Investition

Bald wächst hier auch Salat

Stefan Scherzer im Gewächshaus_2
Jürgen Leykamm
am Mittwoch, 31.03.2021 - 12:36

In Dinkelsbühl entsteht das größte und modernste Salatgewächshaus Deutschlands. Die Maße beeindrucken und der Zeitplan ist ambitioniert.

Vor sieben Jahren hat sich „Scherzer Gemüse“ in Dinkelsbühl angesiedelt und der Stadt damit auch noch aus einem Schlamassel geholfen. In diesem Jahr setzt das Unternehmen zum zweiten großen Coup an und lässt ein reines Salatgewächshaus mit einer Fläche von 5,3 Hektar entstehen: das größte und modernste seiner Art in Deutschland. Zudem mit ehrgeizigem Zeitplan: Zwischen Stadtratsbeschluss und erster Saat soll nur ein Jahr vergehen.

Grünes Licht gab das Gremium für das Vorhaben des Waldecker Betriebs, der auch in Nürnberg und Feulersdorf ansässig ist, im vergangenen September.

Glücklicherweise keine Lieferengpässe

Seither ist viel passiert, wenngleich Schnee und Frost „uns durchaus Kummer bereitet haben“, wie Geschäftsführer Stefan Scherzer beim Besuch von Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer gesteht.

Scherzer Gemüse-Gewächshaus im Bau Luftbild

„Aber jetzt sind wir wieder im Zeitplan.“ Um Ostern herum soll bereits das Dach angebracht werden. Erdarbeiten an einem Ende des Areals, Legen der Fundamente am anderen – die zeitlichen Baufortschritte lassen sich hier räumlich ablesen. „Lieferengpässe gibt es glücklicherweise keine“, ist Scherzer froh. Was Glas und Stahl anbetrifft, „haben wir rechtzeitig bestellt“.

Täglich rollen hier im Schnitt fünf Lkw an. Das Gelände ist drainiert, ein Regenwasserüberlaufbecken sorgt nach Inbetriebnahme mit einem Puffer von 40 000 m³ dafür, dass das Wasser dorthin fließt, wo es von Nutzen ist. Auch das Dachwasser soll nach Fertigstellung für die Bewässerung genutzt werden.

Die Maße beeindrucken – allein die Erntehalle umfasst einmal nahezu 3000 m². Gestemmt wird das 25-Millionen-Großprojekt, das sich in direkter Nähe zum Gemüsegewächshaus befindet, von einem familiär geführten Betrieb. Stefan Scherzer leitet ihn gemeinsam mit seinem Bruder Andreas und Vater Peter.

„Die Salate werden alle mit dem Wurzelballen geerntet“, erläutert Stefan Scherzer. Vorteile der Gewächshausproduktion lägen auf der Hand. Über Nitratbelastung der Böden etwa brauche man sich keine Gedanken zu machen, es gäbe geringen Wasserverbrauch und vor allem „können wir hier zwölf Monate bei gleichbleibend hoher Qualität produzieren und auch im Winter für frischen, regionalen Salat sorgen“. Geerntet wird ergonomisch – ohne viel Bücken. Schnecken: Fehlanzeige!
Ein Läusenetz in der Lüftungsanlage soll auch diese Tierchen fernhalten, so dass kein chemischer Läuseschutz benötigt werde. Und unliebsamer Witterung lasse sich ebenso ein Schnippchen schlagen. Beim Anbau setzen die Scherzers auf das klassische Sortiment wie Kopfsalat und Co. - aber nicht nur.
Scherzer Gemüse-Team

Lollo Rosso sowie roter und grüner Eichblatt-Salat werden als „Trio-Salat“ in einem Topf kombiniert angeboten, was schon rein farblich reizvoll ist. Scherzer freut sich schon auf dieses tolle Farbenspiel.

„Ein bisschen Euphorie braucht es schon, um ein solches Projekt zu verwirklichen“, fügt er an. Schließlich hat er schon etliche Sechstagewochen, Erdarbeiten bei Minusgraden und so manche schlaflose Nacht hinter sich. Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer würdigt das Bauprojekt: „Das ist hier unsere größte Baustelle, sowohl was die Investitionssumme als auch die Fläche anbelangt“, sagt Dr. Hammer. Scherzer Gemüse sei schon jetzt „mit der gewerbesteuerstärkste Betrieb in Dinkelsbühl“. Nicht zu vergessen die bis zu 35 Vollzeitmitarbeiter, die für den neuen Betriebszweig eingestellt werden sollen.

Biomasseheizwerk liefert Wärme und grünen Strom

Vor einigen Jahren hingegen sah die Situation vor Ort eher trübe aus. Die Klärschlammverwertungs-GmbH (KSV) schlitterte 2012 in die Insolvenz – mit Millionenverlusten für die Stadt. „Doch die haben sich längst bei weitem amortisiert“, ist der Rathauschef erleichtert. Denn aus dem Pleiteunternehmen in der Nachbarschaft des Scherzer-Betriebs wurde 2013 das Biomasseheizwerk der TEATherm GmbH – mit Stefan Scherzer als Gesellschafter. Das Kraftwerk ermöglichte erst die Ansiedlung seines Betriebes ein weiteres Jahr später. Die Wärmeabnahme durch den Gewächshausbetreiber sorgt seither sowohl für ihn wie für den Energieerzeuger dafür, dass sich beide Unternehmen wirtschaftlich äußerst positiv darstellen lassen. Auch der grüne Strom (unter anderem für die sparsame LED-Belichtungsanlage) für Scherzer Gemüse stammt vom Nachbarn. Die fast 2,7 ha Wald, die dem Neubau-Projekt weichen mussten, sind zu etwa zwei Drittel mit Hainbuche, Elsbeere, Eiche und weiteren Baumarten wieder aufgeforstet.