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Energieversorgung

Biomasse: Höhere Marktprämie gefordert

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 25.08.2022 - 18:03

Laut Totschnig und Gewessler besteht Gassicherheit für systemrelevante Betriebe. Biomasseverband sieht indes Verbesserungsbedarf.

Die Bundesregierung bereitet sich auf alle Eventualitäten bei der Versorgung mit Erdgas vor. Diesen Eindruck versuchten zumindest Agrarminister Norbert Totschnig (ÖVP) und Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) bei ihrer gemeinsamen Wanderung während des Alpbach-Forums zu vermitteln. Doch der Biomasse-Verband Österreich sieht noch Verbesserungsbedarf.

Energiesicherheit für systemrelevante Betriebe habe daher höchste Priorität, die Produktion von Lebensmitteln gehöre natürlich dazu, stellte Totschnig klar. Für Bundesklimaschutzministerin Gewessler gilt daher der Grundsatz „Brot vor Stahl“. Sie appellierte, Energie einzusparen, wo immer dies möglich sei. Auch der Ersatz von Erdgas durch andere Energiequellen sei ein wichtiger Hebel, um das Speicherziel zu erreichen und für den Notfall gerüstet zu sein. „So können wir private Haushalte und systemrelevante Betriebe – wie etwa die Lebensmittelversorgung – am besten schützen“, betonte Gewessler.

Hackschnitzel-biomasse

„Wir werden als Bundesregierung weiterhin alles Notwendige unternehmen, damit sich die Menschen keine Sorgen darüber machen müssen, ob ihre Wohnungen im Winter warm sein werden. Auch die Lebensmittelversorgung ist gesichert“, versichern Gewessler und Totschnig.

Biomasse-Verband fordert höhere Marktprämie

Verbesserungsbedarf bei der Nutzung von Biomasse zur Energieerzeugung sieht indes Oberösterreichs Agrarlandesrätin Michaela Langer-Weninger. Viele Landwirte würden auch gerne Wärme und Strom in Biomasse- oder Biogas-Anlagen für die Bevölkerung zur Verfügung stellen. Einzig die gesetzlichen Grundlagen dafür fehlen aus Ihrer Sicht. „Das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz ist zwar beschlossen, es mangelt aber immer noch an einer zentralen Verordnung zur Umsetzung der EAG-Ziele, der Marktprämienverordnung“, so Langer-Weninger.

Fehlende Rechtssicherheit beklagt

Ohne die EAG-Marktprämienverordnung fehlt es vielen bäuerlichen Energie-Erzeugern und Klein-Kraftwerksbetreibern an der Rechtssicherheit für den Bau und Betrieb einer Biomasse- bzw. Biogas-Anlage. Christoph Pfemeter vom Biomasse-Verband Österreich fordert daher, dass die im Entwurf festgesetzte Mindestvergütung an die erhöhten Bau- und Investitionskosten angepasst werden muss. „Die Investitionskosten haben sich bei kleinen Anlagen um bis zu 40 Prozent erhöht, das muss sich auch in der Marktprämienverordnung widerspiegeln“, so der Experte. Die Marktprämie garantiert einen Mindestabnahmepreis. Liegt dieser unter den Erzeugungskosten für Strom, müssen voll funktionsfähige Anlagen bei fallendem Strompreis abschalten. Gerade kleine Stromproduzenten brauchen diese Absicherung, um überhaupt investieren zu können, so der Biomasse-Verband. „Eine Erhöhung der Marktprämie von 10 bis 15 %, also deutlich über 2 Cent/kWh, würde hier schon ausreichen,“ ist sich Pfemeter sicher.

Gewessler soll zügig handeln

Langer-Weninger fordert daher Energieministerin Gewessler auf, die gesetzlichen Grundlagen zum Ausbau der erneuerbaren Energien rasch fertigzustellen. Nur so könne sich Österreich von der Abhängigkeit vom Russengas lösen und das Land klimaneutral und energieautark werden.

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