Biodiversität

Blühpflanzen anstelle von Mais

Blühpflanzen-Hanfmix Gruppenfoto
Fritz Arnold
am Donnerstag, 03.09.2020 - 09:46

20 Landwirte engagieren sich in einem Gemeinschaftsprojekt für mehr Artenvielfalt.

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Fast vier Meter hoch sind die Hanfpflanzen auf dem Feld von Markus Sandmann aus Baudenbach. So mancher Passant und auch Polizeibeamte haben schon angehalten und gefragt, ob denn hier Drogen angebaut werden. Doch das ließ sich schnell ausräumen. Es handelt sich um eine Blühpflanzenmischung, die als Futter für Biogasanlagen in Zukunft einen Ersatz für Maisfelder darstellen könnte.

Finanziell gefördert von der N-ERGIE Aktiengesellschaft und in Zusammenarbeit mit der mittelfränkischen Gesellschaft zur Förderung erneuerbarer Energien (MER) sowie Fachleuten aus den Bereichen Pflanzenbau und Biogastechnik in Triesdorf ist ein Projekt angelaufen. Ziel ist es letztlich, die Erzeugung von Strom und Wärme, Artenvielfalt und gleichzeitig Humusaufbau unter einen Hut zu bringen.

„Wir brauchen eine bessere gesellschaftliche Akzeptanz der Biogastechnik, die bestens geeignet ist, mit einer Kreislaufwirtschaft einen guten Beitrag zum Klimaschutz zu leisten“, sagte Norbert Bleisteiner vom Fachzentrum für Landtechnik und Energie in Triesdorf. „Denn inzwischen besteht die Gefahr, dass wir in den nächsten Jahren viele Biogasanlagen verlieren, wenn es keine weitere Förderung gibt“.

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Bei einer Zwischenbilanz bezeichnet Josef Hasler, Vorstandsvorsitzender der N-ERGIE, die Biogasanlagen als einen wichtigen Teil der regionalen Energiewende. So sollen mit den Projekten erneuerbare Energien und Ökologie zusammengebracht werden und sichtbar machen, „dass wir bei unserem Engagement für Klimaschutz nie den Schutz unserer Natur aus den Augen lassen dürfen“. Bezirkstagspräsident Armin Kroder hofft, dass das Projekt dazu beitragen könne, die regionale Bedeutung der Biogasanlagen zu stärken und den Nutzen für die Allgemeinheit herauszustellen.

An dem gemeinsamen Forschungsprojekt der N-ERGIE mit der MER und den Lehranstalten Triesdorf sind neun über ganz Mittelfranken verteilte Landwirte beteiligt. Sie haben auf verschiedenen Standorten auf rund 20 Hektar Fläche den Veitshöchheimer Hanfmix ausgesät.

Saatmischung enthält 30 verschiedene Arten

Bei Markus Sandmann ist die Hanfmischung einen halben Meter höher als der gleichzeitig am 30. April gesäte Mais. In sehr trockenen Lagen ließ aber der Feldaufgang des sehr feinen Saatgutes zu wünschen übrig, berichtete Markus Heinz, Leiter der Abteilung Pflanzenbau und Versuchswesen in Triesdorf. Die Saatmischung enthält 30 verschiedene Arten. Unter ihnen das Schmuckkörbchen, der Faserhanf, die Nachtkerze und mehrjährige Stauden wie die Wegwarte, Stockrose oder das Echte Labkraut. Sie bieten Lebensraum und Nahrung für Insekten, Vögel und Kleintiere.

Im Herbst wird nicht nur die Erntemenge, sondern auch die Methanausbeute in der Biogasanlage festgehalten. Im Frühjahr werden die über den Winter liegengebliebenen Stoppeln mit Gülle gedüngt, bevor die Blühpflanzen austreiben.