Protest

Bauerndemo Bayreuth: Protestfahrt legt Verkehr lahm

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Stephan Herbert Fuchs
am Mittwoch, 23.10.2019 - 15:15

Die Kundgebung der Landwirte war eine der größten Demonstrationen, die Bayreuth je erlebt hat.

Bayreuth - Nach Veranstalterangaben waren es über 1000 Landwirte aus ganz Oberfranken und den angrenzenden Regionen, die mit ihren Traktoren in einem zwölf Kilometer langen Konvoi von der Gemeinde Bindlach nördlich der Stadt bis zum Grünen Zentrum ganz im Süden Bayreuths fuhren. Nicht nur der Verkehr, sondern auch Teile des öffentlichen Lebens standen dabei über mehrere Stunden lang still. So fiel zum Beispiel an mehreren Schulen ab dem späten Vormittag der Unterricht aus, zahlreiche Linien des Stadtbusverkehrs stellten ihren Betrieb ein.

Bayreuth war neben München und Würzburg Teil der Aktionen, die von der Bewegung „Land schafft Verbindung“ veranstaltet wurden. Start war in Eckershof bei Bindlach, Ziel war die Tierzuchtklause des oberfränkischen Rinderzuchtverbandes in der Adolf-Wächter-Straße. Sämtliche Kreuzungen und Einmündungen dazwischen wurden von der Polizei abgesperrt, kreuzender Verkehr konnte die Route nur eingeschränkt passieren. Bereits im Vorfeld hatten Stadt und Straßenverkehrsamt empfohlen, großräumig auszuweichen.

Alle gut 40 Ampeln entlang der Route waren mit Polizisten besetzt, Sogar ein Polizeihubschrauber war im Einsatz. Laut Pressesprecher Jan Koch und dem Leiter der Verkehrsbetriebe Werner Schreiner konnten die Stadtbusse etwa ein Drittel der rund 370 Haltestellen in Bayreuth ab 11 Uhr nicht mehr erreichen. Grundsätzlich gab es auf fast allen Linien Verspätungen.

Endlos erscheinender Konvoi

Der Konvoi selbst schien einfach nicht enden zu wollen. De letzten Traktoren waren noch gar nicht in Bindlach losgefahren, als die ersten bereits die Tierzuchthalle erreicht hatten. Den Kfz-Kennzeichen zufolge nahmen auch Landwirte aus Regensburg, Cham und Schwandorf teil, ebenso wie aus dem thüringischen Saalfeld. Gerhard Ehrlich, ehemaliger Coburger BBV-Kreisobmann, der selbst morgens um 5.30 Uhr von seinem Betrieb in Neuses losgefahren war, wertete die Aktion als Erfolg. Nicht ein einziger Stinkefinder sei ihm gezeigt worden, nur hochgestreckte Daumen als Zeichen der Zustimmung. Das zeige eindrucksvoll, was die Bevölkerung will.

Die Landwirte hätten in den vergangenen Monaten versucht, sich Gehör zu verschaffen, mit der Politik ins Gespräch zu kommen. „Aber wir werden einfach nicht gehört“, sagte Andreas Wolfrum aus dem mehr als 15-köpfigen oberfränkischen Organisationsteam bei der Kundgebung. Viele Familienbetriebe, auch und gerade in Oberfranken, würden sich in einer ausweglosen Situation befinden, so der junge Landwirt aus Gattendorf bei Hof.

Zuletzt sei das Image der Landwirtschaft durch das Artenschutz-Volksbegehren in Bayern erheblich in Misskredit gezogen worden. „Wir werden hingestellt als die, die die Insekten vergiften und das Grundwasser verschmutzen, doch das stimmt einfach nicht.“ Schließlich brauchen die Bauern die Natur. Die Demonstration sieht Wolfrum als „Weckruf an den Verbraucher“. Ein Weckruf für ein neues Bewusstsein, regional zu kaufen, die Landwirtschaft und die nachgelagerten Betriebe, also Bäcker, Metzger und den regionalen Handel, zu unterstützen.

Bauerndemo in Bayreuth: Aufstand in Franken

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