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Waldbau

Borkenkäfer: Enorme Belastung für Waldbauern

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Stephan Stöckel
am Montag, 04.04.2022 - 07:55

Der Borkenkäfer ließ die Vermarktungsmenge bei der WBV Lichtenfels-Staffelstein 2021 regelrecht durch die Decke gehen.

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Lichtenfels  Im vergangenen Jahr stieg die Menge des verkauften Holzes von 50 722 auf 96 563 fm. „Das ist unglaublich. Wir hätten fast die Marke von 100 000 fm geknackt“, sagte Geschäftsführer Harald Quinger.

Steuerberater Christoph Eube von der Steuerberatungsgesellschaft „Treukontax“ verkündete bei der Jahreshauptversammlung in Form einer Videokonferenz den rund 100 Zuhörern ebenfalls steigende Zahlen.Der Umsatz hatte sich wegen der anhaltend großen Holzvermarktungsmenge von 2,1 auf 6,8 Mio. € mehr als verdreifacht. Der Gewinn stieg um rund 79 % von 196 283 auf 351 066 €.

Für den Vorsitzenden Robert Hümmer hatte das Ganze einen faden Beigeschmack: „Ich würde lieber 40 000 fm frische Fichte vermarkten als 100 000 fm Käferholz“. Quinger sprach gar vom „schlimmsten Jahr seit Beginn der Kalamität“, die eine enorme Belastung für die Waldbesitzer und die festangestellten Mitarbeiter der WBV bedeutete.

Vor allem Fichten leiden

Vor allem die Fichten leiden unter Trockenheit und Käferbefall. Die vermarktete Menge im Landkreis Lichtenfels machte mit 94 750 fm rund 98 % aus. Die restlichen 2 % entfallen auf die Kiefer (1507 fm) und verschiedene Laubhölzer (306 fm). Über die seit zwei Jahren steil ansteigenden Holzpreise freute sich der Referent.

Zum 31. Dezember 2021 zählte der Verein 2432 Mitglieder. 94 Neuzugängen standen laut Quinger 58 Austritte entgegen. Der Experte führte den Zuwachs auf die Bundeswaldprämie zurück. Sie bescherte jedem Waldbesitzer mit mindestens einem Hektar Wald eine Förderung von 100 € pro ha.

Schadausmaß durch Befliegung festgestellt

Welche Dimensionen der Käferbefall im Landkreis Lichtenfels inzwischen angenommen hat, führte den Zuhörern das Ergebnis einer Befliegung deutlich vor Augen. „Auf 3209 Flurstücken wurde im September vergangenen Jahres Borkenkäferbefall festgestellt. Das ist zwar nicht so katastrophal wie in Thüringen, dem Harz oder im Sauerland, aber es reicht“, stellte Leitender Forstdirektor Dr. Michael Schmidt vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg (AELF) fest.

Bei dem Flug habe man eine Fläche von 690 ha zur Wiederaufforstung identifiziert, was der Experte als sehr viel bezeichnete. Die Sturmtiefs im Februar dieses Jahres hätten nur zu Einzelwürfen geführt. An die Waldbesitzer appellierte er, sie zeitnah aufzuarbeiten, damit nicht Borkenkäfer von hier aus gesunde Bestände befallen.

Aufarbeiter am Anschlag

Die Harvesterunternehmen hatten im vergangenen Jahr aufgrund der Käferplage viel zu tun. „90 000 fm Holz wurden hochmechanisiert eingeschlagen“, sagte Quinger. Andererseits entstanden zahlreiche Kahlflächen, die wiederaufgeforstet werden müssen. Die WBV lieferte im Herbst vergangenen Jahres 46 000 Pflanzen aus. Zu den Landwirten, die fleißig angepflanzt haben, zählt Herbert Kunzelmann aus dem Weismainer Ortsteil Weiden. Der Vollerwerbslandwirt erhielt für seinen unermüdlichen Einsatz bei der Kalamitätsbekämpfung und seine professionelle Waldbewirtschaftung der Kahlflächen den Waldpreis „Die Goldene Hepppe“, den die WBV und das AELF alljährlich verleihen. Stellvertretender Landrat Helmut Fischer und BBV-Kreisobmann Michael Bienlein gratulierten der WBV zu ihrem wirtschaftlichen Erfolg.