Versammlung

Aufzucht von Bruderhähnen ist umstritten

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Ludwiga Friedl
Ludwiga Friedl
am Montag, 25.10.2021 - 06:23

Die Geflügelerzeugergemeinschaft Franken bestätigt Dieter Then als Vorsitzenden. Dr. Klaus Damme kritisierte aktuelle Regelungen.

Kitzingen Bei den turnusgemäßen Wahlen der Geflügelerzeugergemeinschaft Franken wurde der erste Vorsitzende Dieter Then (Reyersbach) in seinem Amt bestätigt. Sein bisheriger Stellvertreter Karl-Heinz Vogler, der nicht mehr kandidierte, wurde mit einem Präsent verabschiedet. Aus dem Ausschuss ausgeschieden sind außerdem Renate Strauß-Saal, Reinhold Zeilinger, Christian Endres und Hans Hofmann. In den Ruhestand verabschiedet wurde auch Dr. Klaus Damme, der langjährige Leiter des Lehr-, Versuchs- und Fachzentrums (LVFZ) für Geflügel der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft.

„Es gab immense Probleme mit der Verpackung“, berichtete der Vorsitzende, der besonders den Damen im Büro fürs Herumtelefonieren dankte. Wegen Corona habe man leider nicht feiern können, dass die Erzeugergemeinschaft 50 wurde – was mit dem 80. Geburtstag des Ehrenvorsitzenden Fritz Hahn zusammengefallen wäre.

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Neu gewählt wurde der zweite Vorsitzende Hans-Peter Kolb (Fasendorf). In den Ausschuss gewählt wurden Stefan Carl (Lohof, Gemeinde Itzgrund-Kaltenbrunn), Christian Pabst (Lauf-Bullach), Robert Wellhöfer (Lehrberg), Erich Seltsam (Kitzingen), Christian Hofmann (Sondernohe bei Flachslanden), Julia Federlein (Cadolzburg), Frank Vogler (Neuwirtshaus), Felix Servatius (Iphofen-Birklingen), Matthias Lehr (Burk) und Angelika Winkler (Kleinweisach; Gemeinde Vestenbergsgreuth).

„Ich freue mich auf meine kommenden Aufgaben“, sagte Dr. Philipp Hofmann, der seit wenigen Wochen an der LfL angestellt ist. Er hat an der Uni Hohenheim Tierernährung studiert und im Bereich Broilerfütterung promoviert. Wie er berichtete, sei in Kitzingen ein neuer Stall mit Brüterei geplant und auch Versuchskapazitäten im Bereich der Bio-Legehennenhaltung. Dr. Klaus Damme ergänzte, dass ein neuer Legehennenversuchsstall mit Bodenhaltung, Wintergärten und Packstellen für 6000 Plätze geplant sei.

Für eine Brüterei sei die Kostenschätzung in Höhe von 5 Mio. € nicht mehr belastbar und müsse neu gemacht werden. Damme berichtete auch vom „Investitionsstau“ an den übrigen LfL-Standorten Schwaiganger, Grub, Schwarzenau, Kringell, Almesbach und Kempten. Deutliche Kritik übte Damme an der Frist zur Geschlechterbestimmung im Ei, die 2024 abläuft, ohne dass eine Lösung in Sicht wäre, mit der das Geschlecht vor dem 7. Tag zu bestimmen wäre. Eine Fehlerquote von 20 % eines Tests bedeute, dass zwanzig Junghennen versehentlich aussortiert würden. Was viele nicht wissen: das Sperma der Hähne enthält nur x-Chromosomen, Spermasexing sei also nicht möglich.

„Es ist Gesetz, aber heller Wahnsinn“, sagte Damme hinsichtlich der Ressourcenverschwendung, die mit der Aufzucht von Bruderhähnen einhergehe. Bei 300 € Preisdifferenz zu gentechnisch verändertem Soja kündigte er einen Preisanstieg von 60 % an. Und er meinte: „Brütereien werden wir in Deutschland nicht halten können.“

Doch es gab auch Erfreuliches zu vermelden: Der Eierkonsum in Deutschland sei auf 239 Stück pro Kopf und Jahr gestiegen. Und das Ei sei als Nahrungsmittel sehr positiv belegt. Dem entgegnete Then, dass der Anteil an Schaleneiern aber sinke.
Als „Lüge der Politik“ bezeichnete Damme das Einvernehmen „Wir wollen den Bruderhahn und Tierwohlpolitik“, während in Verarbeitungsprodukten andere Eier erlaubt seien. Wie die Brüterei Lohmann Süd mit dieser Thematik umgeht, versuchte Mario Möckel zu klären. „Leider habe ich nichts positives“, stellte er seinen Ausführungen voran. Legehennenhalter stünden vor Herausforderungen: die deutlich erhöhten Futterpreise wirken sich auf die Junghenne aus. „Vermehrer jagen sich gegenseitig Aufzuchtbetriebe ab“, sagte er auch. Wegen der Probleme bei der Geschlechtsbestimmung im Ei, würden sich 90 % der Betriebe für die Aufzucht des Hahnes entscheiden. Bruderhähne brauchen 13 – 14 Wochen in der Aufzucht. In der Folge werde die „Junghenne knapp und teurer“.