Wettbewerb

Artenvielfalt: Wo der Finkensame blüht

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Ludwiga Friedl
am Donnerstag, 09.07.2020 - 12:05

Wettbewerb: In Oberfranken wurden 128 von 200 gefährdeten Arten gefunden.

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Der Ackerkohl ist so selten, das ist gar nicht in Worte zu fassen“, sagt Otto Elsner, der die Flächen für den Ackerwildkraut-Wettbewerb 2020 kartiert. Er freut sich, eines der seltenen und ziemlich unscheinbaren Exemplare von Conringia orientalis auf dem Acker von Markus Haslbeck in Götzendorf im Landkreis Forchheim gefunden zu haben.

Den Landwirt versöhnt das ein bischen mit seinem Acker. „Denn der ist so steinig, dass der Spurreißer keine Furche hinterlässt“, erklärt er. Beim Säen müsse man immer „ein bischen auf Verdacht“ fahren. So erklärt sich der schmale Brachestreifen im Hafer, auf dem Elsner zufällig das seltene Gewächs entdeckt hat.

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Denn eigentlich hatte Haslbeck sein benachbartes Weizenfeld zum Wettbewerb angemeldet, nachdem ihm von Bioland dazu geraten worden war. Auch hier gibt es Raritäten wie den roten und den blauen Ackergauchheil oder Finkensame und Ackerrittersporn, die fast flächig verteilt vorkommen.

27 Flächen nehmen am Wettbewerb teil

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Diese Pflanzen stellen ein „großes Potenzial für Insekten“ dar, wie Franziska Mayer sagt, die von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) für den Wettbewerb zuständig ist, den die LfL gemeinsam mit dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL), Bioland und dem Bund Naturschutz (BN) in Bayern ausrichtet.

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Insgesamt hat der Kartierer 128 von den rund 200 gefährdeten Arten auf den 27 Flächen gefunden, die daran teilnehmen. Vier konventionelle und 23 Ökobetriebe aus allen Landkreisen Oberfrankens haben sich angemeldet.

Dass er gute Aussichten auf einen der vorderen Plätze hat, überrascht Markus Haslbeck. Er ist gar nicht glücklich mit seinem Weizen, der heuer sehr schlecht dasteht, weil schon die Vorfrucht Kleegras trockenheitsgeschädigt war. Insgesamt 15 ha bewirtschaftet er nach Bioland-Richtlinien, dazu zehn ha Wald. Er hält zwei Kühe, deren Milch er direkt vermarktet. In die Direktvermarktung über eine Landmetzgerei geht auch das Fleisch von acht Mastschweinen. Zu den prominenten Abnehmern des gelernten Industriemechanikermeisters zählt die Landvolkshochschule Feuerstein.

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Maike Fischer vom Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) erklärt, dass der Wettbewerb vor sechs Jahren in Unterfranken gestartet ist und reihum in allen Regierungsbezirken stattfinden soll. „Die Vielfalt und Schönheit der bayerischen Kulturlandschaft wird von Landwirten erhalten“, sagt sie und fordert, dass der Beitrag der Landwirte auch anerkannt und honoriert werden muss. Sonst würden Raritäten wie Frauenspiegel, Mäuseschwänzchen oder kleinfrüchtiger Leindotter sang- und klanglos verschwinden.

Keine Allerweltsunkräuter

Damit keine Missverständnisse entstehen: „die teilnehmenden Äcker müssen frei von Allerweltsunkräutern wie Quecke, Klettenlabkraut oder Ackerkratzdistel sein“, erklärt Mayer vom Institut für Agrarökologie der LfL. Doch mit dem Wissen, dass es nur sehr wenige echte „Problemunkräuter“ gibt, könne ein Landwirt die Vielfalt an kleinen Wildkräutern im Acker durchaus entspannt beobachten. Wildpflanzen gäben auch Hinweise auf den pH-Wert oder den Wasserhaushalt des Bodens.

Charakteristisch für die Frankenalb seien „steinreiche“ Äcker, auch Kalkscherbenäcker genannt. Typische Pflanzen dieser Äcker seien das seltene Sommer-Adonisröschen oder der Acker-Hahnenfuß, die Elsner auf Äcker gefunden hat.
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Marion Ruppaner vom Bund Naturschutz fordert, dass die Ackerwildkrautprogramme künftig weiter ausgebaut werden und „Landwirte, die mehr tun, müssen auch mehr Geld dafür bekommen.“ So könne beispielsweise über den Verzicht auf Spritzmittel und weite Saatreihen viel Lebensraum für Insekten und Feldvögel entstehen und den Landwirten für den Ertragsverzicht und ihre zusätzliche Arbeit ein finanzieller Ausgleich geboten werden. Sie freut sich über den noch vorhandenen Artenreichtum und zeigt symbolhaft auf ein Ochsenauge, einen Schmetterling, der auf ihrer Hand Platz genommen hat.

Dass so viele Biobetriebe Ackerflächen angemeldet haben, macht Katharina Schertler von Bioland „richtig stolz“. Damit könne man zeigen, welch einen Beitrag der ökologische Landbau zum Erhalt der Artenvielfalt leiste.

Alexander Ulmer von der Höheren Naturschutzbehörde an der Regierung von Oberfranken erklärte, dass auf Äckern, die am Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) teilnehmen, auch die besten Wildkrautbestände vorkommen. „Daher sind wir in Oberfranken bestrebt, die gut geförderte VNP-Maßnahme „Extensive Ackernutzung“ auch künftig weiter auszubauen“, sagte er.
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