Tierschutz

Wolf: Schadensumme hat sich verdoppelt

Josef Koch
Josef Koch
am Freitag, 13.08.2021 - 14:30

Die Nutztierschäden steigen massiv an. In Bayern haben sich die Risse fast verachtfacht. Nord- und ostdeutsche Länder sind besonders betroffen.

Wolfsriss

Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) hat die neuen Zahlen der von Wölfen verursachten Schäden veröffentlicht. Die Anzahl der geschädigten Nutztiere stieg um 37% gegenüber dem Vorjahr an.

„Es zeigt sich wieder einmal, dass die Zunahme der Schäden an Nutztieren annähernd exakt mit der jährlichen Zuwachsrate an Wölfen korreliert. Es wird Zeit, dass die Politik endlich aufwacht und zur Kenntnis nimmt, dass dieser Trend ungebrochen die Existenz der Weidetierhaltung in Deutschland in Frage stellt“, so Eberhart Hartelt, der Umweltbeauftragte des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und Vorstand im Forum Natur.

Danach lebten im Monitoringjahr 2019/20 in Deutschland nachgewiesenermaßen 128 Wolfsrudel, 39 Wolfspaare und 9 einzelne Wölfe. Gegenüber 2018/19 sind das 22 Prozent mehr Wolfsrudel und über 34 Prozent mehr Wolfspaare. Laut Deutschen Bauernverband sind diese Zahlen aber schon wieder veraltet. Für den Herbst hat die Dokumentationsstelle neue Zahlen für 2020/21 angekündigt.

In Bayern Wolfsrisse fast verachtfacht

Deutlich erhöht hat sich die Zahl der Wolfrisse in Bayern. 2020 kam es zu 39 Nutztierschäden, die meisten an Schafen. Dagegen waren es 2019 nur 5, davon waren 4 Schafe und 1 Rind. Damit haben sich die Wolfsrisse in einem Jahr fast verachtfacht. Ähnlich verhält es sich mit Entschädigungen. Sie stiegen von 1.130 € auf 7.982 € an.

Besonders betroffen von Wolfsschäden sind jedoch die Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Dort liegen die Schäden im drei- bis vierstelligen Bereich. Schafe werden am häufigsten von Wölfen getötet, 3.444 im Jahr 2020, gefolgt von Gehegewild (248), Rindern (153) und Ziegen (92). Aber auch 13 Pferde, 7 Alpaka und 2 Herdenschutzhunde fielen dem Wolf zum Opfer.

Im Vergleich zu den Vorjahren ergibt sich ein erschreckendes Bild. Wurden 2018 insgesamt 2067 Nutztiere vom Wolf getötet, waren es 2019 schon 2894 Nutztiere und im Jahr 2020 insgesamt 3959. Das sei in zwei Jahren ein Zuwachs von 92%! Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Schadenszahlungen an die Betroffenen wider, die sich von 418.246 € auf 800.294 € annähernd verdoppelt haben.

Hartelt: Neue Regierung muss handeln

„Es ist beschämend, den im Internet veröffentlichten Bericht zu lesen, der eine reine „Copy & Paste Arbeit“ der DBBW ist, bei dem weitgehend nur die Zahlen alljährlich aktualisiert werden“, so Hartelt. So sei es nicht länger hinzunehmen, dass die fachlichen Ausführungen zur Förderung von Präventionsmaßnahmen und den Folgen aus den steigenden Wolfsbeständen immer die gleichen bleibe, obwohl der Trend in der Entwicklung bei Wolfbestand und Schäden die nahende Katastrophe überdeutlich aufzeige.

Hartelt fordert die politisch Verantwortlichen im Vorfeld der Bundestagswahl dazu auf, sich klar zum aktiven Bestandsmanagement für den Wolf zu bekennen und die dafür notwendigen gesetzlichen Änderungen in der nächsten Legislatur durch eine erneute Novelle der entsprechenden Gesetze anzugehen. "Dass der Wolf in das Jagdrecht aufgenommen gehört, kann nur noch leugnen, wer auf einem anderen Stern lebt“, macht Hartelt deutlich.