Gentechnisch veränderte Pflanzen

Züchtungsmethoden nicht so einfach unterscheidbar

PCR
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 09.09.2020 - 11:55

Können Erbgutveränderung mittels sogenannter Neuer Züchtungstechnologien nachgewiesen werden? Es bestehen massive Zweifel.

Der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) und Greenpeace behaupten, dass eine Open-Source-Methode gefunden wurde, mit der eine Erbgutveränderung mittels sogenannter Neuer Züchtungstechnologien nachgewiesen werden kann.

Das sehen Politiker und Wissenschaftler aber anders. Der zuständige Berichterstatter der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag Kees de Vries meint dazu: "Es wird hier ganz klar mit den Verbraucherinnen und Verbrauchern, aber auch mit der Wissenschaft gespielt." Es solle der Eindruck entstehen, dass eine einfache Möglichkeit zur Unterscheidung der Züchtungsmethoden vorhanden sei und die Politik diese blockiere. "Das ist mitnichten so, ganz im Gegenteil. Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace und leider auch Abgeordnete aus den Reihen von Bündnis90/Die Grünen verweigern wissenschaftlichen Forschungsergebnissen im biotechnischen Bereich die Anerkennung. Über große Medienkampagnen versuchen sie nun, den Verbrauchern ein anderes Bild aufzudrängen", so de Vries. 

Sein Parteikollege Albert Stegemann weist daruf hin, dass es bislang kein wissenschaftlich valides Verfahren gibt, das in der Lage wäre, gerichtsfest zu unterscheiden, ob eine Mutation von Nutzpflanzen durch solche Neuen Züchtungsmethoden oder durch herkömmliche Verfahren – beispielsweise die somaklonale Variation – erzeugt wurde. Das habe das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) bestätigt.

Nachweis einer Mutation sagt noch nichts über deren Ursache aus

Auch von wissenschaftlicher Seite gibt es Einwände: So zitiert die Süddeutsche Zeitung in der heutigen Ausgabe Jens Boch vom Institut für Pflanzengenetik an der Universität Hannover mit der Aussage, dass es überhaupt nichts Neues sei, Pflanzen mithilfe einer quantitativen PCR anhand von Punktmutation zu unterscheiden. Viel wichtiger als die Frage nach der Neuartigkeit des Nachweises sei seine Aussagekraft. Wenn ein Raps eine konkrete Mutation enthalte, könne diese durch Gen Editing entstanden sein, sie könne aber genauso natürlich oder durch andere Zuchtmethoden entstanden sein.