Existenzkrise

Bauern schreiben einen Brief voller Sorgen an Söder

Bayerischer Ministerpräsident
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Externer Autor
am Montag, 15.11.2021 - 15:11

Die Landwirte im Kreis Coburg wenden sich mit einem Brandbrief an den Ministerpräsidenten. Und sie bringen einige Themen vor.

Coburg Beim Staatsempfang anlässlich 100 Jahre Coburg in Bayern bekam Ministerpräsident Markus Söder einen Brief von BBV-Kreisobmann Martin Flohrschütz. Darin schilderte Flohrschütz die dringendsten Anliegen des Bayerischen Bauernverbandes, die nicht nur den Kreisverband Coburg betreffen. Der Landtagsabgeordnete Martin Mittag übergab das Schreiben an Söder.

Existenzkrise der Schweinehalter

In dem Schreiben heißt es: „Niedrige Preise, hohe Kosten, wachsende Anforderungen, sinkende Planungssicherheit und dann die afrikanische Schweinepest: Die Situation der Schweinehalter ist dramatisch. Viele unserer Schweinebetriebe im Landkreis stecken in einer Existenzkrise.“ Die Schweinefleischerzeugung in Deutschland, Bayern und in Coburg stehe auf dem Spiel. Die dramatische Situation der Schweinehalter schlage sich mittlerweile auch in Zahlen im Landkreis Coburg nieder. „Hatten wir 1990 im Landkreis Coburg noch 86 910 Schweine, davon 9303 Mutterschweine, so stehen 2020 nur noch 66 283 Schweine in den Ställen, davon 3304 Mutterschweine.“

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Es drohe ein massives Wegbrechen der Schweinhaltungen in Bayern und im Landkreis Coburg. „Viele bayerische Schweinehalter denken übers Aufhören nach. Einige haben diese unumkehrbare Entscheidung zum Aussteigen dieses Produktionszweiges bereits getroffen.“ Als Gründe werden von den Schweinehaltern außer der Ökonomie auch die Summe der Auflagen und die fehlende Planungssicherheit genannt.

Weiter heißt es in dem Brief an Söder: „Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, unsere Schweinehalter brauchen die Unterstützung der Politik und auch die Unterstützung von Ihnen. Wir brauchen eine Verlängerung der Corona-Überbrückungshilfe, ein Moratorium für Auflagen und Verschärfungen, verpflichtende Kennzeichnung bzw. Umsetzung von Regionalität in öffentlichen Einrichtungen, wie z. B. 5D-Regelung (geboren, aufgezogen, gemästet, geschlachtet und verarbeitet in Deutschland), finanzielle Unterstützung vom Staat für Imagekampagnen für Schweinefleisch.“ In öffentlichen Kantinen müsste verstärkt in den nächsten Wochen und Monaten Schweinefleisch angeboten werden.

„Die Landwirte in unserer Region wirtschaften zukunftsorientiert“, heißt es in dem Brief. Die Landwirte versuchen, der auch von der Allgemeinheit geforderten Reduktion des chemischen Pflanzenschutzes nachzukommen. Durch die aktuelle Besteuerung des Dieseltreibstoffs durch Mineralöl- und CO2-Steuer würden diese Bemühungen konterkariert. Dem Beispiel Österreich folgend fordern die bayerischen Bauern die zukünftige Bundesregierung auf, die bisherige Gasölbeihilfe in voller Höhe beizubehalten und Betrag der Gasölbeihilfe um die jeweils aktuelle Besteuerung durch die CO2-Steuer aufzustocken.

Benachteiligung in den Trockengebieten Frankens

Die Ausweisung der sogenannten Roten und Gelben Gebiete erfordere von den fränkischen Landwirten enorme Anstrengungen bei der Düngung. Nach Auskunft der LfL gebe es zu diesem Thema so gut wie keine Forschung, welche die Praktiker bei der Umsetzung der neuesten gesetzlichen Vorschriften beraten und unterstützen könnte. Durch den zu erwartenden Ertragsverlust würde nicht nur die heimische Produktion von Nahrungsmitteln, sondern auch die Versorgung mit Nahrungsmitteln „fahrlässig aufs Spiel gesetzt“.

In dem Brief erklärt Flohrschütz die Auswirkungen der Trockenjahre. Mit einer deutschlandweit einheitlichen Bewertung der Nitratsituation seien die Fränkischen Landwirte stark benachteiligt. „Wir fordern deshalb, die Sondersituation der Trockenregionen entsprechend zu berücksichtigen“, schreibt Flohrschütz, der dem Ministerpräsidenten auch ein persönliches Gespräch anbietet.