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Umweltministerkonferenz

Wolf: Umweltminister segnen Leitfaden ab

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 26.11.2021 - 09:04

Praxisleitfaden soll einheitliches Vorgehen beim Herdenschutz und bei Wolfentnahme ermöglichen.

Wolfsrudel

Bereits vor Beginn der Umweltministerkonferenz (UMK) haben sich die Bundesländer im Umlaufverfahren auf den Praxisleitfaden Wolf geeinigt. Das gab Till Backhaus, Agrar- und Umweltminister in Mecklenburg-Vorpommern bekannt. Alle 16 Bundesländer und der Bund haben somit einen Praxisleitfaden, um artenschutzrechtliche Ausnahmen beim Wolf nach dem Bundesnaturschutzgesetz zu erteilen. Laut Backhaus gibt der Leitfaden klar und rechtssicher vor, unter welchen Voraussetzungen ein Wolf getötet werden darf.

Daneben gibt der Praxisleitfaden klare Hinweise zum Herdenschutz sowie zur Vorbereitung und Durchführung von Entnahmen. Zum Beispiel empfiehlt er zum Schutz von Schafen und Ziegen mobile Zaunanlagen mit mindestens 120 cm Höhe, straff gespannt und bodenbündiger Abschluss (Netzzaun) bzw. unterster Draht/Litze bei max. 20 cm. Niedrigere Netzzäune (≥ 90 cm) können durch eine zusätzliche oder integrierte Breitbandlitze auf 120 cm Höhe aufgestockt werden; alternativ können sie auch in Kombination mit Herdenschutzhunden eingesetzt werden. Draht-/Litzenzäune sollten aus mindestens fünf Drähten/Litzen bestehen, im Abstand vom Boden 20, 40, 60, 90, 120 cm.

Sofern dies im Einzelfall sinnvoll und zumutbar ist, kann es laut Leitfaden sinnvoll sein, zusätzlich einfache optische (zum Beispiel Flatterband) und akustische Abschreckungsmaßnahmen wie Glöckchen durchzuführen. Optische und akustische Abschreckungsmaßnahmen wirken aufgrund von Gewöhnungseffekten jedoch nur kurzfristig, schränkt der Leitfaden ein.

Wolf spaziert über den Hof

Einheitliche Regeln bei Wolfsrissen

Das Papier soll aber auch für die zuständigen Behörden eine wichtige Hilfestellung beim weiteren Umgang mit dieser streng geschützten Art sein. „Auch betroffene Tierhalter – insbesondere Schaf- und Ziegenhalter – halten nun ein Papier in den Händen, dass zum Beispiel das Vorgehen im Falle eines Nutztierrisses transparent und bundesweit einheitlich regelt“, führt Backhaus aus.

Bei der vergangenen UMK im April hatten einige Bundesländer, unter anderem Sachsen-Anhalt, noch grundsätzliche Vorbehalte geäußert, die inzwischen ausgeräumt werden konnten. Strittige Punkte hätten sich unter anderem aus der unterschiedlichen Betroffenheit der Länder beim Thema Wolf ergeben. Backhaus geht aber davon aus, dass sich auf kurz oder lang jedes Bundesland mit der Problematik; das heißt mit der Populationsentwicklung, der Frage nach dem günstigen Erhaltungszustand und damit auch mit der Bestandsregulierung auseinandersetzen muss.

Rund 30 Wölfe in Bayern, über 100 in Mecklenburg-Vorpommern

Das Wolfvorkommen in Deutschland konzentriert sich weiterhin hauptsächlich auf das Gebiet von der sächsischen Lausitz in nordwestliche Richtung über Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen. Weitere territoriale Einzelvorkommen sind aktuell für die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen nachgewiesen.

Nach dem Bericht des bayerischen Umweltministeriums sind im aktuellen Wolfsjahr in Bayern vier Rudel, ein standorttreues Paar und 4 standorttreue Einzeltiere, also insgesamt etwa 30 Wölfe, unterwegs.

Zum Abschluss des Monitoringjahres 2020/2021 (1. Mai bis zum 30. April) geht das Umweltministerium für Mecklenburg-Vorpommern dagegen von 15 Rudeln, 6 Paaren und 3 territorialen Einzeltieren aus, also über 100 Wölfe. Backhaus wies aber darauf hin, dass eine hundertprozentig verlässliche Angabe zur tatsächlichen Anzahl der Wölfe in Mecklenburg-Vorpommern nicht möglich sei, da dazu sowohl Wanderbewegungen als auch natürliche und nicht natürliche tödliche Abgänge bekannt sein müssten.

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