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Demo gegen EU-Verordnungen

Bauern demonstrieren in Würzburg

Das Podium bei der Kundgebung auf dem Oberen Markt mit dem LSV-Vorsitzenden Claus Hochrein (Bildmitte).
Irene Konrad
am Donnerstag, 01.09.2022 - 11:39

Rund 500 Landwirtinnen und Landwirte gingen unter dem Motto "#Bauernproteste: Gemeinsam für die Zukunft" auf die Straßen Würzburgs.

"#Bauernproteste: Gemeinsam für die Zukunft"

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Seit dem 31. August wird für die Ernährungssicherheit in Deutschland demonstriert. Zur bayerischen Auftaktveranstaltung von „Landwirtschaft verbindet Bayern“ (LSV) in Würzburg sind rund 500 Teilnehmer gekommen, die LSV-Bayern-Vorsitzender Claus Hochrein aus Eisenheim begrüßte. Beim Fußmarsch von den Mainwiesen zur Kundgebung am Oberen Markt durften drei der 150 Schlepper mitfahren. Eine eigens zusammengestellte LSV-Musikgruppe spielte neben zünftiger Marschmusik auch einen traurigen Choral „für alle Kameraden, die ihre Höfe bereits aufgeben mussten“.

Auf der Friedensbrücke in Würzburg: Rund 150 Schlepper sind zur Demonstration gekommen.

Die Angst um ihre Betriebe, um Flächenstilllegungen und die Kulturlandschaft spiegelte sich sowohl bei den Demonstrierenden als auch bei den Rednern aus Politik und Verbänden wider. „Die Ernährungssicherheit muss Staatsziel sein“, war die erste Forderung. Dabei ging es um weit mehr als die Vorschläge der EU-Kommission, bis 2030 den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in „sensiblen Gebieten“ radikal einzuschränken. „Wir brauchen unser Handwerkszeug“, warb Claus Hochrein um Verlässlichkeit und Vertrauen.

In Würzburg war ein starkes Miteinander und Einigkeit spürbar. „Wir müssen laut und deutlich Nein sagen, wenn die Forderungen an uns über das Ziel hinaus schießen“, sagte Hochrein. Die Landwirte, Winzer, Schäfer oder Waldbesitzer, sie alle hätten die Bevormundung satt. „Wir haben die Ideen und wissen, wie es geht. Redet mit uns“, war eine der wichtigsten Forderungen an die Politiker und die Verbraucher.

„Unser erstes Ziel ist die Nahrungsmittelerzeugung“, sagte BBV-Präsident Walter Heidl. Die Landwirte hätten bewiesen, dass sie Biodiversität können. Zudem wären Land- und Forstwirte die einzige Berufsgruppe, die durch Holz- und Humusaufbau CO2 binden. Über 1000 Klagen wären wegen der Düngemittelverordnung allein in Bayern schon eingereicht worden.

Applaus für die Redner bei der Kundgebung am Oberen Markt in Würzburg.

Applaus für ihr Engagement bekamen die CSU-Abgeordneten Dr. Anja Weisgerber (MdB), Torsten Schwab (MdL) und Barbara Becker (MdL) sowie Dr. Leopold Herz (Freie Wähler). Sie versicherten, die Landwirte in ihren Anliegen zu unterstützen. Buh-Rufe musste dagegen Paul Knoblach (Bündnis 90/Die Grünen) hinnehmen. Wegen der Politik seiner Partei und persönlicher Statements zu schärferen Kontrollen in der Tierhaltung bekam er deutliche Kritik. Dennoch wurde ihm hoch angerechnet, dass er im Gegensatz zu Vertretern der SPD oder FDP zur Demonstration gekommen war.

Sachlich und dennoch immer wieder emotional waren die Statements von Andreas Oehm, dem Vizepräsidenten des Fränkischen Weinbauverbands, von Johannes Menth, dem Vorsitzenden des Verbands Fränkischer Zuckerrüben, von Jens-Martin Keim, dem Sprecher der Interessengemeinschaft gesunde Gülle und von Manfred Gilch, dem Landesvorsitzenden des Verbands Deutscher Milchviehhalter.

„Wenn uns in den Landschaftsschutzgebieten Pflanzenschutzmittel verboten werden, haben wir keine Möglichkeit mehr, uns gegen Schädlinge wie Kirschessigfliege und gegen Schadpilze zu wehren“, waren sich alle einig. „Wir werden keine Ruhe geben, bis man vernünftig mit uns spricht“.