Braugerstenrundfahrt

Bestandsdichte der Braugerste ist hervorragend

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Stephan Stöckel
am Montag, 09.08.2021 - 09:25

In Oberfranken sorgt das feuchtwarme Klima für üppige Braugerstenbestände. Entsprechend optimistisch sind die Landwirte.

Wölbersbach/Lks. Hof Das feuchtwarme Klima ließ in diesem Jahr in Oberfranken üppige Braugerstenbestände heranreifen, die eine gute Ernte erwarten lassen. Einige davon waren bei der diesjährigen oberfränkischen Braugerstenrundfahrt zu sehen. 50 Landwirte, Brauer, Mälzer und Händler trafen sich auf Einladung des oberfränkischen Braugerstenvereins auf dem Betrieb von Helmut Meyer in Wölbersbach.

„Alles hat gekeimt und ist flott herangewachsen. Bestandsdichte und Bestockung der Braugerste sind hervorragend“, freute sich der Vollerwerbslandwirt, der 40 ha Braugerste hat. Die Qualität auf den Feldern und das Preisbarometer, das seit einiger Zeit wieder nach oben zeigt, ließen bei der Veranstaltung Optimismus aufkommen.

Meyer hatte auch am Landessortenversuch Sommergerste teilgenommen. Landwirtschaftsoberrat Friedrich Ernst vom AELF Bayreuth stellte die einzelnen Sorten und ihre Vorzüge vor. Eine Stärke war in diesem Jahr besonders gefragt: die Standfestigkeit. Während Sorten wie „Quench“ oder „Accordine“ den Starkregenfällen der vergangenen Wochen trotzten, hatte „Solist“ nicht standgehalten.

Anschließend informierte man sich in Markersreuth auf einer Sommergerstendemoanlage über weitere Sorten. Zur Abschlussdiskussion traf man sich in der Halle der Raiffeisen-Trocknungsgenossenschaft Münchberg. Vorsitzender Hans Pezold vom oberfränkischen Braugerstenverein verwies darauf, dass sich nicht überall das Getreide so gut entwickelt habe wie auf den Hochlagen des Landkreises Hof.

Ein Trend der vergangenen Jahre setzt sich fort: Die Anbaufläche für Sommergerste ist in Oberfranken nach Auskunft von Ernst weiter gesunken. Im vergangenen Jahr waren es noch 26 250 ha gewesen, in diesem Jahr nur noch 25661 ha.

Für den Rückgang verantwortlich machte Ernst die schlechten Preise des vergangenen Jahres und den durch die Coronakrise verursachten Einbruch beim Bierabsatz. Dr. Markus Herz von der Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising führte als weiteren Grund interessante Anbaualternativen an. Vor allem bei Dinkel habe es einen regelrechten Boom gegeben.

Von leeren Lagern, einem Preisanstieg und nervösen Getreidemärkten mit Preisschwankungen von 15 bis 20 €/t berichtete Robert Leidenberger vom Nürnberger Getreidegroßhändler Marschall. Nach Einschätzung von Geschäftsführer Markus Burteisen von der Bamberger Mälzerei wird sich der gestiegene Braugerstenpreis stimulierend auf den Anbau auswirken. Die leeren Lager sorgten für gute Absatzmöglichkeiten. „Wir von der Verarbeitungsseite müssen dafür sorgen, dass die Braugerste wieder einen ordentlichen Preis bekommt“, sagte Geschäftsführer Stephan Bergler von der Kulmbacher Mälzerei Ireks.

Dr. Frithjof Thiele, Leiter Technologie und Qualitätswesen bei der Kulmbacher Brauerei, wünschte zum Wohle aller Partner in der Wertschöpfungskette „eine offene Gastronomie, damit ein starker Bedarf an Braugerste vorhanden ist“.