Diskussion

Anbindehalter kommen in Bedrängnis

Anbindehaltung-BBV-NEA/W_LF
Fritz Arnold
am Freitag, 19.02.2021 - 11:45

Ein Verbot der Anbindehaltung ist noch nicht im Gespräch. Dennoch läuten bei den Milchviehhaltern bereits die Alarmglocken.

Die bäuerliche Landwirtschaft sollte erhalten bleiben. Darüber sind sich fast alle einig, von Politikern bis hin zu Umweltverbänden. Doch staatliche Vorschriften sowie das Verhalten von Verbrauchern, Handel und Verbänden bewirken genau das Gegenteil. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Diskussion um die Anbindehaltung.

Losgetreten wurde diese von der Forderung, dass Kühe nicht mehr angebunden werden sollen, wie das jahrhundertelang üblich war. Auch wenn Politiker heute lieber nicht mehr davon reden, ist eine Entwicklung in Gang gekommen, die sich schon fast nicht mehr stoppen lässt.

Kleine Kuhbauern haben Sorgen

Zwar ist bisher kein Verbot der Anbindehaltung im Gespräch, aber bei den Milchviehhaltern läuten die Alarmglocken. So hat der Bauernverband (BBV) und der Bund der Deutscher Milcherzeuger (BDM) auf einem Termin bei einem Milchbauern in Rennhofen bei Emskirchen auf eine Entwicklung aufmerksam gemacht, die den kleinen Kuhbauern große Sorgen bereitet.

Wie BBV-Kreisobmann Jürgen Dierauff und Peter Meyer vom BDM auf dem Hof der Familie Demjanowitsch in Rennhofen erläuterten, droht ein weiterer großer Schub beim Strukturwandel. Zwar werden in Franken nur noch ein Viertel der Kühe in Anbindeställen gehalten, doch sind das noch 40 % aller Milcherzeugerbetriebe. Laut Meyer, auch Vizevorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft Nürnberg-West, gehören fast alle Betriebe, die in den letzten Jahren die Milchviehhaltung aufgaben, zu den Anbindehaltern.

Diese Entwicklung droht sich nun noch zu beschleunigen. Im Berchtesgadener Land zahlt eine Molkerei an Betriebe, deren Kühe ganzjährig im Stall angehängt sind, 3,5 Cent weniger als den Berufskollegen mit Laufstall- und Weidehaltung.

Seit 1. Januar 2021 erhalten nun auch in Mittelfranken die ersten Milchlieferanten, die der ehemaligen Molkerei Uehlfeld im Kreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim angehören, von ihrer Molkerei Bechtel in Schwarzenfeld 1 ct weniger als die Laufstallbetriebe. Nächstes Jahr sollen es dann 1,25 ct und 2023 1,5 ct weniger sein.

Begonnen hat dies, als norddeutsche Molkereien meinten, sich mit der Werbung für Milch aus Weidehaltung im Absatz Vorteile verschaffen zu können. Mehrere Molkereien in Bayern haben inzwischen in ihren Verträgen Klauseln, dass sie bei entsprechender Absatzlage Abzüge vornehmen können. Deshalb werde die Milch zum Teil schon gesondert erfasst und „anonym“ verwertet.

Es braucht Solidarität

Familie Demjanowitsch (der Großvater kam während des Krieges aus Weißrussland nach Rennhofen) bewirtschaftet 25 ha Acker- und 16 ha Grünland. Der 1956 gebaute Stall für zwölf Kühe wurde immer wieder vergrößert, so dass jetzt 50 Kühe und 60 Stück Jungvieh dort stehen. Beim jetzigen Milchpreis komme man gerade so über die Runden, aber an große Um- oder Neubauten ist nicht zu denken, sagt der 44-jährige Markus Demjanowitsch. Bei Milchpreisabzügen würde er aufgeben.

Auflagen, wie Weide oder Laufhöfe, sind ins Frankens Dörfern fast unmöglich, so dass die „Krücken mit Kombihaltung“ keinen Ausweg darstellen, betonen die BBV-Kreisobleute Jürgen Dierauff und Renate Ixmeier, Jochen Schönleben (vlf) und Klaus Schönleben (Maschinenring). Um die Strukturen zu erhalten, sei Solidarität der Milcherzeuger und Molkereien nötig.