Stallgespräch

Alles zu Lasten der Bauern

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Gabi Bertram
am Montag, 16.09.2019 - 16:22

Auf dem Stallgespräch des BBV Coburg wird Kritik an der Öffnung für Rindfleischimporte geübt.

Kleinwalbur/Lks. Coburg Kai Renner ist Juniorchef auf dem elterlichen Hof in Kleinwalbur. 110 Milchkühe nebst Jungvieh hält der Betrieb. Er produziert rund 750 000 l Milch pro Jahr und bewirtschaftet 70 ha Land, davon 30 ha Grünland. Äcker und Wiesen dienen ausschließlich der eigenen Futterproduktion. 2017 haben die Renners rund 750 000 € in einen neuen Laufstall außerhalb des Dorfes investiert. Der neue Kuhstall in Kleinwalbur ist der letzte, der in den vergangenen zwei Jahren in den Landkreisen Coburg und Lichtenfels gebaut wurde. Die Bauern scheuen sich angesichts der sich ständig ändernden hohen Auflagen und Forderungen vor solchen Investitionen. „Und das Höfesterben hält an“, klagt Hans Rebelein, Geschäftsführer des BBV-Kreisverbandes Coburg.
Rebelein hat die Zahlen parat: Gab es 1990 noch 813 Rinderhaltungsbetriebe im Kreis Coburg, waren es 2017 noch 196. Die Zahl der Kühe ging im gleichen Zeitraum von 13 500 auf 8800 zurück. Bei den Muttersaubetrieben sieht diese Entwicklung noch besorgniserregender aus: 1990 waren es 468, 2017 noch 45.
Der BBV-Kreisverband Coburg hatte zum traditionellen Sommerpressegespräch auf den Hof Renner eingeladen. Der erste und zweite Grünschnitt seien zwar einigermaßen gut gelaufen, resümiert Kai Renner, der dritte aber werde wohl ausfallen. Die zwischenzeitlichen Niederschläge hätten dem Mais gut getan. Aber, prognostiziert der Landwirt, im Vergleich zum Vorjahr würde die Hälfte der Menge fehlen. Insgesamt sprechen die Landwirte im Landkreis Coburg von einer unterdurchschnittlichen bis knappen Futtersituation.
Doch es sind wahrlich nicht Wetter und Ernte, die auf die Stimmung bei den Bauern schlagen. Man fühlt sich durch Düngeverordnung und eine ständige Verschärfung von Haltungs- und Produktionsbedingungen gegängelt und sich in der Öffentlichkeit gebrandmarkt. Dagegen, sagt Flohrschütz, gebe es keinen Aufschrei, wenn es um das Freihandelsabkommen zum Rindfleischimport gehe. „Wir machen den europäischen Markt auf für Rindfleisch aus zweifelhaften und unkontrollierbaren Haltungsbedingungen. Und auch eine Fleischsteuer würde nicht beim Bauern ankommen.“ Auch Rebelein sieht hier politische Weichenstellungen zu Lasten der Landwirtschaft.
Da nütze es nichts, dass man hier genfrei arbeite, fügt Wolfgang Schultheiß, Vize-Kreisobmann hinzu. Düngemittel- und Pflanzenschutzmittelverbote würden den Rapsanbau ad absurdum führen, schimpft er. Das Problem aber sei, das bestätigen die Praktiker, dass man den Schädlingen nicht Herr werde. Und in Züchtung und Forschung, so Rebelein, werde bei weitem nicht genug investiert.