Tierwohl

Wolf: Mehrheit ist für Abschuss von Problemtieren

Josef Koch
Josef Koch
am Freitag, 20.08.2021 - 11:55

Umfrage des Landvolks Niedersachsen liefert interessante Ergebnisse. Umweltminister verspricht Gutachten zum Erhaltungszustand.

Wolfsrudel

Gut zwei Drittel der Menschen (67 Prozent) in Niedersachsen sind für die Rückkehr der Wölfe, aber eine deutliche Mehrheit von 72 Prozent der Befragten sieht auch die Probleme für die Weidetierhaltung und die Menschen. 65 Prozent stimmen dem Abschuss von Wölfen in bestimmten Fällen zu, wenn es etwa um Wölfe geht, die wiederholt Nutztiere reißen oder wenn es sich um Räuber handelt, die sich Siedlungen oder Menschen nähern (50 Prozent Zustimmung). Ebenso viele meinen, dass Wölfe nur in bestimmten Landschaftsregionen leben sollten, um Probleme mit Menschen und Nutztieren zu vermeiden. Diese Ergebnisse stammen aus einer Umfrage, die das Landvolk Niedersachsen und weitere Partner in Auftrag gegeben haben.

Unterschiedlich ist die Einschätzung zwischen Stadt und Land zur Bestandsregulierung. In der urbanen Bevölkerung votieren 68 Prozent für die Bestandsregulierung; die ländliche Bevölkerung stimmt mit 72 Prozent zu. Mitglieder in Umweltverbänden (63 Prozent) halten eine Festlegung der maximalen Anzahl an Wölfen für richtig. Ebenfalls 65 Prozent meinen, dass Wölfe nur in bestimmten Landschaftsregionen leben sollten, um Probleme mit Menschen und Nutztieren zu vermeiden.

„Interessant ist dabei, dass die jüngere und städtische Bevölkerung mit mehr als 70 Prozent die Rückkehr des Wolfes positiver sieht als die ältere und ländliche Generation“, sagte Landvolkvizepräsident Jörn Ehlers. Er überreicht die Umfrageergebnisse dem niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies (SPD).

Sind die Befürworter zudem Mitglied in Umweltorganisationen, steigt der Wert auf 82 Prozent. „Die Existenz des Raubtieres wird als Zeichen für eine intakte Natur und Artenvielfalt gesehen, gleichzeitig scheinen Weidetierrisse, die Verdrahtung der Kulturlandschaft durch immer höhere Schutzzäune und die Ängste im ländlichen Raum aus dem Blick zu geraten“, ergänzte Hans-Heinrich Ehlen, Präsident des Zentralverbands der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Niedersachsen (ZJEN).

Gutachten zum Erhaltungszustand angekündigt

Lies Olas-Ehlers Jörn

Für Umweltminister Lies ist die Umfrage in vielen Punkten interessant. Sie zeige eine deutliche Akzeptanz des Wolfes, aber auch die Erwartung in der Bevölkerung, eine maximale Zahl von Wölfen in Niedersachsen zu definieren. „Die Akzeptanz müssen wir absichern – und wollen sie gemeinsam noch weiter steigern. Daher werden wir bei der Zahl der Wölfe in Niedersachsen zwei Schwellen definieren müssen.“

Lies kündigte an, nach der Sommerpause ein Gutachten vorzustellen, das die nötige Anzahl von Wölfen festlegt, um die Population nicht wieder zu gefährden. „Aber eine zweite höhere Schwelle wird die Akzeptanzgrenze sein. Mit zunehmender Population nehmen Risse und Nahbegegnungen immer weiter zu. Das wird in unserer Kulturlandschaft nicht unbegrenzt möglich sein und auch nicht unbegrenzt akzeptiert werden. Mit Erreichen dieser Akzeptanzgrenze müssen wir als Staat dann auch in der Lage sein, die Population zu regulieren“, sagte Lies.

Breite Zustimmung für Unterstützungsmaßnahmen

Aufklärungsarbeit sieht indes Alexandra Duesmann, Geschäftsführerin der Pferdeland Niedersachen GmbH. Laut Umfrage sehen nur 19 Prozent den Tourismus im Pferdeland Niedersachsen durch den Wolf gefährdet. Auf eine breite Zustimmung (91 Prozent) stoßen Vorschläge zur Unterstützung von Nutztierhaltern mittels finanzieller Zuschüsse bei Schutzmaßnahmen wie Zäunen gut, 85 Prozent sind für Entschädigungen bei durch Wölfen verursachten Schäden.