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Direktvermarktung

Agrarpolitik auf der Genussmeile

Vor der St. Kilian Kirche rührten die Werbetrommel für das Kreiserntedankfest (von links) Kreisgeschäftsführer Gabriel Lieb, Kreisobmann Michael Bienlein, Kreisbäuerin Marion Warmuth, Fachberater Michael Müller und stellvertretender Kreisobmann Lothar Teuchgräber.
Stephan Stöckel
am Dienstag, 20.09.2022 - 08:04

Der BBV-Kreisverband Lichtenfels stellt zu seinem Kreiserntedankfest am Sonntag, den 25. September, in Bad Staffelstein ganz bewusst keine Sämaschine aus, sondern eine Pflanzenschutzspritze.

Bad Staffelstein/Lks. Lichtenfels  „Derzeit wird darüber nachgedacht, ob man nicht Pflanzenschutzmittel in Schutzgebieten verbieten sollte“, begründete Kreisobmann Michael Bienlein bei einem Pressegespräch die Entscheidung. Man werde den Verbrauchern zeigen, mit welcher Technik man arbeite, klinkte sich Kreisbäuerin Marion Warmuth ein. Man dosiere die Präparate präzise anstatt sie willkürlich auszubringen. „Die Bauern haben sich das Prinzip ‚So viel wie nötig, so wenig wie möglich‘ auf ihre Fahnen geschrieben“, strich Kreisgeschäftsführer Gabriel Lieb heraus. Dieser Grundsatz gelte auch für die Düngung.

Warmuth betonte, dass es den Landwirten darum gehe, Qualität abzuliefern. Selbstverständlich könne man die Pflanzen auch nur minimal versorgen, sagte sie und gab zu bedenken: „Ob ich dann die Qualität für Backweizen erreiche, die Mühlen und Handel vorgeben, das ist der große Unterschied, den wir Bauern zu verantworten haben, wenn unsere Produkte den Anforderungen nicht entsprechen.“

Landwirte stecken in einem Dilemma

Nach Ansicht Bienleins stecke der Landwirt in einem Dilemma. Aufgrund der Ernährungssicherheit soll er den Weizen nicht verfüttern, auf der anderen Seite wolle man ihm das Handwerkszeug zur Erzeugungß hochwertiger Qualität nehmen. „So geht es nicht“, sprach der Kreisobmann den Anwesenden aus der Seele. Nur mit einem wohldosierten Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln lasse sich Qualität erzeugen. Warmuth wies mit Blick auf die vielen Direktvermarkter auf den hohen Selbstversorgungsgrad für die Bevölkerung durch die Landwirtschaft im Landkreis Lichtenfels hin. Damit die heimischen Produkte nicht nur in Hofläden direkt an den Verbraucher verkauft würden, sondern auch in den regionalen Handel gelangten, ergänzte Bienlein, brauche es entsprechende Margen. „Mit drei Zentnern Kartoffeln brauche ich nicht an den Supermarkt herantreten, der jeden Tag Erdäpfel verkaufen möchte“, stellte er klar.

Feier mit den Verbrauchern

Bei der Feier rund um die St. Kilian Kirche mit den Verbrauchern über Themen wie Ernährungssicherheit, Selbstversorgung durch heimische Landwirtschaft, Pflanzenschutzreduzierung und Flächenstilllegung ins Gespräch zu kommen, das ist den Landwirten im Landkreis Lichtenfels ein Herzensanliegen. Diese Themen wurden auch beim Pressegespräch anlässlich des bevorstehenden Kreiserntedankfestes angesprochen. „Der verkaufsoffene Sonntag mit Genussmeile und Erntedankfest soll von 11 biw 17 Uhr dauern“, sagt Warmuth.

Dann haben nicht nur die Geschäfte geöffnet. Direktvermarkter verkaufen regionale Produkte aller Art. Das ergänze sich wunderbar mit dem Kreiserntedankfest in der Kirchgasse, findet Warmuth. Das Erntedankfest beginnt um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst in der St. Kilian Kirche. Danach werden unter anderem das Thelitzer Käsehüttla Milcheis und der Jägerverein Wildschweinbratwürste anbieten. Des Weiteren gibt es Infostände des BBV und des Landwirtschaftsamtes, Aktionen für Kinder und eine Maschinenausstellung.