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Bundestag

Wolf: Petitionsausschuss wehrt Eingabe ab

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 14.01.2022 - 11:57

Petent scheitert mit Eingabe im Bundestag für Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht und sofortigen Abschuss.

Wolf

Weidetierhalter haben in der Politik einen schweren Stand, obwohl sich die Regierungsfraktionen fürs Tierwohl öffentlich einsetzen. Das zeigt die jüngste Entscheidung des Petitionsausschuss im Bundestag. Er sieht mehrheitlich keinen Bedarf für Maßnahmen gegen die Verbreitung des Wolfes in Deutschland. In der Sitzung am Mittwochmorgen (12.1.) verabschiedete der Ausschuss mit den Stimmen der Fraktionen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Die Linke eine Beschlussempfehlung, auf das Überweisen einer entsprechenden Petition an die Bundesregierung zu verzichten und das Petitionsverfahren abzuschließen, „weil dem Anliegen teilweise entsprochen worden ist“.

Die Fraktionen von CDU/CSU und AfD hatten hingegen für eine Überweisung mit dem höchstmöglichen Votum „zur Berücksichtigung“ plädiert. In der Beschlussempfehlung heißt es unter anderem, dass das Schutzniveau des Wolfes auch unter dem Jagdrecht unverändert fortbestehe, weil dies das Europarecht zwingend vorgebe.

In der Eingabe hat der Betreiber eines Pferdehofs in Niedersachsen, die Aufnahme der Wölfe und ihren Hybriden in das Jagdrecht gefordert. Ebenso sei der sofortige Abschuss auffälliger Wölfe zu ermöglichen, die Weide- und Nutztiere angegriffen haben.

Schafhalter sind enttäuscht

Gimber Alfons

Der Vorsitzende der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände  (VDL), Alfons Gimber, ist erschüttert über diese Entscheidung des Petitionsauschusses. „Wieder einmal stellen wir fest, dass man uns Weidetierhaltern nicht zuhört! Alle Argumente, Beispiele, Hinweise und Bilder von getöteten und verletzten Weidetieren - und dies trotz aller Schutzmaßnahmen - nichts scheint die Verantwortlichen zu erreichen, darüber nachzudenken und Schlussfolgerungen zu ziehen“, so der VDL-Vorsitzende.

Die Entwicklung der Übergriffe auch auf Pferde und Rinder zeigen laut Gimber, dass die gegenwärtige Entwicklung des Bestandes an Wölfen kontraproduktiv der Weidetierhaltung gegenübersteht. Die Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes wie auch der Praxisleitfaden Wolf lassen seiner Meinung nach auch kein Ende der Zielkonflikte zwischen Weidetierhaltung und dem Artenschutz des Wolfes erkennen.

Gimber sieht das Beispiel Finnland mit dem Urteil des Europäischen Gerichtshof (EuGH) zur Wolfsjagd und damit der behördlichen Entscheidung über eine Ausnahme vom strengen Schutz nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) als ein Weg, um unter anderen illegale Tötungen zu verhindern und der Bevölkerung Handlungsspielraum zu ermöglichen. Aus VDL-Sicht sollten grundsätzlich Schutzbestimmungen für einzelne Arten eine Regulierungsoption bei Schädigung anderer FFH-geschützter Arten und Gebiete beinhalten.

Gimber: Grünenäußerung ist respektlos

Daher empfindet Gimber das Verhalten der Deutschen Bundesregierung als eine „Farce“ gegenüber den Weidetierhaltern. Die Ausführungen der Grünenvertreterin im Petitionsausschuss, dass „für die gesunkene Attraktivität des Schäferberufes im Übrigen auch nicht der Wolf verantwortlich sei“ sind seiner Ansicht nach respektlos gegenüber dem Berufsstand.

So würden viele Schafhalter verzweifeln und ihre Schafhaltung gerade auch deshalb beenden, wenn sie trotz vorgenommener Herdenschutzmaßnahmen Übergriffe mit getöteten und schlimm verletzten Schafe zu beklagen haben, erläutert der VDL-Vorsitzende.

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