Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Nachfrage

Bayerische Spargelsaison verläuft enttäuschend

Spargel auf einem Wochenmarkt
Ludwiga Friedl, Helga Gebendorfer, Philipp Seitz
am Donnerstag, 09.06.2022 - 13:23

Vielerorts im Freistaat bleibt die Nachfrage nach dem Edelgemüse weit hinter den Erwartungen. Das trifft die Erzeuger besonders hart.

München Die Spargelsaison neigt sich dem Ende entgegen – und ist dieses Jahr schleppend verlaufen. Vielerorts bleibt die Nachfrage nach dem „weißen Gold“ spürbar hinter den Erwartungen zurück, etwa im Schrobenhausener Anbaugebiet. Oft gab es bisher große Umsatzeinbußen: Im Schnitt lagen diese bei 10 bis 15 Prozent, sagt Claudia Westner, die Vorsitzende des Spargelerzeugerverbandes Südbayern. Das macht den Erzeugern zu schaffen: Für sie bedeuten das weniger Einnahmen bei steigenden Kosten. Die Gründe für die sinkende Nachfrage sind vielfältig. „Die Saison startete zu früh mit zu viel Spargel, was nicht gut ist, weil im März die wenigsten Verbraucher schon an Spargel denken.“

bild_prucklmayer-2_1735

Der 2. Vorsitzende der Erzeugergemeinschaft Abensberger Qualitätsspargel, Andreas Prücklmayer aus Siegenburg im Landkreis Kelheim, bestätigt das. Er sei zufrieden mit der Ab-Hof-Nachfrage auf seinem Betrieb, sagt Prücklmayer, doch im Lebensmitteleinzelhandel sei ein extremer Preisdruck zu spüren. Die großen Erntemengen, die durch die günstige Witterung produziert wurden, seien schwer abzusetzen. „Die Verbraucher reagieren mit Zurückhaltung, obwohl die vermeintlich teureren Preise sogar unter dem Vorjahresniveau liegen.“ Angesichts gestiegener Betriebsmittelkosten und Erhöhung des Mindestlohns um 20 Prozent geht Prücklmayer davon aus, dass nächstes Jahr einige Betriebe massiv reduzieren. Auf seinem „überschaubaren“ Betrieb mit 7 ha Spargelfläche werde sich voraussichtlich aber nicht viel ändern, sagt er.

Während die Nachfrage über den Einzelhandel ein „bisschen mau“ gewesen sei, seien die Direktvermarkter recht zufrieden, bestätigt Miriam Adel, die Vorsitzende des Spargel-Erzeugerverbandes Franken. Natürlich hatten auch sie mit einem starken Anstieg der Betriebskosten zu kämpfen: Diesel, Strom, Dünger, alles ist teurer geworden. Allein die Mindestlöhne seien gegenüber dem letzten Jahr erneut gestiegen. Deshalb war der Spargelpreis höher als letztes Jahr in die Saison gestartet.

Auf niedrigem Niveau stabilisiert

Seit Ende April wuchs viel Spargel, entsprechend fiel der Preis und stabilisierte sich auf niedrigem Niveau, sagt auch Adel. Weil die Kühlhäuser voll waren, werden die frühen Sorten schon nicht mehr gestochen. Zeitgleich sei infolge des kühleren Wetters weniger gewachsen.

Spargel_1_LF

Gerd Göbel, der Seniorchef des Spargelhofes Göbel aus Hirschfeld im Landkreis Schweinfurt, steht jeden Dienstag mit seinem „Büsle“ am Massbacher Marktplatz (Lks. Bad Kissingen) und verkauft Spargel und Erdbeeren – von 9 bis 11 Uhr, manchmal ist er auch schon früher ausverkauft. Eine gewisse Kaufzurückhaltung sei heuer schon zu sehen. „Wer letztes Jahr drei Pfund auf einmal gekauft hat, kauft heuer nur zwei.“ Deshalb seien die Preise reduziert worden. Der Bio-Spargel kostete hier Anfang Juni 4 (Bruchspargel) bis 6 €/ Pfund (Babyspargel), die Erdbeeren 3 € pro 500g-Schale.

Er selbst sei mit der Saison bislang zufrieden, sagt Göbel. Doch nicht alle Erzeuger sehen die aktuelle Saison so positiv. Etwas Zeit bleibt nun noch bis Ende Juni. Für Claudia Westner steht indes fest: „Spargel soll vom Edel-Ramsch wieder zum Edel-Gemüse werden!“