Modellprojekt

Bestes Wasser für gutes Brot

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Eleonore Ladebeck
am Donnerstag, 23.04.2020 - 11:55

Waldwasser-Brot: Projekt aus Franken wird jetzt nach Niederbayern „importiert“

Der Brunnen des Wasserversorgers Bayerischer Wald im Wasserschutzgebiet Moos im Kreis Deggendorf ist eine wichtige Quelle für Trinkwasser. Um den Schutz dieses Lebensmittels auch in Zukunft weiter zu sichern, haben sich jetzt Landwirte und Bäcker zusammen am Projekt „Waldwasser-Brot“ beteiligt. Jetzt gab es die erste Verkostung des Brotes, das vom Herbst ab in Bäckereien angeboten werden soll. Bei der Verkostung stimmte eine prominent besetzte Jury ab, welches Brot das Waldwasserbrot werden soll.
Beim Anbau von Getreide bringen Landwirte Stickstoffdünger in mehreren Gaben aus. Ohne Niederschläge kann der Weizen den Stickstoff jedoch nur begrenzt aufnehmen und er sickert in der Folge teilweise ins Grundwasser.

Verzicht auf eine Stickstoffgabe

„Die Wasserschutz-Landwirte verzichten beim Anbau ihres Backweizens auf die qualitätsbetonte Stickstoffgabe. Somit verringert sich das Risiko der Nitratauswaschung ins Grundwasser“, erklärte bei der Verkostung Alois Dorfmeister, Fachberater für Gewässerschutz am AELF Deggendorf. Er hat das Projekt „Waldwasserbrot“ zusammen mit Hermann Gruber, dem Werkleiter von Waldwasser, in Zusammenarbeit mit Landwirten, einem Bäcker und einem Müller angestoßen, um das Konzept in der Region zu verwirklichen.
Die zusätzlichen Anbaukriterien, wie der Verzicht auf gewisse Pflanzenschutzmittelwirkstoffe, werden vom Wasserversorger entschädigt, dies bestätigte Werkleiter Gruber.

Bei einem fränkischen Projekt abgeschaut

Um die Belastung des Wassers zu reduzieren, sei eine Verminderung der Düngung erforderlich. Dorfmeister hatte dazu recherchiert und von einem Projekt erfahren, das schon seit einigen Jahren in Franken umgesetzt wird – auch hier hatten sich Landwirte, Bäcker und Wasserversorger zusammengetan, um ein Brot aus einem Weizen mit einem geringeren Proteingehalt zu entwickeln. „Heute hat das fränkische Projekt bereits über 70 Projektpartner“, berichtete Alois Dorfmeister den Erfolg der Idee.

Landwirte, Mühle und Bäcker müssen passen

Der Berater vom Landwirtschaftsamt setzte sich mit Waldwasser-Werkleiter Hermann Gruber zusammen, gemeinsam übertrugen sie das fränkische Projekt nach Niederbayern. Dabei galt es aber auch, Hürden zu überwinden. So mussten beispielsweise erst Landwirte gefunden werden, die auch bereit waren, auf eine dritte Gabe von Dünger zu verzichten.
Auch musste eine passende Mühle gefunden werden. Dies gelang mit der Weissmühle in Julbach in Rottal-Inn. Nun galt es noch, einen geeigneten Bäcker zu finden. Die Projektverantwortlichen hatten Glück mit dem jungen Bäcker Michael Betzinger aus Aholming, der auch bereit war, sich mit der Materie zu beschäftigen und vier verschiedenen Brote zu backen – das Mehl hierfür wurde in Franken besorgt.

Dem Minister schmeckt das Waldwasser-Brot

Die Brote wurden jetzt bei der Verkostung geprüft und bewertet, fast einstimmig waren alle Teilnehmer von einem würzigen Brot begeistert, das, wie Jurymitglied und Wissenschaftsminister Bernd Sibler betonte, die Erinnerung an ein richtig gutes Brot aus unser Jugend“ wachrief. Sibler sicherte dem Projekt auch seine persönliche Unterstützung zu, „ich werde das Brot sicher kaufen, wenn es im Handel ist“.

Projekt verdient auch Unterstützung der Politik

Deggendorfs Landrat Christian Bernreiter betonte die Bedeutung des schonenden Umgangs mit der Ressource Wasser. Vom Projekt „Waldwasser-Brot“ könnten Umwelt, Wasser, Verbraucher und nicht zuletzt auch die Landwirtschaft profitieren. „Es ist schon eine gute Sache, wenn Landwirte und Wasserversorger hier für so ein Projekt zusammenarbeiten, denn das zeigt, dass beide am selben Strang ziehen. Derart gute Ideen seien ganz sicher auch eine Unterstützung durch die Politk wert.