Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Wolfsmanagement

Wolf: Künftig immer mehr Entnahmen nötig

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 27.01.2022 - 12:33

Ein Prognosemodell für das Bestandsmanagement sagt Ende des Jahres mehr als 2000 Wölfe in Deutschland vorher.

Wolfsrudel

Die Verbände im Aktionsbündnis Forum Natur (AFN) haben am gestrigen Mittwoch (26.1.) bei der Veranstaltung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) ein Modell für das zukünftige Bestandsmanagement der Wölfe in Deutschland vorgestellt.

Danach soll der Wolfsbestand nach vorsichtigen Bestandserhebungen spätestens in diesem Jahr die Grenze von 2.000 Tieren deutlich übersteige. Diese Entwicklung mache es unabdingbar, dass die bislang geltenden Gesetze um ein Verfahren für die Begrenzung des Wolfsbestandes ergänzt werden. Laut aktueller Daten der Dokumentationsstelle Wolf (DBBW) waren im Wolfsjahr 2020/2021 in Deutschland 157 Rudel, 27 Paare und neunzehn territoriale Einzeltiere ansässig.

„Es kann keinen Zweifel geben, dass die Ausbreitung der Wölfe mittlerweile in mehreren Bundesländern anfängt aus dem Ruder zu laufen“, machte Eberhardt Hartelt, Vorstand im Aktionsbündnis Forum Natur und Umweltbeauftragter des Deutschen Bauernverbandes. Es müsse daher ein gesetzliches Verfahren geschaffen werden, welches die Anzahl der für die einzelnen Bundesländern zulässigen Wölfe unter Akzeptanzgesichtspunkten definiert und darauf aufbauend eine Entnahmequote festlegt.

Wo schon jetzt Entnahmequoten nötig sind

Das Modell baut auf der Ermittlung der „Geeignetheit der deutschen Wolfslebensräume“ auf und verbindet diese mit dem vorhandenen Wolfsbestand. Am Modell haben auch renommierte Wildbiologen mitgewirkt, so das Aktionsbündnis. „Wir schlagen ausdrücklich ein Modell vor, welches in beiden Grundparametern auf den offiziellen Wolfszahlen und Gutachten des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) aufbaut“, betont Hartelt.

Damit werde ein sogenannter Akzeptanzbestand für Wölfe ermittelt, der sich im Korridor der vollständigen Besetzung (Obergrenze) aller für Wölfe geeigneten Gebiete und einem Besatz mit lediglich 60 % (Untergrenze) einpegele. Aus dem Mittelwert von Obergrenze und Untergrenze ergäbe sich eine Entnahmequote für jedes einzelne Bundesland, die durch die Jägerschaft zu vollziehen sei. Aus diesem Grunde müsse der Wolf auch in das Jagdrecht aufgenommen werden. Die Verbände machten deutlich, dass der Vollzug einer solchen Entnahmequote bereits heute für die Bundesländer Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt notwendig sei.

Brandenburg: Ab neuem Wolfsjahr 80 Wolfentnahmen nötig

Das vorgestellte Modell wurde zunächst für das Land Brandenburg durchgerechnet, da in diesem mittlerweile weltweit die höchste Wolfsdichte vorherrscht. Für Brandenburg ergibt sich daraus der Bedarf ab dem Wolfsjahr 2022/23 insgesamt 80 Wölfe zu entnehmen, damit sich die Anzahl der Tiere langfristig auf den tragbaren Wolfsbestand von rund 510 Wölfen einpegeln könne.

„Der Verbändevorschlag zeigt deutlich, dass in Brandenburg schnellstmöglich die Voraussetzung für eine rechtssichere Entnahme von Wölfen auf Basis des geltenden Naturschutz- wie Jagdrechtes geschaffen werden muss. Das aktuelle „rumdoktern“ an einer unpraktikablen Wolfsverordnung ist reine Zeitverschwendung“, macht Dr. Dirk-Henner Wellershoff, Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg, deutlich.

Die Politik sei daher in der Pflicht, das Bundesnaturschutzgesetz und die Vollzugmöglichkeit in den einzelnen Bundesländern verlässlich zu regeln. Aktuell fordert die AfD-Fraktion in einem Antrag im Bundestag, den Anstieg des Wolfsbestandes zu regulieren. Der Antrag soll heute (27.1.) in den Agrarausschuss überwiesen werden.

Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt