Ernte 2019

Braugerste: In Oberfranken geht das Wasser aus

Braugerste
Stephan Stöckel
am Freitag, 22.11.2019 - 09:00

Die trockenen Sommer hinterlassen Spuren. In Teilen der Region sind Missernten und wirtschaftliche Totalschäden zu verbuchen.

Kulmbach - Zwei heiße, trockene Sommer hintereinander – das wirkte sich nicht nur auf die Erntemenge und die Qualität der Braugerste aus. Auch bei der Braugerstenschau des oberfränkischen Braugerstenvereins im Mönchshof Bräuhaus hatten die Hitzewellen ihre Spuren hinterlassen: Die Zahl der eingesandten Muster hatte mit 97 Stück die Hunderter-Marke unterschritten und auch die Höchstpunktzahlen 25 und 24 konnte in diesem Jahr von den Gutachtern nicht vergeben werden. Vorsitzender Hans Pezold sprach von einer Missernte in Teilen Oberfrankens, stellte aber zugleich klar: „Alle ausgestellten Muster erfüllen die hohen Qualitätsanforderungen an Braugerste. Sie sind nur nicht ganz so exzellent, wie wir es sonst gewohnt sind.“

Missernte und wirtschaftlicher Totalschaden

Oberfranken

Ertragseinbußen von bis zu 50 % seien keine Seltenheit, so Pezold. Zudem habe man auch die geforderten Qualitätsparameter bei Protein und dem Vollgerstenanteil deutlich verfehlt. Die Vollgerstenanteile hätten mancherorts bei 50 % gelegen und nicht bei den geforderten 90 %. „Das ist ein wirtschaftlicher Totalschaden für den Braugerstenerzeuger“, bilanzierte Pezold sichtlich enttäuscht.

Die Zeiten, in denen in Oberfranken immer um die 40.000 ha Braugerste angebaut wurden, sind schon lange vorbei. Darauf wiesen sowohl Pezold als auch Landwirtschaftsoberrat Friedrich Ernst vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bayreuth hin. Letzterer bezifferte in seiner Schaukritik den Rückgang auf 2648 ha, was einem Minus von 8 % entspricht. „2019 standen nur noch 30 473 ha auf den oberfränkischen Feldern“, sagte er. Damit liege man nur knapp über dem Allzeittief des Jahres 2016 von 29.194 ha.

Futterbaubetriebe müssen sich ums Futter kümmern

Nach Ansicht Pezolds werde sich auch im nächsten Jahr keine positive Entwicklung bei der Anbaufläche abzeichnen. „Die Futterbaubetriebe haben das zweite Trockenjahr hinter sich und werden deshalb auch 2020 versuchen, ihre Großfutterbestände über Mais und Kleegras wieder aufzubauen“, lautete seine Begründung.

Der Sommergerstenertrag lag nach Auskunft Ernsts um zwanzig Prozent niedriger als 2018. „Im Schnitt wurden 41,1 dt pro ha erzielt“, sagte er. Aus diesem Ertrag und einem geschätzten Braugerstenanteil von 70 % errechnete er ein Braugerstenaufkommen von rund 87 500 t. „Das sind 32 % oder 41 000 t weniger als im Vorjahr“.

Pezold und BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger sprachen sich dafür aus, einen eigenen Fördertatbestand Braugerste einzuführen. „Man kann eine Marktfrucht nicht staatlich fördern“, widersprach MdL Martin Schöffel, der auch stellvertretender Vorsitzender des Vereins ist. Vielmehr müssten die Brauereien einen guten Preis zahlen.

„Versuchen Sie jetzt schon eine Teilmenge zu vermarkten und im Frühjahr 2020 bei anziehender Nachfrage, wenn Sie Luft nach oben sehen, die zweite Tranche zu verkaufen.“ Das riet Geschäftsführer Dr. Alexander Rosenberger von der Firma Evergrain, einem Tochterunternehmen der Baywa AG, das sich auf den Braugerstenhandel spazialisiert hat.

Landrat Klaus Peter Söllner würdigte die Braugerste als einen wichtigen Bestandteil der regionalen Wirtschaftskreisläufe in Oberfranken. An der Veranstaltung hatte auch Dr. Kyoko Iida vom japanischen Landwirtschaftsministerium teilgenommen, die sich in Oberfranken über solche Kreisläufe informiert.

Unter den zur Braugerstenschau eingesandten 97 Mustern, die einer eingehenden Qualitätsprüfung unterzogen worden waren, lag die Sorte Solist (52 %) mit deutlichem Vorsprung vor Avalon (22 %) an der Spitze. Die Landwirte mit den besten Mustern wurden mit Urkunden und Preisen bedacht.
Erster wurde Roland Kolb aus dem Wonseeser Ortsteil Großenhül im Landkreis Kulmbach mit 23 von 25 möglichen Punkten für die Sorte Solist. Dahinter folgten Tina Küspert aus Wunsiedel (23 Punkte/Solist) und Karl Stöhr aus dem Wunsiedler Gemeindeteil Schneckenhammer (23 Punkte/RGT Planet).
Landkreissieger wurden: in Bamberg Stefan Grasser aus Königsfeld-Kotzendorf (22 Punkte/RGT Planet); in Bayreuth Markus Pirkelmann aus Hollfeld-Schönfeld (21 Punkte/Solist); in Coburg Christian Florschütz aus Meeder-Kleinwalbur (21 Punkte/Avalon); in Forchheim Arnold Koy in Eggolsheim (22 Punkte/Grace); in Hof Claus Helling aus Weißdorf (22 Punkte/Solist); in Kulmbach und Kronach Roland Kolb aus Wonsees-Großenhül (22 Punkte/Avalon); in Lichtenfels Josef Herold aus Weismain-Neudorf (22 Punkte/Accordine) und Werner Schricker aus Wunsiedel (22 Punkte/Accordine).