Tierschutz

Wolfsgeheule in der Politik

Josef Koch
Josef Koch
am Mittwoch, 18.08.2021 - 14:45

Für ihre Aussage zum Wolfsabschuss erntet Bundesagrarministerin Julia Klöckner von SPD und Grünen Hohn und Spott.

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Mit Erstaunen reagiert Mecklenburg-Vorpommerns Agrar- und Umweltminister Dr. Till Backhaus (SPD) auf einen Vorstoß seiner Berliner Amtskollegin Julia Klöckner (CDU). Die Bundeslandwirtschaftsministerin hatte sich gegenüber der Presse für eine lokale Bejagung von Wölfen ausgesprochen. Backhaus prognostiziert ihr auch keine Schlagerkarriere. „Wenn eine Ministerin mit den Wölfen heult, um Stimmen zu fangen, wird das noch lange kein Lied und bestimmt kein Hit,“ ist Backhaus überzeugt.

Der SPD-Agrarminister, nach seinen Worten „im schönsten Bundesland Deutschlands“, ist verblüfft, dass sich die Ministerin nun im Wahlkampf mit einer Forderung hervorzutun versucht, von der sie weiß, dass es dafür keine Rechtsgrundlage gibt. Laut Backhaus gab es genug gemeinsame Konferenzen zum Thema Wolf. So könnte die Ministerin also wissen, dass der Wolf eine nach EU-Recht streng geschützte Art ist, für die der sogenannte günstige Erhaltungszustand nicht erreicht ist. Erst wenn dieser günstige Erhaltungszustand von Brüssel attestiert werde, könne es Maßnahmen zum Bestandsmanagement geben. „Ich habe Frau Klöckner mehrfach darum gebeten, sich bei der EU dafür einzusetzen – Ergebnis Null“, beklagt Backhaus.

Bundeslandwirtschaftsministerin

Nur in einem Punkt gibt Backhaus Julia Klöckner Recht: Der Wolf setzt die Weidetierhaltung unter Druck. Deswegen hat Mecklenburg-Vorpommern (MV) frühzeitig Maßnahmen getroffen, die Tierhalter zu unterstützen. „Wir führen Beratungen durch, entschädigen bei Wolfsrissen und fördern Schutzmaßnahmen wie Weidezäune. Auch haben wir darauf hingewirkt, dass das Bundesnaturschutzgesetz geändert wird“, so Backhaus. Fällt ein Wolf dadurch auf, dass er wiederholt Herdenschutzmaßnahmen überwindet und Tiere tötet, darf er geschossen werden.

„Das war eine Initiative aus MV und keine Idee der Ministerin,“ stellt der SPD-Minister klar. Ebenso habe MV einen Praxisleitfaden Wolf entwickelt, der bundesweit Rechtssicherheit für Behörden schafft zur Entnahme von auffälligen Wölfen. Bisher haben ihn die Umweltminister der Länder aber nicht einstimmig beschlossen.

Backhaus erinnert Klöckner daran, dass die Landkreise der Bundesländer für den Artenschutz zuständig sind. Die Entscheidung zur Entnahme von Wölfen liegt damit in der Hand der Landräte – auch im Ostteil des Landes.  

Künast: Klöckner lenkt vom eigenen Versagen ab

Künast-Renate-Bündnis90-Die Grünen

Kritik kommt auch aus den Reihen der Grünen. "Ministerin Klöckner lenkt einmal mehr vom eigenen Versagen in der Agrarpolitik ab. Sie selbst und die Union hatten stets verhindert, die Situation der Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter zu verbessern“, so Renate Künast, tierschutzpolitische Sprecherin Bündnis90/Die Grünen. Deutschland hätte längst eine nationale Weidetierprämie einführen können, um die die wirtschaftliche Situation etwa von Schafhalterinnen und -halter zu stärken.

Ministerin Klöckner betreibt laut Künast durchsichtige populistisch Politik auf Kosten des Naturschutzes. Wolfsabschüsse sind heute nur per Ausnahmegenehmigung auf Grund enger Kriterien nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§45 BNatschG) zulässig. Der Wolf genießt einen strengen Schutz. Um Konflikte zu minimieren, setzen die Grünen auf gute und auch vorsorgende Herdenschutzmaßnahmen und eine Weidetierprämie.

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