Ackerbau

Bauern gestalten Lehrpfad

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Ludwiga Friedl
am Donnerstag, 02.07.2020 - 15:29

Familie Schlund hat einen Rundweg mit vielfältigen Kulturen ausgeschildert

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Eine große Vielfalt landwirtschaftlicher Kulturen auf relativ kleiner Fläche hat Bambergs BBV-Vize-Kreisobmann Peter Schlund auf eine Idee gebracht. Bei der Aussaat seiner Sojabohnen hatte er noch bedauert, dass heuer so viele Veranstaltungen ausfallen, darunter auch der Tag des offenen Hofes in Medlitz. „Dabei hätten wir so vielen Interessierten die Landwirtschaft ein Stück näher bringen können“, bedauert er den coronabedingten Verzicht.

„Doch das geht vielleicht auch anders“, überlegte er gemeinsam mit seiner Ehefrau Katja und den beiden Kindern Emma und Paul. Für die vielen Fahrradfahrer und Wanderer könnte man am Feldrand Schilder aufstellen, die verschiedene Ackerkulturen erklären. Seine Familie war sofort begeistert dabei, als es galt, diese Idee umzusetzen.

„Da wir in Gunzendorf entlang eines Weges heuer selbst mehrere verschiedene – zum Teil auch eher unbekannte – Früchte angebaut haben, ist der Weg mit einer Länge von circa 2 km in Gunzendorf, zusätzlich 1 km zurück zum Ausgangspunkt, dem Flurbereinigungsdenkmal, entstanden“, berichtet Schlund. Es sind auch Kulturen von Nachbarlandwirten mit ausgeschildert. Die Schilder haben die Schlunds zum Teil selbst entworfen und zum Teil konnten sie Schilder über den Bauernverband von der i.m.a. (Information medien agrar) ausleihen.
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„Wir machen blühende Eiweißfelder“, steht zum Beispiel auf dem Schild, das über die weiße Lupine informiert. Hier wird auch erklärt, wie die Leguminosen Luftstickstoff mit Hilfe der Knöllchenbakterien an den Wurzeln in pflanzenverfügbaren Stickstoff umwandeln: „Saatzeit war Ende März. Bei einem Reihenabstand von 50 cm und 4 cm Abstand wurden 500 000 Körner pro Hektar in 4 cm Tiefe gesät... So bildet sich eine kräftige und tiefe Pfahlwurzel.“ Daneben erfährt der Leser, dass Lupinen reich an Vitamin E, Eiweiß und wichtigen Spurenelementen wie Kalium, Calcium, Magnesium und Eisen sind, dass sie glutenfrei und deshalb für Menschen mit Zöliakie gut verdaulich sind und dass sie durch Hummeln bestäubt werden.

Auf dem Dinkel-Schild wird Hildegard von Bingen zitiert: „Der Dinkel ist das beste Getreide und er ist warm und fett und kräftig, und er ist milder und hochwertiger als andere Getreidearten. Dinkel führt zu einem rechten Blut und gibt ein fröhliches Gemüt.“ Auch über die Ernte und Verwendung von Grünkern wird hier informiert.
An den jeweiligen Feldern stehen Infotafeln zu Weizen, Soja und Quinoa: „Wir machen Ihr Superfood.“ Das Wunderkorn der Inka gehöre zur Familie der Gänsefußgewächse und habe hohe Anteile an Eiweiß, Mineralien, Vitaminen und ungesättigten Fettsäuren, erfährt man da.
Um das Ganze noch etwas interessanter zu gestalten und einen Überblick zu verschaffen, hat Paul Schlund, der derzeit in Triesdorf das Fachabitur macht, auch noch ein Video mit seiner Drohne aufgenommen, das sein Vater kommentiert. Über einen QR-Code kann man es aufs Handy laden und anschauen.

Der BBV Bamberg vermittelt Führungen

„Mir ist es dabei wichtig, die Landwirtschaft in ihrer Vielfalt zu präsentieren und den Bürgern die Natur nahezubringen“, sagt Schlund. „Unser Betrieb befindet sich in der Umstellungsphase zum Ökolandbau.“ Genauso wichtig ist es ihm, die konventionelle Landwirtschaft als ebenso notwendig darzustellen, da der aktuelle Anteil der Biolandwirtschaft in Bayern nur bei elf Prozent liegt und auch der Verbrauch entsprechend niedrig ist. Wer sich für eine Führung über die Felder interessiert, kann sich beim BBV Bamberg melden.
„Um die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern, achten wir auf eine vielfältige Fruchtfolge mit Kleegras, bauen Zwischenfrüchte an, streuen Kompost und achten auf eine schonende Bearbeitung des Bodens“, heißt es auf dem Schild, auf dem auch die ganze Familie abgebildet ist. „Wir freuen uns, wenn Sie sich auf den Weg machen.“
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