Gründung

Nicht allein im Roten Gebiet

Interessengemeinschaft-Sandsteinkeuper-Höchstadt-Bamberg_LF
BLW
am Montag, 08.02.2021 - 18:06

Die neu gegründete Interessensgemeinschaft Sandsteinkeuper-Höchstadt-Bamberg will die Debatte um Rote und Gelbe Gebiete begleiten.

Bereits im Spätherbst zeichnete sich durch erste Informationen ab, dass der mit 725 km² große Grundwasserkörper, der in den letzten zwei Jahren komplett als Rote Gebietskulisse ausgewiesen war, sich aufgrund der Forderungen des Bayerischen Bauernverbandes und verschiedener Interessengruppen und einer neuen bundeseinheitlichen Bewertung in der Grundwasserbeschaffenheit verändern würde.

Neues Bewertungssystem im Freistaat umgesetzt

Interessengemeinschaft-Sandsteinkeuper-Höchstadt-Bamberg_LF

Die vom Bayerischen Landtag beschlossene Ausführungsverordnung zur Ausweisung von Roten und Gelben Gebieten (eutrophierte Gebiete) hat enorme Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Dies brachte für den Grundwasserkörper Sandsteinkeuper-Höchstadt/Aisch eine Reduzierung der roten (nitratbelasteten) landwirtschaftlichen Nutzflächen um ca. 50 %.

Ein neues Bewertungssystem, das jetzt in Bayern per Verordnung umgesetzt wurde, ergab, dass im Bereich des Landkreises Bamberg noch drei kleinere Rote Gebiete um Stegaurach, Dietendorf, Heuchelheim und Kirchaich vorhanden sind. Im Landkreis Forchheim ist der Bereich um Willersdorf betroffen und im Kreis Erlangen-Höchstadt der Bereich zwischen Höchstadt und Lonnerstadt sowie ein kleiner um Adelsdorf.

Im Landkreis Neustadt Aisch/Bad Windsheim ist weiterhin der Bereich südlich von Neustadt/Aisch und insbesondere zwischen Uehlfeld und Rauschenberg weiterhin massiv betroffen. Fragwürdig sei zudem im Bereich Baudenbach/Rossbach (Lks. NEA), warum dort eine belastete Messstelle aus dem benachbarten Gipskeuper Bad Windsheim auch im „Höchstadter Grundwasserkörper“ Belastungszonen auslöst.
Landwirte, die in den Roten und Gelben Gebieten wirtschaften müssen, wollten sich dieses Vorgehen und diese Einstufung nicht bieten lassen. Im November haben sie in einer Gründungsversammlung die Satzung für eine Interessensgemeinschaft (IG) beschlossen. Nun wurde bei einer Videokonferenz die Vorstandschaft gewählt: 1. Vorsitzender Stefan Erbel aus Mailach, 2. Vorsitzender Daniel Blankenbühler aus Fetzelhofen, Schriftführer Thomas Pfeiffer aus Mailach und Kassier Kurt Bierlein aus Vestenbergsgreuth.
Zur Kontrolle der Finanzen wurden als Kassenprüfer Robert Ort aus Dannberg und Stefan Faatz aus Erlau gewählt. Einige Gründungsmitglieder bringen auch Ideen zur Sacharbeit der IG von dem Zusammenschluss LandSchafft Verbindung (LSV) mit ein. Ein Mitgliedsbeitrag von 100 € je Betrieb wurde beschlossen. Die IG wird von der BBV-Hauptgeschäftsstelle Oberfranken in Bamberg durch den Umweltreferenten Dieter Heberlein betreut.
Die IG hat sich zum Ziel gesetzt, sich gegen die Ausweisung von Roten und Gelben Gebieten zu wehren und deutliche Erleichterungen bei der Gebietskulisse und bei den Auflagen der Düngeverordnung zu bewirken. Aktivitäten der IG sind auch erforderlich, da der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) die Maßnahmen der Bundesländer zur Umsetzung der Bundesdüngeverordnung und der Verwaltungsvorschrift zur Gebietsausweisung überprüft hat. Er komme, wie die IG informiert, zum einseitigen Ergebnis, dass die Vorgaben und Ziele der EU-Nitratrichtlinie nicht erfüllt wären.

Das Video erläutert die einzelnen Schritte der Abgrenzung der mit Nitrat belasteten Gebiete (rote Gebiete):

Weiteren Verschärfungen gezielt entgegenwirken

Hier sei es wichtig, betont die IG, vor Ort mit Fachkenntnis die politische und mediale Diskussion zu begleiten. Die IG werde die Einrichtung neuer Wasserrahmenrichtlinien-Messstellen beobachten und die Kulisse der Roten und Gelben Gebiete überprüfen. Sie will sich auch bei der Klärung von Fragen von Gewässerschutz (Phosphatkulisse) und Landwirtschaft und bei der Anhörung zur Neueinstufung der Grundwasserkörper nach der Wasserrahmenrichtlinie beteiligen. Gespräche mit einer Anwaltskanzlei in München zur Einlegung von Rechtsmitteln haben bereits stattgefunden.
Damit die IG auch finanziell handlungsfähig ist, werden die landwirtschaftlichen Betriebe, die in den Roten und Gelben Gebieten im Grundwasserkörper wirtschaften, aufgerufen, sich der IG Sandsteinkeuper Höchstadt-Bamberg anzuschließen. Ansprechpartner ist die BBV-Hauptgeschäftsstelle in Bamberg, Tel. 0951-96517-0. Dort betreut Umweltreferent Dieter Heberlein die IG und die Landwirte, die im Grundwasserkörper Sandsteinkeuper-Höchstadt wirtschaften.
Auf der jüngsten Online-Mitgliederversammlung erläuterte Thomas Pfeiffer Form- und Sachfehler bei der neuen bayerischen Ausführungsverordnung zur Düngeverordnung und Dieter Heberlein stellte den Grundwassersteckbrief für den Grundwasserkörper Sandsteinkeuper-Höchstadt/Aisch mit Messwerten und Stickstoffsalden vor. Bei diesen Stickstoffsalden sei es Aufgabe der IG, die festgestellten Werte zu hinterfragen, da diese nicht immer schlüssig seien, betonte die Interessensgemeinschaft.