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Gespräche

Bauern nicht auf Rote Liste

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Josef Berchtold
am Montag, 25.03.2019 - 09:45

Landwirtschaftstag des BN zeigt Artenschutz aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Die Bauern und der Bund Naturschutz (BN) sprechen miteinander und gehen aufeinander zu, anstatt übereinander zu reden. Das ging als eine wichtige Botschaft hervor beim Landwirtschaftstag, den der BN mit dem Bauernverband und dem Landwirtschaftsamt Weilheim im Jugendzentrum des BN in Wartaweil im Kreis Starnberg veranstaltete.
„In den letzten 30 Jahren ging mehr Artenvielfalt verloren als in den 200 Jahren zuvor, sagte Moderator Johannes Enzler (BN). Dass die Bauern freiwillig bereits viel zur Artenvielfalt beitragen, machten der stellvertretende BBV-Kreisobmann Alois Kramer im Kreis Garmisch-Partenkirchen und Kreisobmann Johann Drexl aus Landsberg klar. „Wir verbringen unseren Sommerurlaub auf
9 ha Buckelwiesen und sehen dabei die vielen Flugzeuge am Himmel“, sagte Kramer, der einen Fleckvieh-Zuchtbetrieb in Krün bewirtschaftet. Seine Botschaft: Nicht diejenigen, die meinen, durch ein Kreuz die Bienen zu retten, an ihrem Lebensstil aber nichts ändern, sorgen für mehr Artenvielfalt, sondern die Bauern, die diese herrliche Kulturlandschaft seit Jahrzehnten prägen.
Neben den Buckelwiesen bewirtschaftet Kramer Streuwiesen und extensive Weiden im Rahmen freiwilliger Programme. Auf den anderen Wiesen erzeugt er hochwertiges Futter für seinen Viehbestand. Ertragreiches Grünland trage dazu bei, weniger Eiweißfutter zukaufen zu müssen. Kramer verdeutlichte, dass durch immer mehr Vorschriften gerade die kleinen und mittleren Betriebe wegbrechen, auch hierdurch gehe Vielfalt verloren. „Die Vorgaben des Volksbegehrens wurden vom Schreibtisch aus gemacht, anstatt vorher mit uns zu sprechen“, machte er seinen Unmut deutlich. Bezug nahm er auf das kürzlich erfolgreiche Volksbegehren Artenvielfalt.

Nur ein Weg zu mehr Bio

Johann Drexl führt seinen Betrieb in Kaufering seit 18 Jahren biologisch. Ein Bürger habe ihm gesagt, dass es gut sei, wenn es mehr Bio-Produkte gibt, weil es dann billiger wird. „Das kann es nicht sein“, stellte Drexl klar. Es gebe nur einen Weg zu mehr Bioprodukten, nämlich wenn die Verbraucher mehr heimische Bioprodukte kaufen. Auch Drexl setzt auf freiwillige Maßnahmen, hat letztes Jahr 2000 m Blühstreifen mit 3 m Breite gesät, hat schon 1000 m Hecken und Lerchenfenster angelegt. Drexl verdeutlichte das Spannungsfeld, dem die Landwirte ausgesetzt sind. „Die Gesellschaft will die kleinbäuerliche Landwirtschaft erhalten, aber den Anbindestall verbieten“, nannte er ein Beispiel.
Dass sich der Bauernverband nicht so einfach für Bestandsobergrenzen einsetzen kann, verdeutlichte der Starnberger Kreisobmann Georg Zankl. Dieser Verband sei in ganz Deutschland tätig, und vertrete damit kleine wie große Betriebe.
„Ich sehe mich nur gegenüber der Biologie verantwortlich“, sagte der Naturbeobachter und Fotograf Roland Günter im Vorfeld seines Lichtbildervortrages über die „Wunderwelt Wiese“. Günter beobachtete über Wochen die Insekten auf nur einer Pflanze, der Magerwiesen-Margerite.

Weide auf Platz zwei

Günter nannte die Insektenzahl in Abhängigkeit von der Nutzung. Am meisten Insekten finden sich auf einer Brache, die nur alle zwei oder drei Jahre gemäht wird, gefolgt von der Weide, danach kommt die einschürige und dann die zweischürige Wiese. Das gute Abschneiden der Weide griff Oberbayerns Almvorstand Georg Mair auf und hinterfragte, warum man dann versuche den Wolf, einen Feind der Weidewirtschaft, wieder heimisch zu machen.
„Mit jeder Fläche, die wir dazu kriegen, bewirtschaften wir die anderen Flächen extensiver“, sagte Norbert Grenzebach aus Hochstadt. Er beschrieb, wie er die Artenvielfalt in seinem seit 30 Jahren nach Demeter-Richtlinien geführten Betrieb steigert.
Am Anfang sei es schwer gewesen, das standortangepasste Saatgut mit genug Vielfalt zu erhalten und auf manchen Flächen habe es 20 Jahre gedauert, bis die gewünschte Artenvielfalt zurück war. Seine 4-Schnittwiesen bestehen zu 30% aus Leguminosen, für ihn ein „Wunder der Natur“, wogegen die Flexibilität bei den Gräsern sehr eng sei. Eine häufigere Schnittnutzung verzeihe das Grünland gut, eine Überdüngung hingegen nicht.

Jeder ein bisschen tun

Die Fördermöglichkeiten für Acker und Wiese stellte Dominik Fehringer vom AELF Pfaffenhofen vor. Dass Handlungsbedarf besteht, zeigte er am Beispiel der Rebhuhnpopulation in Bayern, die seit 1990 von über 8000 auf jetzt unter 2000 zurückging. „Es kann nicht jeder alles machen, aber jeder kann ein bisschen was machen“, sagte er, nachdem er die Vielzahl an Möglichkeiten in Kulturlandschaftsprogramm und Vertragsnaturschutz aufgezeigt hatte.

„Wir hoffen, dass es mit dem Artenschutz aufwärts geht, und dass nicht auch die Bauern bald auf der roten Liste stehen“, sagte der Moderator nach diesem „bunten Strauß“ an Vorträgen.