Wildpflanzen

Bienenkunde - Energie aus der Prärie für Vielfalt

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Irene Konrad
am Dienstag, 11.09.2018 - 10:50

Neue Wildpflanzenmischung „Prärie-Mix“ für Biogasanlagen fördert Biodiversität bei Insekten.

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Wildpflanzen- und Blühmischungen herzustellen und zu testen, das ist seit Jahren Ziel verschiedener Projekte der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim (LWG) und des dortigen Instituts für Bienenkunde und Imkerei. Seit dem Jahr 2010 beschäftigt sich das Institut mit dem Projekt „Prärie-Mix“. Es befindet sich in der dritten Projektphase. „Jetzt wollen wir kommunizieren, was wir erarbeitet haben“, erklärte Projektmanager Martin Degenbeck rund 30 Experten aus Forschung, Beratung, Verbänden und Fachbehörden.

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Das Fachgespräch „Energie aus der Prärie“ fand sowohl in Veitshöchheim als auch auf dem 1,7 ha großen Versuchsfeld von Landwirt Georg Zimmermann in Ettleben (Lks. Schweinfurt) statt. Ziel der neuen Präriemischung ist es, Lebensräume für blütensuchende Insekten zu schaffen und gleichzeitig für Pflanzen zur Biogasproduktion und damit für nachwachsende Energie zu sorgen. Für den Landwirt ist es ein entscheidender Vorteil gegenüber dem Mais, dass die mehrjährige Mischung nur einmal gesät wird und mehrere Jahre geerntet werden kann. Ab dem zweiten Standjahr kann die Ernte der spätblühenden Mischung zeitgleich mit dem Mais erfolgen. Ein wirtschaftlicher Vorteil in der Landwirtschaft.

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Schon in der Theorie mit Projektmanager Degenbeck und Kornelia Marzini vom „Institut für Stadtgrün und Landschaftsbau“ sowie mit Dr. Stefan Berg und Dr. Ina Heidinger vom „Institut für Bienenkunde und Imkerei“ haben die Fachleute die Vorträge mit großem Interesse verfolgt. Restlos begeistert zeigten sie sich aber auf dem Versuchsfeld. Obwohl sie anfangs skeptisch waren. Aus der Ferne wirkte die Fläche mit ihren 26 Wildpflanzenarten wie ein Unkrautacker. An den Rändern waren die Stauden teilweise so kärglich, „dass ein interessierter Landwirt hier nicht mal aus dem Auto steigen würde“.

Prärie-Mix zeigt seine Stärken

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Seine Stärken zeigte der Prärie-Mix erst beim Gang über den Acker. Vor allem in einer feuchten Mulde waren die Wildpflanzen in ihrem dritten Standjahr übermannshoch. Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere nektarliebenden Insekten summten oder schwirrten geschäftig um die Blumen und hatten im Blütenmeer emsig zu tun. Und das Anfang August, wenn heimische Pflanzen bereits abgeblüht sind. „Wir waren sehr gespannt darauf, ob die Honig- und Wildbienen die neuen Blüten überhaupt anfliegen“, freute sich Beraterin Marzini über den Erfolg.

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Die spätblühenden Präriepflanzen auf der Versuchsfläche stammen aus Nordamerika. Sie sind pflegeleicht, kommen mit Hitze und Trockenheit gut zurecht und gehören teilweise im Gartenbau schon zum Standardprogramm. Dazu zählen etwa der Sonnenhut, das Mädchenauge, der Goldbart oder die Goldrute. „Wir brauchen Alternativen zum Maisanbau“, ist Kornelia Marzini überzeugt im Hinblick auf die Biodiversität. Die mehrjährigen Wildmischungen würden ein hohes Biomassepotenzial mitbringen und ein Kompromiss sein zwischen Ökonomie und Ökologie.

Die wichtigsten Masselieferanten für die Biogasanlagen bei der Mischung Prärie-Mix mit ihren 26 Arten sind Silphium perfoliatum Durchwachsenblättrige Silphie), Coreopsis tripteris (Mädchenaugue), Helenium autumnale (Gewöhnliche Sonnenbraut) und Rudbeckia fulgida (Gewöhnlicher Sonnenhut). Die Forscher rechnen damit, dass die Wildmischungen die Ertragsleistung im Vergleich zum Mais zu 50 bis 60 % deckt. „Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass Biodiversitätsleistungen entlohnt werden“, warben die Entwickler der Blühmischungen für die Aufnahme in Förderprogramme.

Deckungsbeitrag wie für Mais wäre nötig

„Wir benötigen einen Deckungsbeitrag im Vergleich zum Mais“, sind sie sich sicher. Bei der Vorstellung der Präriemischung ging es um den Zeitpunkt der Saatgutablage auf frostigem Boden und die späte Ernte, um heimische Ammenpflanzen wie das Mädchenauge, die Prachtkerze, Dill und Fenchel, um die massive Minderung der Nitratbelastung und damit die Minderung des Umweltrisikos für das Grundwasser sowie um mediterrane Pflanzen wie Muskatellersalbei, Stockrosen und Herzgespann, die mit dem veränderten Klima zurechtkommen.
Deutlich wurde auch, dass sich die Wildblütenmischungen offensichtlich besonders gut eignen für den Anbau in Wasserschutzgebieten, auf grundwassernahen Böden und im Umgriff von Gewässern.
Knapp sieben Kilogramm Honig pro Bienenvolk brachte der Nektar des Versuchsfeldes Prärie-Mix ein. Für die Bienen und die Imker ist die Nahrungsquelle bis Mitte Oktober ein großer Vorteil. Die Bienen sind beschäftigt und haben ein langes Blütenangebot, so dass sie kaum Winterfutter benötigen. „Wir brauchen Pioniere wie Georg Zimmermann, die einfach so und ohne Fördermittel ihr Feld für die Praxisversuche zur Verfügung stellen“, sagten die Forscher und Fachleute und sprachen ein Dankeschön aus.
Das Ergebnis der intensiven Diskussion über das „hochinteressante Projekt“ war einstimmig. Ein „Sowohl als auch“ sei nötig. Es ging um die Frage: „Was ist uns der Naturschutz und die Biodiversität wert?“

Die Landwirte hätten bewiesen, dass sie Nahrung erzeugen können und dass sie die Energiewende mittragen, meinte BBV-Bezirkspräsident Stefan Köhler. „Sie können auch Biodiversität“, ist er überzeugt und setzt auf Unterstützung.