Tierwohl

Wolf: Tirol beschließt schnellere Entnahme

Josef Koch
Josef Koch
am Montag, 12.07.2021 - 07:00

Landtag ändert Alm- und Jagdgesetz, um Wölfe und Bären schneller entnehmen zu können. Die Opposition kritisiert Köstingers Ankündigungen.

Wolfsrudel-Wolf

Der Tiroler Landtag hat am vergangenen Donnerstag (8.7.) mehrheitlich einen Dringlichkeitsantrag zur Änderung des Tiroler Alm- und Jagdgesetzes beschlossen. Danach sind Verfahren zur Entnahme eines verhaltensauffälligen Wolfs oder Bären zu beschleunigen.

Darüber hinaus ermöglicht das neue Tiroler Wolfsmanagement bei Vorliegen eines Rissgeschehens erstmals eine möglichst rasche, fachlich kompetente Feststellung der Verhaltensauffälligkeit eines großen Beutegreifers durch ein fünfköpfiges Fachkuratorium. Dieses Gremium empfiehlt auch die zu treffende Maßnahme, die gerade in Weideschutzgebieten die Entnahme eines Problemtieres bedeuten wird.

"In Tirol geht es um die Zukunft der Almwirtschaft. Wir reizen auf Basis von Gutachten alle rechtlichen Spielräume aus und gehen einen neuen Weg im Wolfsmanagement. Mit diesem Maßnahmenkatalog sind wir weiter als alle anderen österreichischen Bundesländer und auch als Südtirol. Wir setzen um, was möglich ist, um die Tiere unserer Bauern zu schützen. Im Umgang mit Problemwölfen gibt es nun einen Maßnahmenplan, der bis hin zur Entnahme reicht. Damit bieten wir den betroffenen Bauern und Almen eine Perspektive", ist sich LH-Stellvertreter Josef Geisler sicher.
 

Sechs verschiedene Wölfe und drei Bären unterwegs

Darüber hinaus wurde das öffentliche Interesse an der nachhaltigen Bewirtschaftung der Almen und die Ausweisung von Alpschutzgebieten, in denen kein Herdenschutz möglich ist, im Almschutzgesetz ausdrücklich festgeschrieben. Zudem wird der Anspruch auf Entschädigungen für Schäden an Nutztieren durch Beutegreifer gesetzlich festgeschrieben. In Tirol werden nicht nur getötete Tiere entschädigt, sondern es gibt auch einen Entschädigungsanspruch für verletzte Tiere und deren Behandlung sowie für aufgrund der Präsenz eines Beutegreifers vermisste Tiere. Dort, wo es möglich ist, werden Maßnahmen zum Herdenschutz weitergeführt und ausgebaut.

Sechs verschiedene Wölfe, allesamt männlich und aus der italienischen Population, wurden im heurigen Jahr in Tirol genetisch nachgewiesen. In zahlreichen Fällen steht das Ergebnis der Genotypisierung, also der Bestimmung des Individuums, noch aus. Es ist auch davon auszugehen, dass sich aktuell drei Bären in Tirol aufhalten, zwei im Tiroler Oberland und einer in Osttirol.

Den Behörden wurden bislang rund 200 tote Schafe gemeldet, die zu einem Großteil bereits genetisch bestätigt einem großen Beutegreifer zuzuordnen sind. Dazu kommen noch rund 100 abgängige Tiere, teilt die Landesregierung mit. Auffallend ist, dass Bären für ein Viertel der Risse verantwortlich sein dürften.

Köstinger wirbt für Entnahme von Problemwölfen

Laut Bundeslandwirtschaftsministerium sind seit Beginn der Almsaison 2021 heimische Landwirte mit zunehmenden Wolfsrissen konfrontiert. Vor allem die Bundesländer Tirol und Salzburg sind stark betroffen, zuletzt auch die Steiermark und Kärnten. Insgesamt wurden heuer schon mehr als 200 Tiere, hauptsächlich Schafe, von Wölfen gerissen. Zum Vergleich: In der gesamten Almsaison 2020 waren es knapp 300 nachgewiesene Risse. "Wenn jetzt nicht gehandelt wird und Problemwölfe entnommen werden, können die heimischen Almen bald nicht mehr bewirtschaftet werden", betont Bundesministerin Elisabeth Köstinger.

Der "viel zitierte Herdenschutz" ist nach Köstingers Meinung aufgrund des steilen und unwegsamen Geländes sowie aufgrund der meist kleinen Betriebsstrukturen vielerorts nicht möglich beziehungsweise mit einem unverhältnismäßigen Aufwand verbunden. Das betreffe insbesondere das Zäunen von Almen. "Errichtete Zäune bieten keinen vollständigen Schutz der Herden, sie werden häufig von Wölfen einfach übersprungen. Der Einsatz von Herdenschutzhunden ist in den touristisch genutzten Regionen Österreichs ebenfalls keine praktikable Option", gibt die Ministerin zu bedenken.

Das vom BMLRT initiierte Österreichzentrum Wolf, Bär, Luchs unterstützt die betroffenen Almbauern nach einem Rissereignis mit sogenannten Notfallteams. Dabei geht es um die Bergung von toten und verletzten Tieren, das Zusammentreiben der versprengten Tiere, die Errichtung eines Nachtpferchs etc. Die Notfallteams sind meist binnen kürzester Zeit vor Ort.

FPÖ: Durchschaubare PR-Aktionen

Der FPÖ-Abgeordnete Gerald Hauser ist jedoch von Köstingers Ankündigung nicht überzeugt. Wahrscheinlich werde sich auch diese Forderung nach dem Abschuss von Problemwölfen im Endeffekt nur als heiße Luft entpuppen,"mutmaßt Hauser.

Seit zwei Jahren bringt die FPÖ laut Hauser im Parlament Anträge zur Reduktion des Schutzstatus des Wolfes ein, aber diese Anträge würden immer wieder von der ÖVP abgelehnt. "Wenn wir im Nationalrat laufend Anträge zur Änderung des Wolfschutzstatus durch die Rückstufung von Anhang 4 auf Anhang 5 in der FFH Richtlinie einbringen und die ÖVP permanent gegen eine solche sinnvolle Vorgangsweise stimmt, dann kann man derartige ÖVP-Ankündigungen einfach keinen Glauben mehr schenken" so Hauser.

„Die Almbauern brauchen keine schön klingenden Beruhigungspillen und durchschaubare mediale PR-Aktionen vonseiten der ÖVP vor der Sommerpause des Nationalrates mehr, sondern endlich Taten.“

Mit Material von aiz
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