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Artenschutz

Wolf: Was die Länder für Schutz und Entschädigung zahlen

Josef koch
Josef Koch
am Dienstag, 03.08.2021 - 08:58

Die Kosten für Herdenschutz und Entschädigungen bei Wolfsrissen sind kräftig gestiegen. Der Trend dürfte anhalten.

Herdenschutz-Wolf

Die Bundesländer haben 2018 und 2019 deutlich mehr Geld für die Prävention von Wolfsrissen und die Entschädigung tatsächlicher Verluste von Weidetieren ausgeben müssen. Das geht aus der der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor.

Insgesamt haben sich die jährlichen Präventionszahlungen in den Bundesländern zwischen 2018 und 2019 auf 6,83 Mio. Euro nahezu verdreifacht. Während für Bayern keine Ausgaben für Herdenschutz angegeben sind, sind die Kosten Schleswig-Holstein förmlich explodiert. Die Präventionszahlungen sind zwischen 2018 und 2019 von etwa 41.000 Euro auf 1,7 Mio. Euro in die Höhe geschnellt. Deutlich gestiegen sind die Ausgaben auch in Sachsen. Innerhalb eines Jahres kletterten die Kosten von knapp 184.000 Euro auf über 1,4 Mio Euro. 
 

Entschädigungen fast verdoppelt

Die Entschädigungen für Wolfrisse an Nutztieren fielen in diesem Zeitraum dagegen deutlich niedriger aus. Nach Angaben der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW)lagen sie 2018 bundesweit bei rund 232.000 Euro. Binnen eines Jahres kletterte sie auf 418.000 Euro. Bayern zahlte 2018 rund 5.700 € und 2019 nur noch 1.130 € an Entschädigungen. Dagegen haben sich die Kosten in Schlewig-Holstein auf über 107.000 € vervierfacht. Angesichts der ungebremsten Ausbreitung des Wolfs ist davon auszugehen, dass die öffentlichen Ausgaben für Prävention und Entschädigung auch 2020 weiter gestiegen sind.

Wie die Bundesregierung weiter schreibt, hat sich aus ihrer Sicht die Arbeit der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) bewährt. Der Betrieb dieser Beratungsstelle ist den Angaben zufolge bis 2025 gesichert. Dafür hat der Bund jährlich Haushaltsmittel von bis zu 220.000 Euro vorgesehen.

Wolfsbestand auf 2000 Tiere geschätzt

Den gesamten Wolfsbestand gibt die Dokumentations- und Beratungsstelle für das Monitoringjahr 2019/20 mit 128 Rudeln, 39 Paaren und neun territorialen Einzeltieren an. Der Deutsche Jagdverband (DJV) geht davon aus, dass die Population des Beutegreifers jedes Jahr um etwa 30 % anwächst. Nach seiner Einschätzung dürften daher aktuell rund 2 000 Wölfe in Deutschland leben, wobei es regional zu problembehafteten Konzentrationen kommt.

Laut DJV fällt beispielsweise der Wolfsbestand allein in Brandenburg bereits höher aus als im 15 Mal größeren Schweden. Der DJV pocht deshalb auf die Definition eines „Akzeptanzbestands“ für den Wolf und auf ein aktives Wolfsmanagement.

Mit Material von AgE
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