Wolfsmanagement

Wolfsrisse und Sichtungen: Ruhe kehrt keine ein

Wolfsriss Bergen Plakat
Barbara Höfler
am Freitag, 19.11.2021 - 07:34

Nach den Wolfsrissen in Traunstein und der Sichtung in Brannenburg: Die Landwirte wollen jetzt Lösungen.

Bergen/Lks. Traunstein Stefan und Monika Rappl aus Bergen haben dieser Tage viel Besuch. Almbauer, Lokalpolitiker, Jäger und besorgte Landwirte kommen, um über das Thema zu reden, das die ganze Region beherrscht: Wie geht es weiter mit dem Wolf?
Ende Oktober riss ein Wolf fünf Bergschafe der Rappls, ein sechstes tauchte nicht mehr auf. Kurz danach bestätigte das Landesamt für Umwelt (LfU) den Riss jeweils eines Schafes in Reichenhall und Aufham-Anger, Lks. Berchtesgadener Land, durch einen Wolf. Ob es derselbe war, wird derzeit untersucht. Dienstagnacht filmten Bauern im 40 km entfernten Brannenburg, Lks. Rosenheim, wie ein Wolf durch ihren Hof lief. Für Monika Rappl ist das alles „unglaublich“. Für sie steht fest: „Wir brauchen jetzt eine Lösung!“

Schafe sind auch sschützenwerte Tiere

Stefan Schneider, grüner Bürgermeister von Bergen, wohnt 300 m Luftlinie von der Weide entfernt, auf der der Riss passierte. Er befürwortet den Antrag auf Abschussgenehmigung, den der Verband der Forstberechtigten im Chiemgau stellte. „Wenn sich herausstellt, dass die Risse von einem Wolf stammen, der sich auf Nutztiere spezialisiert, bin ich für die Entnahme“, sagte er dem Wochenblatt. Ein Schaf sei auch ein schützenswertes Tier.

Monika Rappl hätte sich gewünscht, dass die Gemeinde zusätzlich eine Abschussgenehmigung beantragt. Sie erhofft sich dadurch mehr Druck auf die Landespolitik. „Eine Abschussgenehmigung zu beantragen, ist aber nicht Aufgabe der Gemeinde“, sagt dazu der 2. Bürgermeister Josef Gehmacher (CSU). „Unsere Aufgabe ist es, die Bevölkerung zu sensibilisieren und über den Wolf zu informieren.“ Gehmacher will sich „für sachliche Aufklärung“ einsetzen. Sein Credo: „Für Wolf zusammen mit der Landwirtschaft ist bei uns kein Platz.“

Heftige Briefe von Wolfbefürwortern

Sollte die Abschussgenehmigung bewilligt werden, sind die Probleme aber noch nicht gelöst. „Wenn der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen wird, ist er noch längst nicht erschossen“, sagt Hubert Hasselberger, Jagdpächter im Gebiet um Siegsdorf, wo ein Wolf im Februar 2021 Schafe riss. Ihn zu erwischen sei äußerst schwierig. Treib- und Drückjagden seien zum Schutz der Jagdhunde keine Möglichkeit.

Und ein zweiter Faktor kommt dazu: Nachdem Hasselberger sich Anfang des Jahres in den Medien gegen den Wolf positioniert hatte, habe er „heftige Briefe“ von Wolfbefürwortern bekommen, die er aufgrund der Schwere der Vorwürfe der Polizei weitergeleitet habe, sagt er. Komme die Abschussgenehmigung, hätten die Jäger „den schwarzen Peter“.