Billigimporte

Anbau-Paten für Soja gesucht

Sojapatenschaft Andreas Gerner
Silvia Eidel
am Montag, 28.09.2020 - 11:48

Um billiges Import-Soja zu stoppen und den heimischen Anbau rentabler zu machen, bietet Landwirt Andreas Gerner aus Birnfeld Patenschaften an

Schild Regenwald-Pate

Auf dem Plakat, das aus dem Soja-Feld ragt, brennt der Regenwald lichterloh. Dort in Südamerika wird für den Anbau und Export der eiweißreichen Futterpflanze der Amazonas brandgerodet. Hier in Deutschland kann Soja ebenfalls gedeihen. Auch Landwirt Andreas Gerner in Birnfeld baut die Bohnen an. Was für ihn allerdings nicht rentabel ist und was ihn auf eine Idee brachte: Patenschaften für den hiesigen Sojaanbau anzubieten, damit jeder mithelfen kann, Brandrodungen im Regenwald zu verhindern.

Im siebten Jahr baut der 36-jährige Vollerwerbslandwirt Sojabohnen an, zwischen 10 und 15 ha jedes Jahr. Weil ihm das Problem des Billig-Imports von Soja aus Nord- und Südamerika schon lange bewusst ist und ihm Sorgen macht. Weil er weiß, dass durch die Abholzung des Amazonas nicht nur Natur und Artenvielfalt zerstört werden, sondern das Klima weltweit leidet. Und weil durch den Import gentechnisch veränderte Sojabohnen nach Europa kommen.

Soja Knöllchenbakterien

Aber Gerner erweitert mit Soja auch die Breite seiner Kulturen: Heuer sind es 13 Früchte, die er konventionell in seinem Ackerbaubetrieb anbaut. Er kann damit auch sein Risiko streuen. Und der Vorfruchtwert von Soja ist ebenfalls interessant.

„Mit Mais und Weizen ist mehr verdient“, bringt Gerner sein Problem auf den Punkt. Im Schnitt 700 €/ha Soja oder 350 €/t erlöst er, wobei der Preis allerdings von Jahr zu Jahr sehr schwankt. Von einem Hektar Mais erhält er bis zu 2000 €, allerdings sei hier der Aufwand für Düngung und Pflanzenschutzauch höher, schränkt er ein. „Soja kann seinen Stickstoff selbst generieren über die Knöllchenbakterien“, erläutert er, weshalb diese Frucht mit der Pfahlwurzel keinen Dünger braucht. Dennoch: Für das wertvolle Protein im Soja, mehr als bei den anderen Eiweißfrüchten wie Erbse oder Ackerbohne, müsste der Preis höher sein, sagt der Bauer. Den kann er aber beim Verkauf über den Landhandel nicht erlösen.

Sojabohnen

Um das Soja direkt verfüttern zu können, muss es erst aufwändig wärmebehandelt werden. Wobei mittlerweile bekannt sei, so Gerner, dass das bei Rindern ab 200 kg Gewicht nicht nötig sei. Aber er habe keine direkten Abnehmer für das rohe Viehfutter gefunden, bedauert er.

Um dennoch weiter Soja wirtschaftlich anbauen zu können und weil er weiß, dass vielen Menschen der Schutz des Regenwaldes etwas wert ist, kam dem Landwirtschaftsmeister die Idee mit der Patenschaft: Für 50 €, die ihm ein Pate zahlt, baut er im nächsten Jahr 1000 m2 Sojabohnen in Birnfeld an. „Diese Fläche muss schon nicht in Brasilien gerodet werden“, meint er. Und: „Ich selbst werde davon bestimmt nicht reich.“

„Es ist ein Versuch“, weiß er, und er könne natürlich auch keine Garantie geben, dass nicht doch weiter die Bäume in Südamerika abgeholzt würden. Aber wenn man die Nachfrage nach Soja verschieben könnte, könne sich etwas verändern, hofft er. – und wenn viele mitmachen, andere Landwirte und viele Paten.

Keine gentechnisch veränderten Pflanzen

Im Interview mit seiner regionalen Tageszeitung hatte Gerner auch erklärt, dass die Landwirte im Gegensatz zu ihren Berufskollegen in Amerika keine gentechnisch veränderten Pflanzen (GVO) anbauen. Daher spritzen sie auch nicht Glyphosat während der Vegetation, was zum Beispiel in Argentinien üblich ist.

Besser als Fleischverzicht

Außerdem findet er, dass so eine Patenschaft mehr für den Regenwald bewirkt als der Fleischverzicht einer Person. „Die WTO, die Welthandelsorganisation, ist allmächtig und verbietet die Sojaeinfuhr nicht“, bedauert der Birnfelder, wohlwissend, dass Deutschland als Exportnation die WTO wiederum braucht.
Um sein Angebot einer Soja-Patenschaft für den Regenwald deutlich zu machen, hat Gerner Schilder auf den Feldern, an der Straße oder am Radweg, aufgestellt. Er hofft, dass sein Angebot rege wahrgenommen wird. „Wer Interesse an einer sogenannten Regenwald-Patenschaft hat, kann sich mit Andreas Gerner in Verbindung setzen, Tel. 0172-9982619, per Whatsapp oder E-Mail: andreas_gerner@gmx.de“, so stand es vor einigen Wochen in der Tageszeitung. 28 „Paten“ haben zwischenzeitlich auf Gerners Konto eingezahlt. Und zwei Berufskollegen haben sich gemeldet, die eine ähnliche Aktion starten wollen. „Das ist ein guter Anfang“, findet Gerner.