Tierschutz

Wolf: Schafhalter fordern Bund zum Handeln auf

Josef Koch
Josef Koch
am Dienstag, 17.08.2021 - 15:55

Die Vereinigung der Schafzüchter hat klare Vorstellungen, was die künftige Bundesregierung beim Wolfsmanagement anpacken muss.

Herdenschutz-Wolf

Angesichts der dramatisch gestiegenen Wolfrisse und Entschädigungszahlungen erwartet der Vorsitzende der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL), Alfons Gimber, von der künftigen Bundesregierung konkrete Maßnahmen.

Endlich müssen, so der Vorsitzende, die von Brüssel genehmigten Hilfsmaßnahmen zum Herdenschutz bei den investiven wie auch laufenden Kosten in allen Bundesländern vollumfänglich angeboten werden. Dies dürfe nicht erst geschehen, wenn sich der Wolf in einem Territorium angesiedelt oder erste Schäden verursacht habe.

Ferner müsse die neue Bundesregierung endlich die FFH-Richtlinie 1:1 in deutsches Recht übernehmen, den günstigen Erhaltungszustand des Wolfes in Deutschland feststellen und die zu ergreifenden Maßnahmen bei Erreichen des günstigen Erhaltungszustandes bzw. diesen Zustand längst festlegen. Gimber verlangt auch, eine Schutzjagd wie in Skandinavien oder das Festlegen eines Kontingentes zur Entnahme von Wölfen wie in Frankreich zu prüfen.  

Der VDL-Vorsitzende findet, es sei allerhöchste Zeit. „Oder müssen erst Menschen zu Schaden oder zu Tode kommen, ehe die Politik aufwacht?“, fragt er.

VDL schätzt Wolfsbestand auf bis zu 2000 Tiere

Gimber Alfons

Gimber kann über die neuen Zahlen der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) nur den Kopf schütteln. „Das überrascht uns nicht und war zu erwarten. Die jährliche Steigerung von ca. 30 Prozent hat sich bei den Zahlen der Wölfe in Deutschland als auch bei den von ihnen verursachten Schäden annähernd bestätigt.“

Nach Gimbers Auffassung zeigen die DBBW-Zahlen, dass Prävention alleine nicht genügt; zumal die genannte Summe nicht die zahlreichen Maßnahmen enthält, die die Schafhalter auch ohne Förderung zum Schutz ihrer Tiere ergriffen haben.

Erschreckend ist ferner die Studie des letzten Jahres vom Bundesamt für Naturschutz (BfN), dass man 700 bis 1.400 Wolfsterritorien in Deutschland für möglich hält. Diese Studie gehe in keiner Weise auf die Folgen für die Schafhaltung und Weidetierhaltung insgesamt ein, bedauert der VDL. Als Konsequenz könnte dies bis zu 10.000 Wölfe in Deutschland bedeuten. Solide Schätzungen gehen laut VDL bereits heute von einem Bestand von 1.500 bis 2.000 Wölfen aus.

In der Folge geben Schafhalter auf und schließen still und leise ihre Betriebe, weil sie die ständig steigenden Anforderungen, um ihre Tiere zu schützen, nicht mehr mitmachen können und wollen, warnt der der Vorsitzende. „Bedenkt man, das in diesen Tierhaltungen doch dem Tierwohl in besonderer Weise Rechnung getragen wird, könnte man doch erwarten, bei Thema Herdenschutz und Wolfmanagement mehr Verständnis zu finden,“ so Gimber.