Tierschutz

Wolf: Neuer Leitfaden erleichtert Wolfentnahme

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 14.10.2021 - 14:42

Nach Auffassung der österreichischen EU-Abgeordneten Schmiedtbauer hat Brüssel die Entnahme von Problemwölfen erleichtert.

Wolfsrudel-Wald

Aufgrund des neuen EU-Leitfadens zur FFH-Richtlinie und zum Wolfsschutz hält es Simone Schmiedtbauer, ÖVP-Agrarsprecherin im Europaparlament, künftig für leichter, Problemwölfe zu entnehmen. „Konsequente Überzeugungsarbeit macht sich bezahlt: Unter bestimmten Umständen erlaubt es das EU-Recht, den Wolf und andere große Beutegreifer gezielt zu entnehmen, wenn eine harmonische Koexistenz mit Mensch und Weidetieren ansonsten unmöglich ist,“ so die Abgeordnete.

Vergangenen Herbst wurde Schmiedtbauer vom EU-Umweltkommissar Sinkevičius zu Beratungen mit dem zuständigen Expertengremium der EU-Kommission für die Auslegung der FFH-Richtlinie eingeladen.

Die dafür maßgebliche Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) und der Schutzstatus des Wolfes werden zwar nicht in absehbarer Zeit geändert, jedoch müsse man national Möglichkeiten zu Ausnahmeregelungen voll ausschöpfen, welche die Richtlinie beinhaltet. Laut Schmiedtbauer sind Entnahmen möglich, selbst wenn in einem Mitgliedstaat kein günstiger Enthaltungszustand besteht. Das hat die Kommission in ihrem neuesten Leitfaden zur Umsetzung der FFH-Richtlinie klargestellt. „Das ist ein Erfolg für die heimischen Tierhalter“, sagt Simone Schmiedtbauer.

Verhütung wirtschaftlicher Schäden reicht als Grund

Ausnahmen zum strengen Schutz und damit zu Entnahmen von Wölfen nach Artikel 16 der FFH-Richtlinie sind laut Leitfaden unter anderem legitim „zur Verhütung ernster Schäden... in der Tierhaltung“ oder aus „Gründen von überwiegendem öffentlichem Interesse, einschließlich solcher sozialer oder wirtschaftlicher Art“.

Darauf könnte sich beispielsweise Österreich bei der Umsetzung der Schutzvorschriften ohne Zweifel berufen, ist Schmiedtbauer überzeugt. „Die Zahlen der gerissenen Nutztiere und die vorzeitigen Almabtriebe sprechen ihrer Ansicht nach eine klare Sprache.

Diese Art der Viehwirtschaft im Alpenraum ist kleinstrukturiert und extensiv, die Weidetiere werden in kleinen, gemischten Herden vielfach an extremen und verstreuten Standorten gehalten. „Da funktionieren die oft angepriesenen Schutzmaßnahmen wie Zäune, Herdenschutzhunde, Nachtpferche und Hirten gegen die Wölfe leider nicht ausreichend, wenn diese in den Blutrausch verfallen und dessen Bestände weiter zunehmen,“ findet die EU-Parlamentarierin.

Wolfsdemo: Die Positionen auf den Punkt gebracht

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