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Vogelschutz

Wenn der Artenschutz der Art schadet

Wildvogel
Regierung von Mittelfranken
am Mittwoch, 08.01.2020 - 09:32

Kurios: Im Knoblauchsland erwiesen sich Ausgleichsflächen, die aus der Produktion ausschieden, als Nachteil für die Vogelwelt.

Nürnberg - Im Januar startet ein Pilotprojekt zum Artenschutz im Knoblauchsland, Ziel ist es, Kiebitzen, Feldlerchen, Schaftstelzen und Rebhühnern das Überleben inmitten der Metropolregion zu ermöglichen.

Was Wenige wissen, in der kleinteiligen Kulturlandschaft des Knoblauchslandes hatten diese seltenen Vögel bislang gute Lebensbedingungen. Aufgrund der oft kleinteiligen Nutzung durch den Gemüseanbau, der sukzessiven Ernte, die dazu beiträgt, einen Ernteschock zu vermeiden, sowie der vorhandenen Kleinstrukturen wie zum Beispiel kleine Wasserflächen und Pfützen oder offene Sandstellen zur Gefiederpflege hat sich im Knoblauchsland eine hohe Dichte dieser Arten erhalten können, eine Dichte, die ansonsten kaum noch zu finden ist.

Diese für den traditionellen Gemüsebau typischen Faktoren waren und sind immer noch in Verbindung mit einem regelmäßigen Fruchtwechsel entscheidend für die Zukunft der genannten Arten.

Ausgleichsflächen brachten Nachteile für Mensch und Tier

Investitionen in landwirtschaftliche Betriebe führten und führen aber zu Problemen, weil die aufgrund der Investitionen notwendigen Natureingriffe auch nach dem Artenschutzrecht ausgeglichen werden müssen. Gerade wenn Betriebe optimiert werden sollen, müssen für die seltenen Vögel zusätzliche Maßnahmen erbracht werden.

Es spielt dabei im Artenschutz keine Rolle, dass die bisherige Bewirtschaftungsweise für die Population von Kiebitz, Feldlerche, Schaftstelze und Rebhuhn sogar förderlich war. Diese Maßnahmen waren bisher auf dauerhaft festzulegenden Ersatzflächen zu erbringen, die dann für die Produktion nur noch eingeschränkt zur Verfügung standen. Dadurch schieden sie aus dem Fruchtwechselsystem aus, ein System, das für den Bestand der Vögel außerordentlich günstig war. Eine unbefriedigende Situation also nicht nur für die Landwirte, denen Nutzfläche für den wechselnden Gemüseanbau entzogen wurde, sondern auch für die Vögel, zu deren Schutz diese Maßnahmen eigentlich gedacht waren.

 

Die Einbindung des Artenschutzes in die Betriebsabläufe der Landwirte in einem bayernweit ersten Versuch ist die Besonderheit und das Ziel des nun startenden Pilotprojekts. Nach Beginn des Pilotprojektes wird es möglich sein, Ausgleichsmaßnahmen für die zu schützenden Vögel jedes Jahr auf einer anderen Fläche stattfinden zu lassen, nämlich auf einer Fläche, auf der das nach der jeweiligen Fruchtfolge auch sinnvoll ist. Um dieses System umzusetzen und in der Praxis zu testen hat Bayerns Umweltministerium der Regierung von Mittelfranken nun Mittel von mehr als 100 000 € für die Projektentwicklung zur Verfügung gestellt.