Umwelt

Biber bringt Kulturgut ins Wanken

Population
Stephan Herbert Fuchs
am Freitag, 19.02.2021 - 11:39

Fränkische Teichwirte beklagen immense Biberschäden. Da sie an Uferbereichen eine Sicherungspflicht haben, ist die naturnahe Teichwirtschaft gefährdet.

Der Biber macht den fränkischen Teichwirten derzeit wieder immens zu schaffen. „Alle Beteiligten müssen sich Gedanken machen, wie wir mit dieser Problematik umgehen, wenn wir eine naturnahe Teichwirtschaft auch in Zukunft aufrecht erhalten wollen“, sagt Christian Holoch, Betriebsleiter der forstlichen Güterverwaltung in Mitwitz im Landkreis Kronach. Holoch ist auch Beirat der Teichgenossenschaft Oberfranken, er bewirtschaftet rund 30 Hektar Gewässer rund um Mitwitz.

Biberschäden-Oberfranken(shf)_LF

Dazu gehört auch der Breitensee am Ortsrand des Marktes Mitwitz, den Holoch bereits seit 20 Jahren bewirtschaftet und der aufgrund seiner Jahrhunderte alten Historie bereits als „Kulturgut Teich“ ausgezeichnet worden ist.

Hier sind die Biberschäden auch für den Laien deutlich zu sehen. „Wir haben seit einigen Jahren eine komplette Population hier“, sagt Holoch und zeigt auf gut ein Dutzend Zitterpappeln am Ufer, die der Biber schon gefällt hat und die im Wasser liegen. Von den Stämmen unter der Wasseroberfläche nagt der Biber dann die Rinde ab. Auf einer kleinen Insel ist die riesige Biberburg zu sehen, die der Nager im zurückliegenden Sommer gebaut hat.

Den Teichwirten geht es freilich nicht um die Schäden an den Gehölzen, sondern um die Dämme, die der Biber aufstaut und um die unterirdischen Ausbuchtungen, die ringsum Wege untergraben und die immer wieder große Schäden anrichten.

In der Haftung ist der Teichwirt, denn er hat eine Sicherungspflicht für den gesamten Uferbereich. Doch wovon soll er teure Reparaturen bezahlen, etwa dann, wenn aufwändige Baggerarbeiten notwendig werden? Die Erlöse decken den Aufwand längst nicht mehr.

Auch Karpfen in Gefahr

Ein weiteres Problem ist, dass der Biber die Karpfen aus der Winterruhe treibt. Die Fische leiden dann unter einem Energiemangelsyndrom, erläutert Kay Kuhlen von der Fischereifachberatung des Bezirks Oberfranken. Das bedeute, dass der Fisch dann im Frühjahr keine Energie mehr hat und daran zu Grunde gehen kann.

Sauer stößt es den betroffenen Teichwirten auf, wenn die Situation seitens des Naturschutzes verharmlost wird. In den Naturschutzbehörden sei vielerorts bereits ein Problembewusstsein entstanden, ganz im Gegensatz zu den Naturschutzverbänden. Dort sei es oft noch nicht klar, dass die seit Jahrhunderten gewachsene Teichwirtschaft ein ebenso schützenswertes Gut sei.

Dabei ist der Karpfen, der beispielsweise hier im Breitensee heranwächst, das Biolebensmittel schlechthin. Der Breitensee ist Bestandteil des Naturschutzprogramms des Freistaates, die Fische fressen ausschließlich Naturfutter. „Noch mehr Einklang mit der Natur ist nicht möglich“, sagt Kuhlen. „Wir wollen nützen und schützen“, betont Holoch. Das sei doch allemal besser, als wenn Fische künftig in riesigen Bassins in Fabrikhallen heranwachsen müssen. Diese industrielle Erzeugung ist in Fernost längst schon an der Tagesordnung.

Keine Patentlösung parat

Biberschäden-Oberfranken(shf)_LF

Holoch räumt aber auch offen ein, dass er keine Patentlösung parat hat. Sicher ist nur, dass den Teichwirten mit dem Fischotter neues Ungemach ins Haus steht. Wenn auch noch nicht am Breitensee, so ist der Fischotter in ganz Oberfranken verbreitet. Er ist deshalb so gefürchtet, da er nicht nur ganze Teiche leer frisst, sondern sich oft nur die „Filetstücke“, also die fett- und eiweißreichen Innereien herauspickt und den restlichen Kadaver liegen lässt.

Einzäunen sei beispielsweise bei der Größe des Breitensees unmöglich, auch das Einziehen von Stahlmatten komme viel zu teuer und stehe in keinem Verhältnis.