugerstenrundfahrt. Dort war es über sechs Wochen zu trocken gewesen. „Im Arzberger Ortsteil Korbersdorf, wo ich wohne, regnete es nur 20 Liter“, stellte der Landwirt fest. Die Pflanzen auf dem 4,6 ha großen Feld seines Sohnes Alexander standen dennoch wie eine Eins da. „Wie hat er das nur gemacht?“, fragten die Besucher. Er habe, so Hermann Wunderlich,darauf geachtet, dass sich viel feines Wurzelwerk bilden konnte, damit das Getreide auch den letzten Tropfen Wasser erwischt. Dazu benötige man eine optimale Bodenstruktur. „Die lässt sich nur durch eine gute Fruchtfolge erzielen“, betonte der Landwirt.
Friedrich Ernst vom AELF geriet beim Anblick des Feldes, auf dem die zwei Sorten Solist und Accordine standen, ins Schwärmen: „Es ist ein gleichmäßig starker und dichter Bestand.“ Auch der 10 ha große Schlag von Jörg Marth aus Seußen mit der Sorte Solist hatte sich prächtig entwickelt. Auf dem Sortenversuchsfeld in Grafenreuth stand die Sorte Solist nicht so dicht.
Einen starken Rückgang gibt es in Oberfranken bei der Sommergerstenanbaufläche zu verzeichnen. „Aktuell stehen 30473 ha des Getreides auf den Feldern. Das sind 2648 ha weniger, was einem Rückgang von 8,8 % entspricht“, stellte Ernst ernüchtert fest. Als Gründe nannte er die geringen Auswinterungsschäden bei Wintergetreide und den verstärkten Anbau von Silomais, der der Trockenheit des vergangenen Jahres geschuldet sei. Verglichen mit 2018 rutschte die Braugerste auf den dritten Platz ab. Auf den ersten zwei Plätzen landeten Mais (35 800 ha) und Winterweizen (33 800 ha).

Spitzenreiter beim Anbau von Sommergerste ist in Oberfranken wieder der Kreis Hof (8702 ha), gefolgt von Wunsiedel (4776 ha), Kulmbach (4547 ha) und Bayreuth (4019 ha). Bei einem durchschnittlichen Ertrag von 50 dt/ha errechnete Ernst eine Brutto-Erntemenge von rund 152 000 t. „Wenn 75 Prozent dieser Menge Braugerstenqualität hätten, dann wäre mit einem oberfränkischen Braugestenaufkommen von rund 114 000 Tonnen zu rechnen“, sagte der Fachmann, der unterdurchschnittliche Erträge prognostizierte.

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