Hopfen

Brauer im Doldenparadies

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Jürgen Leykamm
am Dienstag, 05.01.2021 - 08:01

Der traditionelle Rohstofftag fand erstmals in der HVG-Halle in Spalt statt.

Zum Rohstofftag trafen sich Experten, die sich aufs Brauen guter Biere und die Erzeugung und Vermarktung der Zutaten verstehen, erstmals in der Haupthalle der Spalter Hopfenverwertungsgenossenschaft (HVG). An diesem Umschlagplatz der Dolden konnten die Brauer einmal direkte Tuchfühlung mit dem grünen Gold aufnehmen, dessen Geruch auf angenehme Weise das Treffen bereicherte.

„Ein richtig interaktives Erlebnis diesmal!“ wie Stefan Stang formulierte, Hauptgeschäftsführer des Privaten Brauereien Bayern und Moderator der Veranstaltung.

„Heute sind so viele Brauereien hier wie nie zuvor“, sagte Stang zur Begrüßung. Das ergab eine Gelegenheit, die HVG-Chef Frank Braun nicht ungenutzt verstreichen lassen wollte. Er lud die vielen Versammelten, die bis aus Baden-Württemberg und Thüringen angereist waren, zu einer gemeinsamen Hopfen-Bonitierung ein.

„Das bleibt vielen Eurer Brauerkollegen ein Leben lang verwehrt!“ machte er auf die einmalige Chance in der Spalter Hopfenhalle aufmerksam. Neben dem Verband der Privaten Brauereien und der Genossenschaft ist seit jeher der Bayerische Brauerbund Teil des Veranstaltertrios, am Rednerpult vertreten durch Walter König, der hier die Geschäfte führt.

Nonplusultra des Hopfenmarkts

Mit allen Sinnen konnten die nummerierten Doldenhäufchen von vier verschiedenen Hopfensorten geprüft werden. Der frühere Geschäftsführer Hans Zeiner war sich dabei mit Uwe Schulz, Braumeister der Spalter Stadtbrauerei, sofort einig: „Nummer drei ist der Spalt-Spalter!“ Ein Aromahopfen von besonderem Kaliber. Oder wie es Braun sagte: „Das Nonplusultra, was der Hopfenmarkt des ganzen Universums zu bieten hat!“ Ein Satz, der selbst bei den Gästen aus der Hallertau unwidersprochen blieb.

Doch die Sorte mag so vortrefflich sein, wie sie will – eine gute Ernte bleibt von der Witterung und von einer gut getanen Arbeit abhängig. Im Jahr 2020 kam das Ungemach schon beim Hopfenanleiten im Frühjahr. Coronabedingt fehlten nämlich die Helfer. Doch zum Glück nur vorübergehend: „Es gab eine unglaubliche Welle der Hilfsbereitschaft!“ lobte Werner Wolf, Leiter des Rother Landwirtschaftszentrums. Auch so mancher Brauerei-Auszubildender fand sich bald in einem Hopfengarten wieder und „bekam so einen ganz eigenen Zugang zu diesem Rohstoff“, unterstrich Walter König.

Respektable Qualität

Drei regenreiche Monate hatten dem Hopfen über lange Trockenperioden hinweggeholfen und es sei auch nicht zu heiß gewesen, resümierte Wolf weiter. Das habe bei der Ernteschätzung Optimismus verbreiten lassen. „Aber die fürs Spalter Anbaugebiet prognostizierten 780 Tonnen werden wir wohl nicht erreicht haben“, sagte er.

Man könne aber trotzdem von einer gut durchschnittlichen Ernte mit einer respektablen inneren und äußeren Qualität der Dolden sprechen. Und das wichtigste: „Die Versorgung mit Spalter Qualitätshopfen ist sichergestellt!“

Zeitgleich sei der Biermarkt nicht wie befürchtet eingebrochen, verwies Johann Pichlmaier (Vorstandsvorsitzender der HVG Wolnzach) auf eine zweite unvorhergesehene Entwicklung: „Die Brauwirtschaft leidet weniger an Corona als gedacht.“

Trotzdem sorgte das Virus bei der Braugerstenvermarktung für eine Delle. „Doch von ihr hat sie sich schon wieder einigermaßen erholt“, wie Stephan Bergler erläuterte, einer der Geschäftsführer der Kulmbacher Ireks GmbH.

Bei der Braugerste sei die Versorgungslage sehr zwiegespalten. Es gebe zwar in Europa einen gewaltigen Überschuss, doch der könne schnell etwa in Richtung China wandern. Da heiße es für Deutschland achtsam sein, ist es doch auf den Import von bis zu 800 000 t angewiesen. „Wir müssen unbedingt den Anbau bei uns stützen!“ forderte Bergler deswegen.

Die Erntequalität sei indes recht passabel. Ebenso seien die ersten „Gushing“-Tests ganz zufriedenstellend ausgefallen. Ein Phänomen, das dafür sorgen kann, dass das Bier schon beim Öffnen der Flasche überschäumt, anstatt eine schöne Schaumkrone beim Einschenken zu bilden.

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