Entwicklung

Export wird eine Sackgasse

Schlachthof
Helga Gebendorfer
am Dienstag, 09.03.2021 - 14:35

Für Schweinefleisch brachen aufgrund der Afrikanischen Schweinepest Exportmärkte weg. Regionale Märkte gewinnen künftig an Bedeutung.

Es war ein extrem schwieriges Jahr mit vielen Gegensätzen. So lautete die Bilanz von Manfred Lang, Vorsitzender des Fleischerzeugerrings Oberbayern-West (FER) Pfaffenhofen, Abteilung Schweinemast, bei der digitalen Mitgliederversammlung. Lang erinnerte an die Top-Preise für Ferkel und Schlachtschweine am Jahresanfang.
Schweinemäster-Obb-West_sas

Dann veränderte die Corona-Pandemie das Leben: Aus seiner Sicht kam die Landwirtschaft in der Anfangszeit relativ glimpflich davon. Die Bauernfamilien schätzten ihr privilegiertes Leben auf dem Land. „Doch die anerkannte Systemrelevanz brachte der Landwirtschaft nicht viel und ist schnell in Vergessenheit geraten“, betonte er.

Die Covid-Ausbrüche in den Schlachtbetrieben im Sommer führten zu einem Schweinestau und es war deutlich zu spüren, wie labil dieses System ist. Mit dem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest (ASP) Anfang September war das Chaos perfekt, denn nun fielen zusätzlich die Exportmärkte weg.

Regionale Märkte und Premiumprodukte

„Das exportorientierte Arbeiten wird eine Sackgasse“, war Lang überzeugt. China und Russland bauen selbst ihre Bestände auf, und die politischen Regelungen führen hierzulande zu immer weiteren Auflagen. Damit ist die bayerische und deutsche Produktion zu teuer, um für den Weltmarkt zu produzieren. „Deshalb müssen wir regionale Märkte gewinnen und unser Erzeugnis als Premiumprodukt vermarkten.“ Parallel dazu sei es Aufgabe, die Produktion stetig zu verbessern. „Dabei gibt der FER Hilfestellung. Nehmen Sie ihn in Anspruch“, forderte er seine Kollegen auf.
FER-Vorsitzender Siegfried Ederer begrüßte die Solidarität in der Schweinebranche und zeigte sich überzeugt, dass sich in der schwierigen Zeit die direkten Verbindungen zwischen Ferkelerzeuger und Mäster bewährt haben. Gleichzeitig bedauerte er, dass sich der Lebensmitteleinzelhandel seiner Verantwortung nicht bewusst geworden ist. Ederer ging davon aus, dass die Tierbestände in der Zukunft weiter zurückgehen werden.
Die Leistungsergebnisse in Oberbayern-West vom Wirtschaftsjahr 2019/2020 stellte Josef Angermeier vom Fachzentrum für Schweinezucht und -haltung Töging vor. Demnach wurden 176 416 (–4815) Mastschweine von 79 (–10) Betrieben geprüft. Die täglichen Zunahmen stiegen um 25 g von 796 g auf 821 g. Mit direktkostenfreien Leistungen pro Mastschwein in Höhe von 45,20 € lag die Wirtschaftlichkeit weit an der Spitze der zehn Vergleichsjahre mit durchschnittlich 24,90 €. „Gegenüber dem Vorjahr ist ein Plus von 17,90 € zu verzeichnen“, rechnete Angermeier vor. „Leider haben die Auswirkungen von Corona und ASP das Finanzpolster rasch wieder zum Schmelzen gebracht“, gab er zu bedenken.
Nach seinen Informationen hat sich in den letzten zehn Jahren die Futterverwertung von 2,96 kg auf 2,86 kg Futter je kg Zuwachs verbessert. Die Futterkosten je Mastschwein lagen mit 58,50 € auf dem gleichen Niveau wie damals, aber um 3,30 € niedriger als im Vorjahr. Mit 2,08 € je kg Lebendgewicht war der Erlös um 0,38 € höher als im Vorjahr.
Mastschwein

Die Rahmenbedingungen zwingen die Landwirte zu effizienter Arbeit. „Dabei birgt jeder einzelne Betrieb Chancen, diese zu steigern“, so Angermeier. Den größten Hebel erzielen dabei höhere Tageszunahmen, Verbesserung der Futterverwertung oder -verluste sowie Erlös je kg Lebendgewicht. Weiter folgen Heizung in der Vormast, bayerische Genetik, Getreidereinigung, grundsätzliche Futteranalyse, Mehrphasenfütterung und Fütterungstechnik mit Sensor.

Über Perspektiven auf dem Schweinemarkt sprach Franz Beringer, EG Südbayern. „2020 war von Höhen und Tiefen geprägt“, fasste er zusammen. Viele Kapazitäten konnten nicht genutzt werden, was in Deutschland zu einem enormen Schweinestau führte. „Im Moment ist eine leicht Entspannung zu spüren“, berichtete er.

Initiative Tierwohl: Produktion der Zukunft

Beim Blick in die Zukunft zeigte Beringer auf, dass es zwar die konventionelle Schweinemast nach wie vor geben wird, diese für den heimischen Markt jedoch deutlich schwinden wird. Im Gegenzug dazu wird die Initiative Tierwohl mit bis zu zwei Drittel die größte Marktbedeutung in der inländischen Schweineproduktion bekommen. „Deshalb sollte sich jeder Betrieb mit den notwendigen Fensterflächen damit auseinandersetzen“, empfahl er den Zuhörern.
Wie die Schweinemäster die neuen Herausforderungen für sich nutzen können, zeigte in seinem Vortrag Dr. Stephan Schneider von der Landesanstalt für Landwirtschaft auf.