Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Schlachthof

Bamberger Schlachthof erhalten

Schlachthof
BLW
am Freitag, 03.06.2022 - 08:20

Rinderbetriebe und Schweinemäster fordern kurze Transportwege. Die Stadt soll deshalb den Schlachthof weiterbetreiben.

Bamberg Die Stadt Bamberg muss die Schlachthof GmbH und den Schlachthof Bamberg in jedem Fall erhalten und weiterbetreiben. Diese Forderung hat der BBV bei einer Besprechung mit Rinder- und Schweinemästern aus dem Landkreis Bamberg und Nachbarlandkreisen aufgestellt.

Im Bamberger Schlachthof wurden im Jahr 2019 ca. 54 000 Rinder und 326 000 Schweine geschlachtet. Neben den Schlachtbetrieben in Hof, Bayreuth und Erlangen werden in Bamberg die meisten Tiere geschlachtet. Die Firma Vion schlachtet in Bamberg viele Rinder und die Firma Tönnies die meisten Schweine. Daneben lassen auch Metzgereien im Umkreis von bis zu 50 km und Direktvermarkter ihre Rinder und Schweine in Bamberg schlachten.

Kurze Wege wichtig

Rinder- und Schweinemäster wollen ihre Tiere im eigenen Landkreis schlachten lassen, damit die Bevölkerung im Stadt- und Landkreis Bamberg Fleisch und Wurst von Tieren aus der Region erhält. Nach der Schließung des Schlachthofes in Coburg ist beispielsweise für den Schweinemäster Markus Weiß aus Poppendorf der Bamberger Schlachthof die nächste Möglichkeit, seine Mastschweine, die wöchentlich angeliefert werden, schlachten zu lassen.

Für die landwirtschaftlichen Betriebe ist es außerordentlich wichtig, die bereits stark ausgedünnte Schlachtstellenstruktur in Nordbayern zu erhalten. Mehr Tierwohl für die Schlachttiere geschieht auch dadurch, dass kurze Transportwege zu den Schlachtstätten vorhanden sind. Damit die vorhandenen Schlachthöfe wirtschaftlich arbeiten können, sind große Schlachtzahlen notwendig, um eine entsprechende Auslastung der Betriebe zu erreichen.

Erschwerend kommt für die Metzgereien und die Direktvermarkter im Einzugsbereichs des Schlachthofes Bamberg hinzu, dass seit Erlass der EU-Zulassungsvorschriften das Schlachten in Kleinbetrieben wegen der hohen baulichen und hygienischen Auflagen nicht mehr finanzierbar ist und diese Betriebe die Tiere deshalb im Schlachthof Bamberg schlachten lassen. Gäbe es den Schlachthof Bamberg nicht mehr, müssten die Tiere viele Kilometer weiter in andere Schlachthöfe gefahren werden, damit sie dort geschlachtet werden und wieder zu den Metzgereien und Direktvermarktern zurückgebracht werden. Dies hätte auch einen weiteren Rückgang der Zahl der Metzgereien und Direktvermarkter zur Folge.

Verluste durch Corona

Der im Raum stehende Verlust der Schlachthof GmbH ist sicherlich auch durch fehlende Einnahmen aus den Schlachtgebühren entstanden, da die Schlachtstätte wegen Erkrankung von Mitarbeitern über mehrere Wochen in 2021 geschlossen war. Da im Schlachthof 170 Arbeitskräfte und im Viehhandel und in der Fleischvermarktung noch viele mehr beschäftigt sind, sollte der Stadt Bamberg alles daran gelegen sein diese zu erhalten.

Mitte Mai war der Bamberger Schlachthof erneut in die Schlagzeilen geraten, weil der damalige Geschäftsführer meinte, dass sich seine strategischen Vorstellungen für den Bamberger Schlachthof unter den derzeitigen Rahmenbedingungen nicht verwirklichen lassen. In der Konsequenz hatte er zum Ende des Monats Mai gekündigt. Seit Anfang Juni trägt der bisherige Prokurist die Verantwortung für den Schlachthof, an dem pro Tag rund 1000 Schweine und 150 Rinder geschlachtet werden, der überwiegende Teil von Tönnies und Südfleisch. Der Schlachthof ist seit Juli 2020 eine eigenständige GmbH und hundertprozentige Tochter der Stadt Bamberg.