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Wolfsmanagement

Der Wolf wandert in die Ausschüsse

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 30.09.2022 - 15:13

Ampelfraktionen lehnen eine Sofortabstimmung zum Unionsantrag zu leichteren Wolfsentnahme ab.

Beutegreifer

In Sachen Wolf trennen CDU/CSU und SPD sowie Bündnisgrüne weiter Welten. Das ist bei der Beratung des Antrags der Unionsfraktion zum Wolfsmanagement am Donnerstag (29.9.) im Bundestag erneut deutlich geworden. Eine Sofortabstimmung haben die Koalitionsfraktionen abgeblockt.

Stattdessen haben sie den Antrag in den Umweltausschuss und den Ernährungsausschuss überwiesen. In ihrem Antrag fordern CDU und CSU vereinfachte Möglichkeiten für eine rechtssichere Wolfsentnahme und die Erlaubnis für die Landesbehörden, eine spezifizierte Anzahl von Wölfen zu töten.

In Arealen, in denen ein effektiver Herdenschutz technisch und zu vertretbaren Kosten nicht umzusetzen ist, sollten laut Union wolfsfreie Zonen definiert werden. Hierzu zählten vor allem die beweideten Küsten- und Hochwasserdeiche sowie der Alpenbogen. Angemahnt werden zudem die Aufnahme des Wolfes in den Katalog der jagdbaren Arten sowie eine Vereinfachung der Entschädigungsverfahren bei Rissen.
 

CDU spricht von rot-grünen Träumereien

Der CDU-Abgeordnete Klaus Mack wies in der Aussprache darauf hin, dass 2020 durch Wolfsangriffe rund 4000 Weidetiere getötet worden seien. Die Präventionsmaßnahmen seien eben nicht immer wirksam. Die Weidetierhaltung sei vielerorts ernsthaft bedroht. „Mit ihren grün-roten Träumereien und einer völlig falschen Romantisierung des Wolfes setzen Sie den Erhalt unserer Kulturlandschaft aufs Spiel“, warf Mack der SPD und den Grünen vor.

Dagegen hielt die SPD-Abgeordnete Dr. Lina Seitzl, dass das Gesamtbild des Bestandes immer noch nicht gut genug sei, „um Wölfe einfach so abschießen zu können“. Gebraucht werde eine regelmäßige Überprüfung der Situation und in Einzelfällen auch die Entnahme von Einzeltieren gemäß des Bundesnaturschutzgesetzes und der EU-Regelungen. „Was wir definitiv nicht brauchen, sind populistische Forderungen“, so Seitzl. Allerdings hatte SPD-Umweltminister Olaf Lies zuvor bestätigt, dass in Niedersachsen aus seiner Sicht der gute Erhaltungszustand des Wolfe bei 400 Tieren erreicht ist. Er fordert eine Abschussquote von 10%.
 

Liberale wollen Lockerungen

Der grüne Abgeordnete Harald Ebner warf der Union ebenfalls Populismus vor. CDU und CSU schürten Ängste. Das Mantra „der Wolf ins Jagdrecht“ werde durch ständige Wiederholung nicht praktikabler; vielmehr würden bei Umsetzung durch das Kompetenzwirrwarr schnelle Entnahmen erschwert, sagte Ebner. Und die Jäger hätten Besseres zu tun, als noch den Abschuss von Wölfen übergestülpt zu bekommen.

Ulrike Harzer von der FDP kündigte an, dass die Koalition den Ländern ein regional differenziertes Bestandsmanagement ermöglichen werde. Diese Maßnahmen seien aber wohlüberlegt umzusetzen, denn sie müssten im Einklang mit den schwierigen Rahmenbedingungen des EU-Rechts stehen.
 

Union lehnte AfD-Antrag dazu ab

Derweil beklagte Linke-Agrarsprecherin Ina Latendorf, dass es den Schäfern auch ohne Wolf nicht besonders gut gehe. Selbstausbeutung sei an der Tagesordnung, Stundenlöhne von 6 Euro keine Ausnahme. Die Regierung müsse endlich in der Weidetierhaltung für soziale und ökologische Gerechtigkeit sorgen, forderte Latendorf.

Der AfD-Abgeordnete Frank Rinck stellte an die CDU die Frage, warum sie vor wenigen Monaten den Antrag seiner Fraktion abgelehnt und nun weite Teile davon übernommen habe. Rinck warnte, der Wolf gefährde nicht nur Nutztiere, sondern auch den Hochwasserschutz und den Tourismus.

Mit Material von AgE
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