Bauerntag

Aufruf zu Geschlossenheit

Schesslitz
Stephan Herbert Fuchs
am Donnerstag, 13.02.2020 - 07:13

Aufgeheizte Stimmung beim Scheßlitzer Bauerntag. Marlene Mortler verteidigt BBV.

Da kochten die Emotionen beim Scheßlitzer Bauerntag diesmal richtig hoch. Nicht nur, dass „Land schafft Verbindung“ mit über 30 Schleppern vor der TSV-Turnhalle vorgefahren war – der Andrang war sogar so groß, dass viele Besucher mit einem Stehplatz vorlieb nehmen mussten. LsV-Sprecher Dieter Laub kritisierte mit scharfen Worten sowohl den Bauernverband als auch die CSU.

Das ließ Hauptrednerin Marlene Mortler, Europaabgeordnete und frühere Bundestagsabgeordnete, so freilich nicht stehen. Sie verteidigte nicht nur ihre Partei, sondern auch den Bauernverband. „Wenn jemand in jahrzehntelanger Arbeit versucht hat, alles für die Bauern rauszuholen, dann doch der Bauernverband“, so Mortler. Den BBV in Bausch und Bogen zu verurteilen, sei völlig fehl am Platz. „Wenn man wirklich etwas erreichen möchte, dann nur zusammen“, rief sie die Landwirte zu Geschlossenheit auf. Jetzt einen Keil in den Bauernstand zu treiben und den Berufsstand zu spalten, bringe gar nichts.

Thema Landwirtschaft ist ganz oben

Dabei hatte Mortler zuvor in ihrer Rede noch überaus lobende Worte für die Bewegung „Land schafft Verbindung“ gefunden. Durch die LsV-Aktionen hätten wirklich alle erkannt, dass es den Landwirten ernst ist. Gerade die bestens ausgebildeten jungen Bauern, die jetzt in der Verantwortung stehen, seien es gewesen, die mit spektakulären Aktionen für Aufsehen gesorgt hätten. „Ihr habt es geschafft, dass das Thema Landwirtschaft ganz oben ist“, so Mortler. Das Verständnis in der Bevölkerung nehme wieder zu, die Mehrzahl der Menschen stehe auf der Seite der Bauern.

Auch die Kritik an der sogenannten Bauernmilliarde konnte Mortler verstehen. „Die Bauern wollen Wertschätzung und fair behandelt werden“, sagte sie. LsV-Sprecher Laub rechnete dagegen vor, dass er die 950 € pro Jahr und Betrieb längst bei den Aktionen mit seinem Schlepper verfahren habe. Damit habe die Bewegung aber auch „verdammt viel“ erreicht, ganz im Gegensatz zum BBV, wie es der Sprecher ausdrückte.

Wer Bauern quält, wird nicht gewählt

Das ließ auch Kreisobmann Edgar Böhmer so nicht auf sich sitzen. Auch er sei nicht immer mit allem einverstanden, aber genau deshalb engagiere er sich ja als Kreisobmann. Er rief alle Aktivisten auf, sich ebenfalls einzubringen, beispielsweise in den Gemeinderäten oder Kreistagen. Dort könne man wirklich etwas bewegen.

Auch wenn die Stimmung aufgeheizt war und der Streit zwischen LsV und BBV den Bauerntag diesmal überschattete, so kamen Sach­themen trotzdem nicht zu kurz.

Am besten brachte die Vielfalt der Anliegen ein Sketch auf den Punkt, in dem die wichtigsten Anliegen gleich zu Beginn der Veranstaltung angesprochen wurden. Kreisobmann Böhmer und Georg Deinlein aus Neudorf kritisierten dabei witzig und überspitzt, aber durchaus mit ernstem Hintergrund als „Franz und Gerch“ die vielen Auflagen, die Bürokratie, die negativen Rahmenbedingungen, das Freihandelsabkommen Mercosur und schließlich auch den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder: „Wer die Bauern quält, wird nicht gewählt“, skandierten beide am Ende des Sketches.