Wertewochen

Biodiversität: Unordnung bietet Lebensraum

Biodiversität
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Externer Autor
am Dienstag, 14.01.2020 - 10:15

Die vierte Wertewoche im AELF Schweinfurt widmet sich blühenden Landschaften.

Schweinfurt - Der Verlust der Artenvielfalt geht jeden an und „macht uns ärmer“, so Herbert Lang Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Deshalb begrüßte er sowohl die die Teilnehmerinnen des Lehrgangs „Qualifizierung in der Hauswirtschaft“, als auch die Schüler des Berufsausbildungsgangs Landwirt zur nunmehr schon vierten Wertewoche. Gemeinsam widmeten sie sich dem Thema „insektenfreundliches Flächenmanagement“.

Lang stellte klar: „Aufgeräumte und versiegelte Gärten sind genauso schädlich wie intensive Landwirtschaft.“ Er hoffte, dass mit den jungen Menschen eine aktive und kritische Generation heranwächst, die eine nachhaltige, ressourcenorientierte und die Artenvielfalt fördernde Landwirtschaft betreiben wird. Blühflächen seien heute auch kein wirtschaftlicher Verlust mehr, erklärte Lang, denn allein Bayern stecke jährliche 280 Millionen Euro in sein Kulturlandschaftsprogramm. Außerdem hofft Lang, dass blühende Flächen ein Schritt seien, um der Entfremdung zwischen den Landwirten und der Bevölkerung Herr zu werden.

Anna-Katharina Paar, Projektmanagerin der Ökomodellregion Oberes Werntal, stellte zunächst diese Ökomodellregion als eine von zwölf in Bayern vor. 50 Ökolandwirte bearbeiten hier fast 21 % der Felder ökologisch. Immer noch brauche es aber blühende Flächen um die Artenvielfalt zu erhalten. Dies beginne bereits beim Saatgut. Die Vielfalt der Sorten sei bereits um 90 % zurückgegangen. Sie warb für die Aktion „Blühpate“, in der jeder die Patenschaft für eine Blühfläche übernehmen könne und wies auf den Schülerwettbewerb „Echt Kuh-l“ hin. Wichtig sei, dass sich auch Endverbraucher und vor allem die nachfolgende Generation mit diesem Thema auseinandersetzten, betonte Paar.

Artenreiche Pflanzenmischungen

Kornelia Marzini arbeitet in der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau an der Entwicklung von artenreichen Pflanzenmischung mit, die sie vorstellte. Die Saatmischungen aus 15 – 25 Pflanzenarten werden in verschiedenen Standortvarianten erprobt und bestehen zum Teil aus heimischen Wildpflanzen, aber auch aus fremdländischen Arten. Und sie seien nicht nur eine Heimat für Wildtiere und Insekten, sondern könnten auch für eine ökonomische Biogasproduktion genutzt werden. Egal ob im Garten oder auf dem Acker, großflächige Monokulturen und aufgeräumte Felder oder Beete böten keinen Lebensraum für Tiere. Bienen, vor allem die Wildbienen beispielsweise bräuchten eine breite Pollenvielfalt, erklärte sie.

Lebendig wurde es unter den angehenden Landwirten, als Marzini die Pflegemaßnahmen an Säumen, Böschungen und Hecken in der freien Landschaft ansprach. Ihre Forderungen: „Verbot von landwirtschaftlichen Maßnahmen auf diesen Flächen“, führte zu Protest. Schließlich müsse man Überhänge ja schneiden dürfen, meinten die Landwirtschaftsschüler. Darum aber ging es Marzini nicht, sondern um „willkürliche Schnittmaßnahmen aus einem falsch verstandenen Ordnungssinn heraus. „Unordnung bietet Lebensraum“, betonte sie und motivierte die angehenden Landwirte: „Eine Bewusstseinsänderung betriff die ganze Gesellschaft, aber Sie sind vor Ort: überzeugen und argumentieren sie!“