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Schleppertour

Bewusstsein für regionale Produkte stärken

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Doris Pfaff
am Donnerstag, 12.08.2021 - 11:51

Die Traktortour „Essen aus Bayern“ macht in Johannesberg Station. Eine wichtige Botschaft dabei: Eine Kulturlandschaft mit Weiden braucht beständige Pflege.

Die diesjährige bayernweite Schleppertour unter dem Motto „Essen aus Bayern“ machte jüngst bei zwei landwirtschaftlichen Betrieben in Johannesberg im Landkreis Aschaffenburg Station. An seinem Offenstall für Mutterkühe erklärte Dr. Guido Steinel zunächst die naturnahe Rinderhaltung mit Vermarktung über das Programm Grünland-Spessart, bevor der besonders folierte Deutz-Schlepper eine Weidekoppel der Familie Steinbacher anfuhr, die einen konventionell geführten Ackerbaubetrieb mit vielfältiger Fruchtfolge und integriertem Pflanzenschutz sowie Mutterkuhhaltung betreibt.

Die Versorgung der Bevölkerung sichern

Mit Blick auf die Corona-Pandemie betonte Kreisobmann, BBV-Umwelt- und Bezirkspräsident Stefan Köhler (Wiesen) vor Pressevertretern, BBV-Funktionären und dem Johannesberger Bürgermeister Peter Zenglein, wie wichtig es sei, autark Lebensmittel herzustellen und die Versorgung der Bevölkerung zu sichern. Überdies müsse die Landwirtschaft naturverträglich sein und die Biodiversität erhalten bleiben, unterstrich Steinel, der seit 1978 Mutterkuhhaltung mit Angusrindern betreibt.

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Aktuell halten Steinel und seine Familie auf 22 Hektar Grünland acht Mutterkühe und 16 Jungtiere, die immer draußen sind: Im Winter im Offenstall und im Sommer auf der Weide. Pro Jahr lässt er fünf Tiere schlachten, deren Fleisch und die Produkte daraus stets viele Abnehmer finden.

Im Jahr 2011 sei das Projekt Grünland Spessart entstanden, berichtete Steinel weiter. Es ist ein Zusammenschluss von Landwirten, Gastronomen und Verarbeitern aus dem Spessart, die gemeinsam zertifizierte Qualitätsprodukte von den Wiesen und Weiden in den Naturparken im Spessart vermarkten. Indes wünschte sich Steinel, dass etwa das Landratsamt solche Projekte mehr anerkenne, unterstütze und forciere. Denn man sei auf lokale Märkte angewiesen.

Höchst schwierig sei es, mit den Grünland-Spessart-Produkten in Großmärkte oder Discounter „hineinzukommen“, weil diese eigene feste Logistik- und Vertriebswege haben, schilderte Steinel. Umso mehr gelte es, das Bewusstsein der Verbraucher für die Güte und die Nachhaltigkeit regionaler Produkte zu stärken.

Seit Jahren führt die Familie Steinbacher einen 120 Hektar großen Betrieb im Nebenerwerb, erklärte Juniorchef Matthias Steinbacher. Davon seien 90 Hektar Ackerflächen und 30 Hektar Grünland, das von 16 Mutterkühen beweidet wird. Auch Blühflächen zur Förderung der Artenvielfalt wurden angelegt. Seit zwei Jahrzehnten nutze sein Betrieb das bayrische Kulap und verzichte auf mineralischen Dünger und chemischen Pflanzenschutz. Dieses Verfahren komme einem Biobetrieb gleich, meinte Steinbacher. „Entsprechend kaufen zwei Biobetriebe bei uns ihr Stroh,“ sagte der Landwirt.

Furcht vor dem Wolf

Ihr Rindfleisch vermarktet die Familie nicht selbst. Sie verkauft die Tiere an Mastbetriebe oder behält sie zur Nachzucht. Und auch die Ernte aus dem konventionellen Ackerbau, darunter Wintergerste, Raps, Weizen, Roggen, Hafer, Erbsen und Mais werde über den Landhandel, zum Teil über Kontrakte, vermarktet. Die Rinder der Steinbachers stehen meist an recht steilen Hängen. „Ich hoffe, dass der Wolf nicht zu uns kommt“, sagt Matthias Steinbacher. Denn einen wolfssicheren Zaun an den abschüssigen von Streuobstbäumen umgebenen Wiesen zu errichten, sei für einen Nebenerwerbsbetrieb finanziell nicht zu leisten. Außerdem bezieht Matthias Steinbacher deutlich Stellung: „Unsere Gegend hier ist keine Naturlandschaft, sondern eine von Menschenhand erschaffene Kulturlandschaft.“