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Wildtiere

Der Biber macht sich breit

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Fritz Arnold
am Montag, 01.08.2022 - 11:51

Der Bauernverband und die Stadt Spalt kritisieren Untere Naturschutzbehörde.

Der Biber wurde 1966 an der Donau wieder angesiedelt, nachdem 1867 der letzte Biber ausgerottet worden war. Seitdem hat er sich stark vermehrt: Der Bestand wird derzeit auf 22 000 Tiere in 6000 Revieren geschätzt. Von ihren Eltern verdrängte Jungtiere haben sich inzwischen bis in kleinen Gräben, Teichen oder Kläranlagen breit gemacht. Die von den Nagern verursachten Schäden haben deshalb enorm zugenommen.

Ein krasses Beispiel ist die Stadt Spalt im Landkreis Roth. Die Verbitterung gegenüber Behörden, Politikern und Naturschützern ist groß, weil es fast aussichtslos erscheint, Schäden wirksam abwehren zu können. Denn die Biber sind streng geschützt.

Bei der Stadt Spalt rückte der Bauhof aus

Bei der Stadt Spalt rückte der Bauhof aus, um Biberdämme und Totholz zu entfernen sowie in einem sich entwickelnden Auwald „aufzuräumen“. Doch eine Person erstattete Anzeige. So läuft nun eine Klage gegen einen Mitarbeiter der Stadtverwaltung.

Bei allem Verständnis für die Schäden der Anlieger sind deshalb nun Bürgermeister Udo Weingart die Hände gebunden, wie er bei einem Ortstermin am Hatzelbach erklärte, zu dem auch sein Stellvertreter Dieter Selz, Kreisobmann Thomas Schmidt, Ortsobmann Otto Scheuerlein und Daniel Meier vom Bauernverband sowie rund 20 Landwirte und Anlieger erschienen. Bei ihnen stieß es sauer auf, dass die Untere Naturschutzbehörde kurzfristig eine Teilnahme an dem Termin absagte.

Auch Kleingärten und Verkehr betroffen

Wie Bürgermeister Udo Weingart erklärte, gehe es nicht nur um Schäden an den landwirtschaftlichen Grundstücken, denn bei Starkregen droht auch eine Überflutung von Kleingärten, des Kreisverkehrs und des Baugebietes. Denn in dem engen Tal des Hatzelbachs laufen bei Starkregen die Wassermassen aus Hagsbronn und Fünfbronn zusammen.

Ein Teilnehmer erinnerte sich an das Ahrtal, als vor einem Jahr Totholz aus Naturschutzflächen mit anderem Treibgut die Brücken verstopften, so dass der Wasserstand zwei Meter höher als gewohnt stieg und die Welle der ersten geborstenen Brücke sich fortsetzte und in dem Tal 60 Brücken mitgerissen wurden. Komme es hier in Spalt zu großen Schäden, „dann möchte ich sehen, welche Behörde dafür geradesteht“, sagte der Bürgermeister.

Bauern haben schon viele Opfer gebracht

Wie Thomas Schmidt und Otto Scheuerlein hervorhoben, hätten die Bauern in dem engen Tal viel getan für den Natur- und Artenschutz. Reichten bis vor der Flurbereinigung vor 35 Jahren die Hopfengärten bis zum Bach, so wurden im Zuge der Neuordnung acht Prozent Biotope auf ehemals landwirtschaftlichen Flächen angelegt. Angrenzende Grundstücke wurden mit hohem Aufwand drainiert. Doch jetzt liegen die Ausläufe 50 Zentimeter unter dem Wasserstand. „Artenschutz ja, aber in unserem dicht besiedelten Land ist nicht überall Platz für viele Biber“, sagt Daniel Meier vom BBV.

Nach einer Anfrage des Wochenblatts beim Umweltministerium in München liege letztlich die Entscheidung, wie bei Biberschäden vorgegangen werden kann, beim Landratsamt und der Unteren Naturschutzbehörde. Als Sprecherin des Umweltministeriums teilte dazu die stellvertretende Pressesprecherin Sarah Klapp mit: „Der Biber ist europa- und bundesrechtlich besonders und streng geschützt. Deshalb ist es nicht zulässig, Biber generell zu bejagen oder beispielsweise den Bestand auf eine feste Obergrenze zu regulieren. Lassen sich Konfliktfälle nicht anders lösen als durch eine Entnahme, sieht das Artenschutzrecht hierfür Ausnahmen auf Grundlage des Bundesnaturschutzgesetzes sowie der auf dem Bundesnaturschutzgesetz aufbauenden bayerischen Artenschutzrechtlichen Ausnahmeverordnung vor.

Richtlinien zum Bibermanagement

Um durch Biber verursachte Konflikte und Schäden so gering wie möglich zu halten, hat das Umweltministerium vor mehr als zehn Jahren das Bayerische Bibermanagement etabliert. Wesentliche Grundlage hierfür sind die bayerischen "Richtlinien zum Bibermanagement". Im Zentrum des Bibermanagements stehen die vier Säulen Beratung, Prävention, Zugriffsmaßnahmen und Ausgleichszahlungen.

Die Zuständigkeit für das Bibermanagement liegt bei den Kreisverwaltungsbehörden. Unterstützt werden diese von je einem Bibermanager für Nord- und Südbayern und außerdem von rund 400 lokalen ehrenamtlichen, fachlich geschulten Biberberatern. Durch die individuelle Beratung vor Ort können die meisten auftretenden Konflikte gelöst werden.

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