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Reaktionen

Wolf: Schutzstatus sorgt für Streit

Wolf
Philipp Seitz
Philipp Seitz
am Donnerstag, 23.06.2022 - 14:41

Die Bayerische Staatsregierung drängt auf einen gelockerten Schutzstatus. Doch noch gibt es einige Hürden. Der Bund Naturschutz kritisiert die Forderungen.

München Bayern fordert, dass der Schutzstatus des Wolfs zurückgefahren werden soll. So sollen die Alm- und Bergbauern geschützt werden. Das machten Umweltminister Thorsten Glauber (FW) und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) nach einer Kabinettssitzung im oberbayerischen Poing deutlich. Kritik an diesem Vorstoß kam allerdings postwendend vom Bund Naturschutz. Dieser Weg sei ungeeignet, Wolfsrisse bedeutend zu reduzieren, hieß es in einer Mitteilung des BN. Der Bayerische Bauernverband begrüßte hingegen die Position der Staatsregierung, forderte aber weitere Schritte und schnelle Lösungen.

BBV-Umweltpräsident Stefan Köhler wünscht sich, dass Bayern beim Thema Wolf eine führende Position einnimmt. Er forderte von der Staatsregierung weitergehende Reaktionen. „Bei den Komplexen nicht zumutbar zäunbare Gebiete und Problemwölfe müssen wir auch in Bayern endlich vorankommen und gemeinsam spezielle Maßnahmen entwickeln.“ Umweltminister Thorsten Glauber müsse weiterhin hartnäckig dranbleiben. „Es ist ein langer Weg, aber Bayern kann selbst eigentlich schon viel machen“, sagte Köhler.

Kritik am Landesamt für Umwelt

So fordere der BBV schon seit einem Jahr, dass die Weideschutzkommission konkrete Ergebnisse präsentiere. Köhler betonte, dass es noch weitere nicht zumutbare zäunbare Gebiete gebe, gerade auch in den Mittelgebirgslagen und in Nordbayern. Diese Kulissen würden in der öffentlichen Diskussion aber zumeist außer Acht gelassen. Gerade bei Übergriffen auf Nutztiere brauche es andere Maßnahmen, wie Vergrämung. Seine Forderung: „Es muss flächendeckend in ganz Bayern geliefert werden, am besten noch im August oder im September!“

Kritik übt Köhler insbesondere am Landesamt für Umwelt. Er vermisse Transparenz, zu oft würde das Landesamt auf Zeit spielen oder Informationen nur sehr zögerlich herausgeben. „Da gehört mehr Transparenz her und öffentliche Apps, in denen man alles einsehen kann.“ Im Nachbarland Tirol gebe es eine App, die sämtliche Vorfälle mit Wölfen übersichtlich erfasst. Genau das wünscht sich Köhler auch für Bayern.

Der Wolf und die damit verbundenen Probleme spielten auch beim Alpengipfel eine große Rolle. Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber betonte dabei, dass es grundsätzlich einen Plan brauche, wie mit großen Beutegreifern umgegangen wird. „Wir müssen ehrlich und offen darüber reden, wo wir hin wollen.“ Nötig sei „ein ordentliches Monitoring“, sagte die Ministerin, und grundsätzlichen Schutz für die Almwirtschaft. Ihre Warnung: Wenn die Übergriffe durch Wölfe weiterhin zunehmen, dann bedeute das gleichzeitig das Ende der Almwirtschaft.

Den Alpengipfel können Sie hier im Video nochmals ansehen: